Studien zu Benedictus Levita. VIII.

(Studie VIII, Schlußteil V).

Von

Emil Seckel .

Ergänzt und aus dem Nachlaß herausgegeben

von

Herrn Prof. Dr. jur. Josef Juncker

in Greifswald.

(Fortsetzung und Schluß zu Aufsatz IV des LIV. (XXIII.) Bandes.)

3, 447 - 451 aus dem Registrum Gregorii I. papae1 2, mit einer fremdartigen Zugabe (aus Ambrosius).

Rubriken durchweg von Benedikt, zum Teil (bei 3, 447. 451) in Form irreführender Kommentierung des Textes. Die benutzten fünf Gregor-Texte konnte Benedikt vereinigt finden weder in der Collectio3 ducentarum epistolarum (= C)4 noch in der Collectio Pauli (= P)5, sondern entweder in dem zweibändigen Registrum Hadrianum




1) Zuerst bemerkt von Baluze bei Chiniac (danach Knust, MG. LL. IIb, 29a). [Über Verifizierung der von Baluze und seinem Nachfolger zu 3, 450 angegebenen Fundstelle vgl. unten S. 7 N. 3.]
2) In Kanonen-Sammlungen begegnen die 5 von Ben. benutzten Gregorbriefe nicht; vgl. Maassen, Gesch. der Quellen I, 301 - 304.
3) Über die Sammlungen der Gregorbriefe vgl. im allgemeinen die grundlegende Abhandlung von Ewald, N. A. III, 431 - 625, deren Ergebnisse in dem Prooemium zu MG. Epist. II (pag. VIIsqq.) kurz zusammengefaßt sind. Den verwickelten Tatbestand muß ich hier als bekannt voraussetzen. [Die von Peitz gegen diese Ergebnisse gerichteten Angriffe beziehen sich auf das Verhältnis der Sammlungen zum Register, berühren also nicht den von Ewald klargelegten Tatbestand der Überlieferungsformen, würden demnach hier selbst dann nicht interessieren, wenn sie nicht als gescheitert anzusehen wären. J.]
4) MG. Epist. II, p. XIV - XVI.    
5) MG l. c., p. XVI - XIX.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935),
Seite 2]

(= R; = r + ρ)1 oder in der kombinierenden Sammlung ρ* + P2 oder in der ebenfalls kombinierenden Sammlung C + P.3 Die Textvergleichung4 führt trotz der geringen Zahl der benutzbaren Varianten5 zu dem Ergebnis, daß Ben. wahrscheinlich die Sammlung C + P der Gregorbriefe benutzt hat; denn gewisse Lesarten in 3, 447.6 448.7 449.8 451a9 sprechen für C bzw. P, und gegen R ρ (ρ* 2. 3) bzw. Rr.10 - Hat Ben. die Sammlung C + P vor sich gehabt11, so bilden seine Exzerpte eine in der Mitte eingesenkte Reihe, deren erste 3 Stücke invertiert sind, d. h. eine Reihe, die von der Mitte (9, 135) nach beiden Seiten ansteigt.12 Dies, und die Gesamtüberlieferung der 5 Gregor-Texte ergibt sich aus nachstehender Tabelle:



1)MG. l. c., p. VIII - XIV.    
2) MG. l. c., p. XIX. XX. 3)MG. l. c., p. XIV - XV; XVII; XX. XXI.
4) Folgt unten bei der Einzelerörterung zu Ben. 3, 447-451.
5) Für Gregor scheint die kritische Ausgabe von Ewald-Hart mann zur Bildung eines Urteils auszureichen. Für Benedikt ist die Ausgabe von Pertz nicht ausreichend; sie würde zu dem Schlusse führen, daß Ben. die Sammlung ρ + P vor sich hatte. Ich benutze für Ben. den erstmals kritisch fundierten Text der künftigen Ausgabe.
6) 'Episcopis' (C 3), 'degunt', 'disponere' (gegen R 1), 'omissis suis', 'debeat'.
7) 'licentiam habeant'.
8) 'subiecit', 'et' vor 'predicata' (gegen R 1), 'hortandi', 'ad petitum'.
9) Die Wortfolge 'esse servi Dei'.
10) Völlige Sicherheit läßt sich nicht erreichen. In 3, 448 würden zwei Lesarten ('si . . . quod', 'metropolitanum') zugunsten von ρ* (+ P) sprechen, wenn hier nicht vielmehr Änderungen Benedikts anzunehmen wären.
11) Übrigens würde dasselbe gelten, wenn er die Sammlung ρ* + P benutzt hätte.
12) Vor Ewalds kritischen Studien war es unmöglich, die Reihenverhältnisse zu erkennen. Denn die Ausgaben vor Ewald bieten eine willkürlich geänderte Anordnung. Die fünf Exzerpte Benedikts finden sich in den alten Ausgaben (bis auf S. Gregorii papae primi . . . Opera . . . ed. Petrus Gussanvillaeus, Lut. Par. 1675, Tom. II, nach welcher Ausgabe Baluze, Chiniac und Knust zitieren) in Register 7 (ind. II), 66. 8. 48. 130; 2 (ind. X), 24, und in der Mauriner-Ausgabe (Tom. II, Parisiis 1705; = Migne 76) in Registr. 9, 64. 8. 49. 125; 2, 36.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 3]


  Ben. Greg. R (=r + ρ) C P

ed. E.-H.


3, 447 9, 203 (ρ) ind. I. II. c. 108 c. 119 -
3, 448 9, 202 (ρ) ind. I. II. c. 107 c. 118 -
3, 449 9, 135 (ρ) ind. I. II. c. 75 c. 22 -
3, 450 9, 234 (ρ) ind. I. II. c. 129 c. 141 -
3, 451a 2, 31 ((r) ind. X. c. 24) - c. 41 (ind.




X. c. 4).

3, 447 aus dem Schluß von Gregorii I. epist. ad Vitalem, defensorem Sardiniae 'Indicatum nobis est' a. 599 (Jaffé 1730), Registrum 9, 203 (MG. Epist. II, 191 l. 22-26).1 Die Rubrik arbeitet nicht mit den Worten des Textes2; zu dem t. t. 'peregrina iudicia' vgl. oben 3, 309a, wo als Quelle dieses Kunstausdrucks sich Brev. Cod. Theod. 9, 1, 5 (Text oder Ep. Aeg.) ergeben hat.3 Am Text Gregors hat Ben. mancherlei geändert.4 Zunächst hat er den Anfang um- gestaltet ('Episcopis singulorum locorum omnium5, qui sub eorum degunt' statt ' . . . episcopi6 loci ipsius, sub cuius degant' ).7 Aus der Wahl des Pluralis ergeben sich eine Reihe weiterer, nur formeller Eingriffe ('omissis suis




1) Vgl. Pseudoisid. Fab. II. c. 15 med. (Hinschius p. 163). Als Quelle Pseudoisidors betrachtet Hinschius das Original (Gregor I. l. c.), während offenbar Benedikts verfälschter Text benutzt ist, wie die nachstehend gesperrt gedruckten Worte Ps.-Fabians beweisen: 'episcopis locorum singulorum omnium, qui sub eorum degunt . . . alii quilibet omissis suis . . . disponere, qui eos in sacerdotium ordinant et a quibus iam ordinati sunt'.
2) Will sie doch die Interpretation des Textes nach bestimmter tendenziöser Richtung hin (in die Irre) leiten.
3) Studie VIII B, S. 83.
4) Ungeändert hat er das Wort 'moderatione' übernommen; denn so schreiben die Ben.-Hss. der Klasse I (Par. 46342. 4636. Vat. 4982 = Bellovac. = Baluze = Pertz) [außerdem eine Hs. der II. Klasse (Par. 4635) J.]. Assimilierend an Satz 1 ('moderamine') ist 'moderatione' zu 'moderamine' geändert in den Ben.-Hss. der Klasse II (Vat. Pal. 583. Goth.) und in der ersten Schrift des cod. Par. 4634.
5) Verfälschung durch Generalisierung; Gregor I. redet nur von den Klöstern.
6) 'episcopus' C 1. 2; 'episcopis' C 3.    
7) 'degunt' C.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 4]

alii quilibet . . . admisceant' statt 'omisso' 1 eo1 alius quilibet 2 ) . . . admisceat'; 'illi . . . debeant' statt 'ille . . . debet'3; 'conpelluntur' statt 'compellitur'). Weiter leistet sich Ben. eine kräftige Einschaltung4: 'qui eos ordinare canonice5 possunt vel a quibus ordinati sunt et' vor 'qui pro commissis' etc. Eine letzte Änderung6 ('eorumque', statt 'eorum sibi' hinter 'commissis') hat sachlich weniger zu bedeuten, obgleich das Wort 'commissis' dadurch einen völlig andern Sinn bekommt (nicht mehr = 'anvertraut', sondern = 'Vergehen').

3, 448 aus dem Schluß von Gregorii I. epist. ad Vincentium etc. episcopos 'Cognovimus quod mos' a. 599 (Jaffé 1729), Registrum 9, 202 (MG. l. c. II, 190 l. 14-17). Rubrik aus den Textworten gebildet. Verhältnis von Benedikts Text zur Vorlage:
Greg. Ben.
  . . . (excepto) si,7 (quod7)   Si forte, quod non op-
non optamus, contra eun- tamus, aliquem episco-
dem metropolita(nu)m8 pum9 contra proprium10
vestrum vos habere ali- metropolitanum vel11 con-
quid causae contingat, ut tra alios quosque12 con-
ob hoc sedis apostolicae iu- tingat aliquid12 habere cau-




1) 'omnis suo' C.    
2) 'quidlibet' C 3.    
3) 'debeat' C.
4) Im Geiste Angilrams (oben 3, 308d. 320d; vgl. Studie VIII B, S. 83. 92). Teilquelle der Einschaltung ist also (mittelbar oder unmittelbar) Conc. Antioch. 341 c. 22 Dion.-Hadr. (v. 'ordinare . . . potuerit').
5) [Zu 'canonice' vgl. die gegen die Chorbischöfe gerichteten Kapitel Benedikts 2, 121; 2, 369; 3, 260c (Studie VIII B, S. 24); 3, 394g.]
6) Wenn es eine ist; denn möglicherweise stand sie schon in der von Ben. benutzten Hs. der Vorlage.
7) 'si quod' ρ* 2. 3 (vgl. MG. l. c. II, p. XIXsq.); 'sicut' alle andern Hss.
8) 'metropolitanum' ρ* 2. 3; 'metropolitam' alle andern Hss.
9) Sinngemäßer Ersatz des im Original folgenden 'vos'.
10) Sinngemäßes Surrogat für das originale 'eundem . . . vestrum'.
11) Verfälschung durch Verallgemeinerung.
12) 'aliquid' schreibt (fehlerhaft) cod. Paris. 4636.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 5]


Greg. Ben.
dicium his1, qui petere fe- sae, decrevimus, ut ob hoc
stinant, licentiam habeant2; sedis apostolicae iudicium
quod scitis per3 canones3 his4, qui petere festinant,
etiam antiquorum patrum licentiam habeant; quod sci-
institutione permissum. tis canonum etiam antiquo-

rum patrum iustitutione per-

missum.

3, 449 aus dem ersten Drittel von Gregorii I. epist. ad Anastasium episc. Antioch. 'Fraternitatis tuae scripta' a. 599 (Jaffé 1661), Registrum 9, 135 (MG. l. c. II, 133 l. 11-23). Rubrik wiederum mit Hilfe von Textworten gebildet. In dem ziemlich umfangreichen Texte weicht Ben. nur zweimal und nur in Nebendingen von jeglicher Überlieferung der Vorlage ab. ('Et' statt 'Quae' hinter dem zweiten Bibel- zitat aus Joh. 10, 1. 2; 'Ille ergo in' statt 'Ille ergo ad' hinter dem dritten Bibelzitat aus Joh. 10, 7). [Die anderen Differenzen des kritisch hergestellten Benedictus-Textes gegenüber dem von Ewald-Hartmann rezensierten gestatten einen verhältnismäßig gut fundierten Schluß auf die Überlieferungsform der Vorlage. Das gilt zunächst für 'subiecit' statt 'subicit', eine Lesart, die mit C 2. 3 übereinstimmt.5] Nach der Ausgabe von Pertz müßte aller




1) 'his' alle Hss. Ewalds; 'hi' die Ausgabe, die für ihre Emendation schon im 11. Jahrhundert einen Vorgänger hat (unten N. 4).
2) 'habeant' fehlt in allen Hss. (R. 1. ρ*-2. 3) außer in C. [Das ist ein starkes Indiz für die Benutzung von C (+ P), auch wenn die Ergänzung des Wortes an sich nahe gelegen haben mag.]
3) 'per canones' fehlt ρ* 2, was allein gegen die Benutzung von ρ* (+ P) natürlich nichts beweisen würde.
4) So alle Ben.-Hss. (Par. 4634. 4636. Vat. 4982. Vat. Pal. 583. Goth.1, außer dem Korrektor Goth.2, dessen 'Verbesserung' (zu 'hi') Pertz folgt!
5) Eine zweite Differenz im Tempus wäre zu notieren, wenn mit den Ausgaben der falschen Kapitularien 'suscepit' (so auch C 1. 2) statt 'suscipit' zu lesen wäre. Nun schreiben aber alle guten Ben.-Hss. beider Klassen (Par. 4634. 4636; Vat. Pal. 583 und dessen Ableitung Vat. Reg. Christ. 974) mit (R. 1. ρ*) C 3 der Vorlage: 'suscipit', und erst die gelehrten Redaktoren der weniger zuverlässigen Ben.-Hss. (Vat. 4982; Goth.) ändern zu 'suscepit'.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 6]

dings trotz dieser Übereinstimmung angenommen werden, daß die Benutzung der Sammlung C unwahrscheinlich sei1, da die Hss. dieser Sammlung einstimmig von der echten bei Pertz konservierten Lesart 'portandi' abweichen.2 Nun schreiben aber alle guten Ben.-Hss. beider Klassen (Par. 4634, 4636. Vat. Pal. 588. Goth. man. prima) gerade, mit C3, 'hortandi' bzw. 'ortandi' und erst in den gelehrt überarbeiteten Hss. (Vat. 4982: 'portandi'; Goth.2: 'Portandi') erscheint die sachlich richtige, aber kritisch wertlose Lesart, der Pertz gefolgt ist. Mit C 3 stimmt Ben.4 auch in der Lesart 'ad petitum' statt 'ad appetitum' 5 überein. [Unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Lesarten wird man demnach die Feststellung zu treffen haben, daß die Vorlage Benedikts ein Text der Sammlung C war u. z. in Gestalt einer C 3 nahestehenden Überlieferung. - Lediglich unkritische und unrichtige Lesarten der Ben.-Ausgaben sind alle anderen Abweichungen, die der Vorlage gegenüber noch registriert werden können (Fehlen von 'Jesus' hinter 'Christus' am Schluß des Bibelzitates aus 1. Cor. 3, 116;




1) Die Benutzung von C 1 kommt wegen Auslassung von 'et praedicat' und wegen der Lesarten 'malignis spiritibus' und 'devastant' ohnehin nicht in Frage [, zumal die Verwandtschaft im übrigen nur gering ist. Gegen C 3 spräche die Auslassung von 'cum'; ferner 'sequantur' und 'oculis', wenn es sich nicht um Schreibfehler handelte, die bei Benutzung einer nah verwandten Hs. weggedacht werden könnten und die Benutzung einer solchen Hs. nicht aus anderen Gründen zu postulieren wäre. J.]
2) Dann bliebe möglich die Benutzung von R (R 1, R*1) oder von ρ (ρ* 3). R 1 läßt zwar ein 'et' (so auch ρ* 2) und ein 'ad' (so auch ρ* 2. 3) aus; dies sind aber untergeordnete, durch Konjektur leicht zu beseitige n de Schreibfehler. ρ* 2 kann von Ben. nicht benutzt worden sein (wegen 'quod' statt 'qui' im ersten Bibelzitat).
3) 'ortandi' C 1. 3. 'hortandum' corr. in 'hortandi' C 2.
4) 'ad petitum' schreiben alle guten Ben.-Hss. beider Klassen (Par. 4634. 4636. Vat. Pal. 583. Goth.1; die gelehrten Überarbeiter merken den (sachlichen) Fehler (Vat. 4982: 'ad appetitum'; Goth.2: 'ad appetitum'); [Vat. reg. Christ. 974 bringt mit 'appetitum' statt 'ad appetitum' eine die originale Lesart ahnende Konjektur. J.]
5) So C 12. 2 (dagegen verderbt 'appetitum', ohne 'ad', in ρ* und R 1).
6) ['Jesus' fehlt nur Vat. Pal. 583 und Goth.; steht aber in allen Hss. der I. Klasse (Par. 4634. 4636. Vat. 4982) und Vat. Reg. Christ. 974.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 7]

'officium' statt 'edificium'1; 'delectamenta' statt 'oblectamenta'.2]

3, 450 aus dem Schlußabschnitt von Gregorii I. epist. ad Maximum episc. Salonitanum 'Susceptis fratris et' a. 599 (Jaffé 1761), Registrum 9, 234 (MG. l. c. II, 230 l. 8. 9).3 Rubrik aus dem interpolierten Text gewonnen (v. 'definitis'); das Wort 'recommovendis'4 [der Ausgaben beruht auf Konjektur gegenüber einem Lesefehler des Bellov. J.]. An der Vorlage ('Nam flagitari iudicium non debet de causa, quamipse iudicavit') mußten in Benedikts Text zwei formelle Änderungen vorgenommen werden (Streichung von 'Nam'; Verdrängung der auf einen konkreten kirchlichen Richter gemünzten Worte Gregors d. Gr. 'quam ipse iudicavit' durch




1) Wo die Ausgaben von Baluze und Pertz 'officium' bieten, hat Klasse II der Hss. (Vat. Pal. 583. Vat. reg. Christ. 974. Goth.) und aus Klasse I der treffliche Par. 4634 das quellentreue 'ędificium (ędifitium)'; in der Unterklasse I b (Par. 4636. Vat. 4982 = Bellovac.) erscheint dagegen die Änderung 'officium'. [Woher Pithou die (richtige) Lesart 'aedificium' hatte, läßt sich mit den zu Gebote stehenden Mitteln nicht feststellen. In der Hs. des Tilius (Par. 4635) ist 3, 449 übergangen.]
2) Die Lesart 'delectamenta', der Pertz den Vorzug gibt, ist schlecht beglaubigt. Mit Gregor I. schreiben 'oblectamenta' die Ben.-Hss. der Klasse I (Par. 4634. 4636. Vat. = Bellovac.); 'dilectamenta' hat die führende Hs. der Klasse II (Vat. Pal. 583) und so schreibt auch Goth.1, der sich vom Korrektor Goth.2 die Änderung zu 'delectamenta' gefallen lassen mußte, [eine Lesart, die auch Vat. reg. Christ. 974 bringt].
3) Von mir (nach langem Suchen) wieder aufgefunden. Knust verweist auf Gregorii I. Registr. 7, (ind. II.) 129 (ed. Gussanvillaeus, Paris. 1675) = 9,240 (ed Ewald -Hartmann, MG. l. c. II, 234sq.; Jaffé 1767), wo sich die Stelle nicht findet. Knusts irrtümlicher Hinweis ist ungeprüft abgeschrieben aus Chiniac I, 1125 (in Baluzes Originaldruck findet sich noch keine Quellenangabe) [Für frühere Ausgaben (vgl. MG. l. c. XXVIIIsq.) stimmt jedoch der Hinweis, wie ich auf Grund der ed. Basil. 1564 II, col. 1005 feststellen kann. Baluze dürfte demnach hier nicht nach der ed. Gussanv. sondern nach einer der früheren Ausgaben notiert haben. J.]
4) Übrigens schreiben gute Hss. (Par. [4634.] 4636. Vat. Pal. 583 removendis [ebenso Vat. reg. 974. Im Rubrikenverzeichnis haben nur Vat. Pal. 583 und Vat. reg. 974 die richtige Lesart 'removendis', Goth. 'removendum'; Par. 4634. 4636 überliefern hier infolge offenkundigen Lesefehlers 'recoovendis' und erst Vat. 4982 'recommovendis. J.])




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 8]

die abstrakte Formulierung des Tatbestandes: 'quae iudicata est'). Ein Übriges tat der Fälscher, indem er vor 'iudicata' die Worte 'definita12 vel' hineininterpolierte. [Den Zweck dieser Einschaltung mit Sicherheit zu ermitteln fehlt leider die Handhabe. Benedikt hat jedoch wohl nur die Absicht gehabt, den Ausspruch Gregors, der nach seinem Wortlaut das Urteil im technischen Sinn betrifft, seiner Tragweite nach klarzustellen: der Satz soll offenbar im Prinzip auch für Streitbeendigung durch einen Richterspruch gelten, der nach damaliger Anschauung zwar die Kraft hat, die 'causa' als 'iudicata' aber nicht unmittelbar als 'diffinita' erscheinen zu lassen.3 Ebensowenig etwa wie die Zulässigkeit des Rechtszuges, will die Interpolation Benedikts die Frage der materiellen Rechtskraft des Urteils4 berühren. J.]




1) Was die Streitbeendigung durch Befriedigung oder durch förmliche Streitentsagung des Klägers (Anklägers) wird bedeuten sollen; vgl. W. Seelmann, Der Rechtszug im älteren deutschen Recht (1911) S. 11 - 14 u. ö.
2) 'diffinita' Par. 4636. [Gregor betont auch sonst häufig die Unverbrüchlichkeit der materiellen Rechtskraft und bedient sich in diesem Zusammenhang unterschiedslos der Worte 'iudicare' und 'definire'. Vgl.] Gregorii I. Registr. 1, 69 (ed. E.-H. I, 89 l.17): 'quae iudicata sunt, modis omnibus conserventur'; 9, 4 (ed. E.-H. II, 43 l. 24sq.): 'sicut sine iudicio quemquam nolumus condemnari, ita quae definita fuerint, nulla patimur excusatione differri'; 9, 119 (l. c. p. 123 l. 4sqq.): 'iudicio definiri . . . subire iudicium, ut causa ipsa possit cognita veritate distingui . . . Et quicquid . . . ab eis fuerit statutum, ita . . . volumus ad effectum executione perduci, ut nihil inter partes remaneat, unde post hoc se recidivo valeant litigio fatigare'. [3) Den sachlich entscheidenden Ausdruck verwendet Benedikt auch dort, wo er aus Eigenem die Fassung für die Rubrik eines Kapitels bestreitet, das die Urteilswirkung betrifft. Vgl. die Rubriken zu den 'duplicata' 3, 163 und 3, 291. [4) Sie ist bekanntlich für das germanische Recht kontrovers. Vgl. zuletzt Brunner -v. Schwerin, Deutsche Rechtsgeschichte II2 S. 485, 489 N. 16, 687 N. 2 und die dort angeführte neuere Literatur. Es ist zu bezweifeln, daß mindestens in der für uns in Betracht kommenden Zeit die Voraussetzungen dafür gegeben waren, die Geltung des Urteils im Sinne der materiellen Rechtskraft aufzufassen. Jedenfalls ergeben die von Benedikt anderwärts aufgenommenen oder von ihm selbst gefertigten




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 9]

3, 451 Rubrik. Anfang aus dem Text von 3, 451a. Fortsetzung selbständig formuliert (zwecks tendenziöser Beeinflussung des Lesers von 3, 451b); zu den 'accusatoribus vel testibus inimicis', von denen im Text (3, 451b) nichts zu lesen ist, vgl. oben 3,187 rubr.: 'De testibus vel accusatoribus, qui cum inimicis morantur' (welche Rubrik aus dem verfälschten1 Text von 3,187 gebildet ist); unten Add. III. 15.

3, 451a aus der Mitte von Gregorii I. epist. ad Eusebium abbatem 'Credat mihi caritas' a. 592 (Jaffé 1184), Registrum 2, 31 (MG. l. c. I, 128 l. 1. 2). Text wörtlich wie in der Vorlage, nur 'vero' hinter 'Qui' gestrichen; in der Wortfolge ('esse servi Dei'; nicht: 's. D. e.') stimmt Ben. mit der Sammlung P gegen R (r) überein, was, obwohl natürlich nicht ausschlaggebend, immerhin zugunsten der Annahme ins Gewicht fällt, daß Ben. die Briefe Gregors I. in der Sammlung (C +) P vor sich hatte.

3, 451b angefertigt unter Benutzung von Ambrosius2, Epist. 77 ad Horontianum, inc. 'Non otiose', § 10. 11 med. (Migne 16, 1266sq.). Benedikt hat (wenn er direkt aus Ambrosius schöpft) nicht nur den Text in Kleinigkeiten gemodelt3, sondern ihn durch Exzerpierung stark verkürzt und dabei einmal4 die Exzerpte umgestellt. Welcher Art die Arbeit Benedikts (oder schon seines Mittelsmannes?) ist, kann nur die Nebeneinanderstellung der vollen Texte zeigen:



Kapitel nichts dafür, daß er in dieser Frage interessiert war, und die von ihm verfolgten Ziele nichts dafür, daß er interessiert hätte sein können. Wohnen doch zwei Seelen in seiner Brust, je nachdem der Bischof über die Diözesanen richtet, oder ein Urteil über den Bischof ergeht. Sachparallelen sind Ben. 1, 183, 249 = 2, 274; 3, 163 = 291, 204 und Add. IV. 28. J.]
1) Vgl. Studie VIII A, S. 401 N. 4.
2) Entdeckt von Baluzius bei Chiniac. Vielleicht schöpft Ben. aus einer Zwischenquelle (irgendwelchem Kommentar zum Evangelium Johannis?), wo ihm in der Umgestaltung des Ambrosius vorgearbeitet war.
3) Vgl. die Sperrungen im Abdruck von Benedikts Text.
4) Vgl. unten S. 10 N. 7. 10.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 10]


Ambrosius. Ben. 3, 451b.
  (10.) Audisti hodie lec-
tum1: 'Non2 possum ego
a me3 facere quidquam;
sicut audio, iudico'. Audisti   Filius Dei in sancto
lectum: 'Ego4 non accuso ait euangelio: 'Ego4 non
vos', 'ego5 non iudico'; accuso' 'nec5 iudico quem-
'ego4 non accuso, Moyses quam'.6 Nihil - loqui-
vos accusat, in quem spe- tur7,
ratis'. Audisti lectum: 'Si8
ego testimonium perhibuero9
de me ipso, testimonium
meum non est verum'. Di- dicens, qualis iudex, qua-
dici, qualis iudex, qualis les testes Deoesse de-
testis esse debeam. Non enim beant,
quasi infirmus dicit: 'Non2
possum ego a me3 facere
quidquam', sed infirmus ille,
qui sic intellegit. Nihil qui- 10[Nihil enim sine patre
dem sine patre facit filius11, facit filius, quia communis
quia communis operatio et eorum operatio est et unita




1) Offenbar Lectio von Ev. Joh. cap. 5. Dies schließt den Hinweis auf andere Stellen des Ev. Joh. (unten N. 5) nicht aus.
2) = Ev. Job. 5, 30 in.    
3) 'ipso' fügt die Vulgata hinzu.
4) Vgl. Ev. Joh. 5, 45 (Vulg.): 'Nolite putare, quia ego accusaturus sim vos apud patrem; est qui accusat vos, Moyses, in quo vos speratis'.
5) = Ev. Joh. 8, 15 fin.: 'ego non iudico quemquam'. [Vgl. auch Ev. Joh. 5, 22: 'Neque enim pater iudicat quemquam'. J.]
6) Benedikt steht hier der Vorquelle (N. 5) näher als Ambrosius. [Vgl. hierzu Studie VIII D, S. 368 N. 4 zu 3, 441.]
7) Die entsprechenden Worte folgen bei Ambrosius weiter unten; neben ihnen sind die Worte des Benediktus (in eckigen Klammern) abgedruckt.
8) = Ev. Joh. 5, 31.    
9) 'perhibeo' Vulg.
10) Bei Ben. stehen diese Worte nicht hier, sondern weiter oben; vgl. N. 7.
11) Vgl. Ev. Joh. 5,19 med.: 'Non potest filius a se facere quidquam, nisi quod viderit patrem facientem'.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 11]


  Ambrosius. Ben.
unitas potestatis est. Sed hoc voluntas. Hoc vero in lo-
loco quasi iudex loquitur, co quasi iudex loquitur . . .]
  ut cognoscamus homines ut cognoscant homines in
in iudicando, quod non ex iudicando, quod non ex vo-
voluntate nostra et pote- luntate et potestate sua,
state, sed ex aequitate de- sed ex aequitate debeant
beamus formare sententiam. formare sententiam.
  (11.) Constitue aliquem
reum coargutum et con-
victum criminis, non astruen-
tem defensionis genera, sed
deprecantem et advolven-
tem se ad genua iudicis.
Respondet ei iudex: 'Non1
possum a me facere quid-
quam.1 Iustitia2 in iudi- Iustitia in iudicando est
cando, non potentia est in iu- manifestanda, non poten-
dicando. Ego3 non iudico3, tia.4
sed facta tua de te iudicant,
ipsa te accusant, et ipsa con-
demnant . . .'
         

3, 452: nicht Conc. Mogunt. 813 c. 10 (MG. Conc. II, 263)5, wie Knust6 behauptet, sondern (Rubrik und




1) = Ev. Joh. 5, 30 in.    
2) Nach § 10 fin. gebildet.
3) Vgl. oben Seite 10 N. 5.
4) Zur Sache vgl. etwa unten Add. IV. 8t: 'plus erga corrigendos agere debet . . . (caritas) quam potestas'.
5) Wo (im Groß- und Kleindruck) die übernommenen Textbestandteile nicht richtig abgegrenzt sind. - [Näher als Conc. Mog. c. 10 steht dem Text Benedikts Conc. Aquisgr. 816 c. 100 (MG. Conc. II, 377sq.). Vgl. unten S. 12 N. 1. 2. 4. 7; S. 13 N. 4. 6. 7. 10. 11. Die Abweichungen des Conc. Aquisgr. von Isidor sind geringfügig 'et emulationem' (so auch Vat. Pal. 583, Vat. reg. 974 und Goth. also Hss. Klasse II) statt 'emulationem' und 'quicumque' statt 'qui'). Die handschriftliche Grundlage der Werminghoffschen Edition a. a. O. reicht nicht aus, um die Frage beantworten zu können, ob nicht ein Zweig der handschriftlichen Überlieferung des Konzils die Zwischenquelle Benedikts darstellt. Für




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 12]

Text) = Isidorus Hispal., De officiis ecclesiasticis 2, 2 (Migne 83, 777sq.). Rubrik genau wie in der Vorlage.1 Textanfang formell geändert: 'Clerici lege patrum monen tur' statt 'His' (scil. clericis) 'igitur lege patrum cavetur'.2 Im weitern Verlauf des (umfänglichen) Textes verhältnismäßig wenige (etwa 15) und meist wiederum nur formelle Abweichungen von der Vorlage3: 4'sobria' statt 'et sobria'; 'qui nec' statt 'neque'; 'fraudesque' 5 statt 'fraudisque'; 'studiose' statt 'studium' 6; 7'appetant' statt 'subeant'; 'detractionem8 et' statt 'obtrectationem atque';



eine bejahende Antwort würde der übereinstimmende Umfang des Stückes (verwandt allerdings darin auch Conc. Mog.), die Lesarten S. 12 N. 5, S. 13 N. 4. 10. 11 und schließlich die Geringfügigkeit der Textdifferenzen sprechen, die nicht auf Interpolation Benedikts beruhen. J.] 6) MG. LL. IIb, p. 29a. Knust hat es entgegen seiner sonstigen fleißigen Art, versäumt, die von Baluze (freilich ungeschickterweise hinter dem Conc. Mog.) angeführte Isidorstelle nachzuschlagen.
1) 'De regulis clericorum' [ebenso Conc. Aquisgr. 'Item eiusdem de regulis clericorum. J.]; dagegen Conc. Mog.: 'De vita clericorum',
2) Im Conc. Mog. gehen den Worten 'His igitur' etc. zwei Sätze (a. a. O. Zeile 3 - 6)voran, die sich weder bei Isidor l. c. [noch Conc. Aquisgr. J.] noch bei Ben. 3, 452 finden.
3) Weit genauer hält sich im allgemeinen an den Isidortext das Conc. Mog. (a. a. O. Z. 6 - 8. 10 - 22). Wo im folgenden nichts bemerkt wird, deckt sich Conc. Mog. mit Isidor. [Gleiches gilt für Conc. Aquisgr. J.]
4) 'convivia publica fugiant' schreibt Ben. mit Isid. [und Conc. Aquisgr. J.], während Conc. Mog. ändert zu 'convivia inhonesta et turpia fugiant'. Nunmehr folgt [ebenfalls nur] im Conc. Mog. (Zeile 8-10) ein Einschiebsel: 'Tamen Hieronimus - noverint. Item Isidorus: Clerici tamen convivia.'
5) [So alle Hss. außer Goth.2 - [Conc. Aquisgr. hat 'fraudisve', doch findet sich auch die Lesart 'fraudesvae'. J.]
6) Die Hss. des Conc. Mog. schwanken. 'studium' M 1. V 1; 'studio non' N; 'studium non' M 2. V 2.
7) 'ambitiones' Isid.[, Conc. Aquisgr. J.], Ben.; 'ambitionem' Mog.
8) 'detractio' will Ben. durch häufigen Gebrauch zum terminus technicus stempeln. Vgl. Ben. [1, 40, wo 'detrahere' oder 'detractio' nicht weniger als neun, 1, 322, wo es fünfmal wiederholt wird; ferner 2, 422 und 3, 331, wo das gleiche vier bzw. dreimal stattfindet. Vgl. ferner oben 2, 99 (dazu Studie VII A, S. 356), unten 3, 462c (S. 35 N. 1 wo weiteres Material), außerdem Studie VII B, S. 129 N. 3, VII C, S. 511 N. 3.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 13]

'vanis1 statt 'vagis' oculis; 'infrena' statt 'infreni'2; 'abitus incessu'3 statt 'habitu incessuque'; 'frequentationesque' statt 'frequentissimas'; 'extranearum feminarum' statt 'f. e.'4; 'castimonia' statt 'castimoniam'5;6 'canticis7 spiritalibus'8 statt 'canticis'9; 'sese'10 statt 'se'; 'student'11 statt 'student exhibere'.          

3, 453 = Brev. Cod. Theod. 9, 1, 7 in. (ed. Haenel p. 170; ed. Mommsen p. 434). Rubrik von Benedikt; einzelne Worte textfremd ('purgaverint obiciuntur'). Text wörtlich wie in den besten Hss. der Vorlage (codd. Yb. D. O. C).12          

3, 454 aus Conc. Matiscon. I. 583 c. 18 (17) med. (MG. Conc. I, 159).13 Rubrik von Benedikt. Vom originalen Text




1) [So alle Hss. außer Goth., wo wie oben S. 12 N. 5 die originale Lesart durch Korrektur wiederhergestellt wird. Vgl. dazu unten N. 2. 3. 5.]
2) [So Par. 4634. 4636; Vat. Pal. 583 und Vat. reg. Christ. 974; - Vat. 4982 verbessert 'infrenata'; Goth. hat die originale Lesart 'infreni' wohl auf Grund einer Nachvergleichung sei es des Originals, sei es der Ableitung im Conc. Aquisgr.]
3) [So Vat. Pal. 5831, korrigiert in 'habitus i.'; ferner leicht verderbt 'abitus incestu' Par. 4634. 4636. Dagegen verbessert konjektural Vat. 4982 'habitu et incessu'; Goth.2 aber wohl wiederum durch Nachvergleichung entsprechend dem Original 'habitu incessuque'.]
4) 'extranearum' fehlt Mog.[, steht aber Aquisgr. u. zw. in der gleichen Wortfolge wie bei Benedikt. J.]
5) [So Par. 4634. 4636. Vat. Pal. 583 und Vat. reg. Christ. 974. Dagegen korrigieren hier wieder in 'castimoniam' unabhängig voneinander aber übereinstimmend Vat. 4982 und Goth.]
6) Die Worte 'aut certe unius matrimonii vinculo foederentur' streicht Mog. [nicht aber Aquisgr. J.]; ferner schreibt Mog. wieder gegen Isidor [und Aquisgr. J.] - 'Seniores' statt 'Senioribus'; ('nec' (nur cod. M 1) statt 'neque'); 'se' statt 'semet ipsos'.
7) 'et canticis' Mog.; vgl. unten N. 9. 8) Gegen weltliche (weil unzüchtige, spöttische d. h. anzügliche) Lieder ist Benedikt auch sonst geladen; vgl. Ben. 2, 196 ('canticaque turpia ac luxuriosa'). 205b ('vanis . . . cantationibus'). 225 ('obscoenis turpibusque canticis'); 3, 368 rubr. ('cantica famosa cantare').
9) So auch Mog. [und Aquisgr. J.]    
10) [So auch Aquisgr. J.]
11) [Wieder übereinstimmend mit Aquisgr. J.]
12) Abweichende (fehlerhafte) Lesarten in den codd. NYa BGEPMLS.
13) Überliefernde Sammlungen bei Maassen, Gesch. der Quellen I, 212.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 14]

hat Ben. den Eingang1 und den Schluß2 gestrichen; die übernommenen Worte decken sich mit der Vorlage (cod. L3 = Collectio codicis Lugdunensis) bis auf die Variante 'aliquos' statt 'alios'.4          

3, 455 = Synodus q. d. II. Patricii c. 27 (ed. Haddan and Stubbs, Councils II, 337; ed. Bruns II, 308).5 Rubrik ('De qualitate (!) virginis in coniugio') wahrscheinlich verderbt aus der Rubrik des Originals, welche lautet: 'De voluntate virginis (vel patris) in coniugio'. Text nicht nur formell, sondern auch sachlich6 umgestaltet:

Patric. Ben.
  Quod vult pater, faciat   Sciscitandum est, si
virgo, quia 'caput mulieris vult pater virginis, quia
vir'.7 Sed requirenda est a 'caput mulieris vir'.7 Re-
patre voluntas virginis, dum quirenda est a patre volun-
'Deus8 reliquit hominem tas virginum, dum 'Deus8
in manu consilii sui'. relinquat9 hominem in ma-

nibus9 consilii sui'.

3, 456 - 461 aus der Hispana10 cod. Augustodu-




1) 'Id etiam pari coniventia placuit, ut, quia in universo populo multi pro peccatis' (sic) 'esse dicuntur, qui ambitionis instinctu sunt periuriis inretiti, ut.'
2) 'hii vero, qui ei in periurio consensisse probantur, post ab omni sunt testimunio prohibendi.'
3) Abweichende Lesarten in den codd. HA (= Coll. codicis S. Amandi) und B (= Coll. codicis Bellovacensis).
4) So alle 4 Hss. (LHAB).
5) Überliefernde Sammlungen bei Maassen a. a. O. S. 224; sie decken sich nicht mit den Sammlungen, die das vorige Kapitel Benedikts enthalten. [Vgl. noch v. Hörmann, Quasiaffinität 2, 1 S. 340 N. 1.]
6) Vgl. Scherer, Über das Eherecht bei Ben. Lev., S. 14. 16.
7) = Ephes. 5, 23.
8) Vgl. Ecclesiasticus 15, 14: 'Deus ab initio constituit hominem et reliquit illum in manu consilii sui.'
9) Gegen den Wortlaut der Vulgata.
10) [Benutzung der Dionysio-Hadriana ist ausgeschlossen, weil ihr das Conc. Carth. v. 348 (Maassen, Geschichte I, 152), Conc. Arel. IV. 524 (Maassen a. a. O. S. 205) und Conc. Vas. I. 442 (Maassen a.a.O. 193)




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 15]

  nensis mit einem Einschiebsel (3,459a) aus dem Westgothengesetze.

Zwei ansteigende Unterreihen (3, 456 - 458 und 3, 459b - 461).

A. Erste Unterreihe. 3, 456 Rubrik und Text = Conc. Carthag. I. 348 c. 7 Rubrik und Textanfang, Augustod. fol. 28b'. 29b (Rubrik der Aug. = reine Hisp.; Text bis auf 2 kleine Abweichungen1 = reine Hisp., Migne 84, 182); vgl. unten Add. IV. 37 (wo dieselbe Rubrik, die richtige Inskription, derselbe Textumfang sich findet, aber eine Textform, die der Vorlage näher steht als 3, 456). Rubrik von 3, 456 buchstäblich wie in der Vorlage. Initium des Textes gefälscht: 'Statutum est' statt 'Casianus Usulensis episcopus dixit: Stat uat gravitas vestra'; Zweck der Fälschung ist, den kirchlichen Ursprung des Pseudokapitulars zu verdecken. Im weiteren Textverlauf [in allen Hss. außer dem in der Regel zuverlässigen Par. 4634. J.] eine Abweichung von der Augustod.: 'aliena'2 statt 'alia'.3

3, 457 Rubrik und Text = Conc. Carthag. cit. c. 14 Rubrik und Mittelstück des Textes, Augustod. fol. 28b'. 30a (Rubrik bis auf eine Abweichung4 = reine Hisp.; Text wörtlich = reine Hisp.); vgl. oben 2, 303. 3, 149; zur Rubrik unten Add. IV. 60 (Text)5 und Angilr. c. 44a. Rubrik zu



fehlen, somit 3, 456. 457. 458 und 461 ihr nicht hätten entnommen werden können. J.]
1) 'Casianus' Aug., 'Cassianus' Hisp.; 'communicet' Aug., '-cent' Hisp.
2) Beeinflußt von der Rubrik, v. 'in aliena ecclesia'. [Ob Benedikt selber oder erst die Überlieferung seiner Pseudo-Kapitularien diesem Einfluß unterlegen ist, ist schwer zu sagen. Dafür daß Benedikt 'alia' geschrieben hat, fällt schwer ins Gewicht, daß mit Par. 4634 - eine unserer besten Hss., wenn nicht die beste - die gesamte handschriftliche Überlieferung (abgesehen von Vat. reg. 974, der einen Text eigener Mache bietet) in dem Parallelkapitel Add. IV. 37 die originale Lesart beibehält. J.]
3) In der Lesart 'communicet' deckt sich mit der Aug. (N. 1) nicht nur Ben. 3, 456, sondern auch Add. IV. 37.
4) 'clerici vero' Aug., 'clerici' Hisp. [und Hisp. Gallica Vindob. fol. 42b].
5) Wo das 'vero', wie in der reinen Hisp., fehlt.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 16]

3, 457 buchstäblich wie in der Augustod. (und = Angilr. c. 44a cit.). Der Text von 3, 457 deckt sich wörtlich mit 2, 303 und mit 3, 149; vgl. also wegen des Verhältnisses zur Vorlage oben Studie VII C, S. 452.

3, 458 Rubrik und Text =1 Conc. Arelat. III. (IV.) 524 c. 4 Rubrik2 und Text der Augustod. fol. 46b'. 47a (Rubrik der reinen Hisp.3 völlig abweichend; Rubrik der vor Pseudoisidor interpolierten Hisp. Gallica, cod. Vindob. 411, fol. 71a2, bereits wörtlich ebenso wie dann in der Augustod.; der Text der Augustod. weist sowohl der Hisp. Gallica4, als der reinen Hisp.5 gegenüber einzelne Varianten auf). Benedikt gibt Rubrik und Text der Augustod. Wort für Wort mit philologischer Exaktheit wieder.

B. Zweite Unterreihe. Hört man Knust, so folgen sich: Ben. 3,459 = Ennodii Apolog. pro Symmacho6; Ben. 3, 4607 = Conc. Afric. c. 43, erste Texthälfte, Dion.- Hadr.8; Ben. 3, 461 = Conc. Vasens. I. c. 6 (Hisp.).9

Dabei springt natürlich keine Reihe heraus! Daß aber die drei Stücke, abgesehen von der Vorlagerung (3, 459a) aus




1) Quelle bisher unbekannt. Baluze verweist auf Conc. Hispal. II. 619 c. 3 (Migne 84, 594) und auf Conc. Arelat. VI. 813 c. 24 (MG. Conc. II, 253), Knust auf die erste dieser Stellen. Beiden Canones kommt aber nur die Bedeutung von Sachparallelen zu.
2) Die nichtedierte Rubrik lautet: 'Ut qui clericum alienum defendere nititur, communione privetur.'
3) Wortlaut (Migne 84, 246): 'De clericis alienis, qui sunt ab aliis defensi.'
4) 'Et si' Gall. (cod. Vindob. 411, fol. 71b) statt 'Si' Aug.; 'fugierit' statt 'fuerit'; 'sui' statt 'suo' (von Maassen, MG. Conc. I 37, nicht notiert; 'ab eclesia' (unrichtig Maassen: 'ab ecclesiae') statt 'ecclesię'. [Im Orig. nur Haken ohne e, vermutlich ist ecclesiae gemeint.]
5) 'Et si' Hisp. statt 'Si' Aug., 'non solum' statt 'illum' (wie schon die Gallica schreibt, oben N. 4), 'ab ecclesiae' statt 'ecclesię'.
11) Bei Pseudoisidor (ed. Hinschius, Decretales pseudoisid. p. 668a l. 13-15).
7) Ben. 3, 460a = 3, 34a.
8) ed. 1609 p. 236; ed. Amort. II, 203 (c. 42).
9) ed. Migne 84, 260.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 17]

der Lex Visigoth., dieselbe Provenienz haben und daß sie sich in der Ordnung der Vorlage folgen, wird die nachstehende Einzeldarlegung zeigen.

[3, 459. Vorausgeschickt wird dem Hauptstück in 3, 459a eine Einsprengung, die zusammen aus gleichem Material mit oder (weniger wahrscheinlich) unmittelbar aus 2, 436 (= 3, 352 = Add. III. 10) gefertigt ist, jedenfalls aber, wenn auch nur mittelbar, aus Lex Visigoth. (Erv.) 2, 1, 13 rubr. (MG. LL. Visig. p. 60) stammt. Im Verhältnis zu den genannten Parallelkapiteln einerseits und zu der Quelle des folgenden Hauptstückes (b) andererseits mag die Einschaltung im Dienst des technischen Verhüllungsprogramms: "imparia initia, pares fines - paria initia, impares fines." gestanden haben1 und zugleich dazu bestimmt gewesen zu sein, die in den Parallelstellen als selbständige Kapitel präsentierte Bearbeitung zu legitimieren.2] Rubrik (Satz 1) von Ben. aus dem Text gebildet; abweichende3 Rubriken vor den zitierten Parallelkapiteln. Über die Entwicklung des Textes ist bereits in Studie VII C, S. 531 gehandelt. Aus Ennodius (oben S. 16) stammt die Stelle nicht.

3, 459b, von 'Et ut si quis' bis zum Schluß, (nebst Satz 2 der Rubrik) = 4 Conc. Carthag. V c. 2 (vom 16. Juni 401) 5



[1) Vgl. auch die Bearbeitung der Lex Visig. oben 3, 427 und 428; dazu Studie VIII C, S. 259f. [2) Ähnlich dürfte die Voranstellung der Breviarstelle oben 3, 440a zu beurteilen sein. J.]
3) [Auch untereinander divergierende. J.]
4) Erstmals aufgefunden (durch die von mir konsequent befolgte Methode, grundsätzlich bei Ben. nach Reihen zu forschen). Bei Ennodius l. c. findet sich von 3, 459b kein Wort. [Knust nennt zu 3, 459 keine weitere Quelle, hat also offenbar den bereits bei Baluze - (Chiniac) stehenden - vor Ermittlung der der Augustod. zukommenden Bedeutung auch anzuerkennenden - Hinweis auf Conc. Carth. V c. 2 übersehen. J.]
5) Außerdem nur noch überliefert (vgl. Maassen, Gesch. der Quellen I, 161 § 142) in der Dionysiana (Conc. Carthag. c. 62; Migne 67, 202) und ihren Ableitungen (Dion.-Hadr. Conc. Afric. c. 29; ed. 1609 p. 228, ed. Amort. II, 198 c. 28). Hier weicht der Text in der Fassung ('Et illud




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 18]

Rubrik und Text, Augustod. fol. 37a. a' (die Rubrik der Augustod.1 ist eine Erweiterung der Rubrik der reinen Hisp.2; der Text der Augustod. weicht am Schlusse 2mal von der reinen Hisp.3 ab). Satz 2 von Benedikts Rubrik ('Et de clericis dampnatis a nemine defendendis') ist entweder aus der Rubrik der Augustod. umgebildet oder aus dem Texte neugebildet. Der Text von Ben. 3, 459b gibt die Augustod. genau wieder; nur sind zu Beginn die 2 Wörter 'illud statuendum' (hinter 'Et') gestrichen, und zwar weil sie angesichts des Kapitelanfangs (3, 459a in.: 'Statutum est') sich als Überfluß störend bemerkbar gemacht hätten.
  3, 460 Rubrik und Text = 4 Conc. Carthag. V. c. 10 (vom 13. September 401), zweite gefälschte Rubrik5 und erste Texthälfte der Augustod., fol. 37b (Text der Augustod. = reine Hispana, aber vor 'neque egritudine' interpoliert:



petendum, ut statuere dignentur' D, 'Et illud statuendum' Hisp.) und in einer Lesart ('quo' D, 'a quo' Hisp.) von der reinen Hispana ab. Daß Benedikt nicht die Dion.-Hadriana vor sich hat, ergibt sich aus den Reihenverhältnissen und aus der Lesart 'praecipimus' (unten S. 18 N. 3).
1) Die nichtedierte Rubrik (irrtümlich mit Ziffer 'I' bezeichnet und im Rubrikenverzeichnis an die Spitze gestellt) hat folgenden Wortlaut: 'De clericis pro crimine suo damnatis, ut a quolibet non defensentur.' Schon in der Hisp. Gallica, cod. Vindob. 411, fol. 55a ('II. De clericis pro crimine suo damnantis, ut a quolibet non defensetur') ist die Rubrik erweitert.
2) Letztere lautet (Migne 84, 209): 'De clericis pro crimine suo damnatis.'
3) 'a quo' Hisp. Statt 'quo' Aug., 'praecipiant' statt 'precipimus'. (Der Text der Gallica leidet an starken Fehlern; in der Augustod. sind sie mit Hilfe der Dionysiana verbessert.)
4) Erstmals nachgewiesen. [Für den Text gibt bereits Baluze den richtigen Fingerzeig, da er auf 3, 34 zurückverweist und dort (allerdings für 3, 34 zu Unrecht statt Conc. Afric. c. 43) Conc. Carth. V. c. 10 nennt. J.]
5) Die erste Rubrik befindet sich im Rubrikenverzeichnis der Augustod. fol. 37a' und lautet harmlos: 'X' (auf Rasur?) 'Ut episcopi ad diem concilii occurrant', also wie in der reinen Hisp. (mit einer nebensächlichen Variante: 'recurrant' Hisp. statt 'occ.'). Auf das Verzeichnis folgen die Canones, durchweg ohne Rubriken mit Ausnahme gerade des c. 10, dem in Unzialschrift die alsbald zu edierende zweite, der Hisp. (auch noch der Hisp. Gallica) fremde Rubrik vorangeht.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 19]

'neque aetate'; Quelle der Interpolation ist die DionysioHadriana.1

Benedikts Rubrik zu 3, 460 fordert eine genauere Untersuchung heraus, bei der auch Ben. 3, 29 (= Conc. Afric. c. 6 Dion.-Hadr. ed. 1609 p. 213), Ben. 3, 156 rubr., Ben. 3, 439 und Angilr. c. 22 heranzuziehen sind. Es wird sich zeigen, daß der afrikanische Kanon als Quelle spärlich hinübertröpfelt in die falsche Rubrik der Augustod. und reichlich hinüberströmt in c. 22 Angilramni; es wird sich ferner zeigen, daß auf der falschen Rubrik der Augustod. sowohl Ben. 3, 460 rubr. als Angilr. c. 22 beruht; es wird sich endlich zeigen, daß Ben. 3, 439a

[entweder aus gleicher Vorlage wie Ben. 3, 460 rubr. stammt]; graphisch dargestellt:

[oder mit Hilfe der Rubrik Ben. 3, 460 hergestellt wurde. Voraussetzung für diese zweite Alternative ist, daß man sich diese Rubrik von dem Ort, an dem sie schließlich Verwendung gefunden hat, losgelöst denkt - im Entstehungsstadium also die endgültige Lokalisierung von der Komposition zum Zweck weiterer Verwendung trennt.2 Für




1) Außer in der Hisp. und ihren Ableitungen ist der Kanon nur noch überliefert (vgl. Maassen a. a. O. S. 161ff.) in der Dionysiana (Conc. Carthag. c. 76; Migne 67, 205/6) und ihren Ableitungen (Dion.-Hadr. Conc. Afric. c. 43; Ausgaben siehe oben S. 16 N. 8). Die Abweichungen der Dionysiana von der Hispana sind folgende: 'neque aetate neque aegritudine' D, 'neque aegritudine' Hisp.; 'aliqua' D, 'alia' Hisp.; 'et ('et a' Dion.-Hadr.) primatibus' D, 'primatibusque' Hisp.; 'suarum quarumque ('quarumcunque' Dion.-Hadr. ed. Amort)' D, 'suarum' Hisp. - Daß Ben. 3, 460 nicht, wie Knust meinte (vgl. oben S. 16), aus der Dion.-Hadr. stammt, liegt auf flacher Hand. [2) Nicht annehmbar wäre eine Hypothese derzufolge nach Her-




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 20]

diesen Fall wäre in der graphischen Darstellung die Entwicklung von x zu Ben. 3, 460 rubr. zu streichen und statt der Bezeichnung x die Formel x (= Ben. 3, 460 rubr.) zu verwenden.1

Entscheidet man sich für x als gemeinsame Zwischenform für Ben. 3, 460 rubr. und Ben. 3, 439 und nimmt man ferner an, daß diese Zwischenform nur insoweit von der gefälschten Rubrik der Augustod. abweicht, als hinter das erste 'apellentur' die Worte 'nisi qui primas sedes tenent' eingeschoben wurden, so wird man sich auch Angilr. c. 22 aus dieser Zwischenform entwickelt zu denken haben.2 J.]

In erster Linie interessiert hier das Verhältnis Benedikts zu seiner Quelle (Augustod.) und zu seiner nur dürftig einwirkenden Vorquelle (Conc. Afric.). Die falsche Rubrik in der Augustod. ist ihrerseits entstanden durch Zusammenschweißung einiger Textworte des Conc. Carth. V. c. 10 (Augustod.) mit einzelnen Brocken aus dem Conc. Afric. cit., das ebenfalls von einer hierarchischen Titelfrage han



stellung des ganzen dritten Buches auf Grund der Rubrik von 3, 460 ein neues Kapitel verfaßt und dieses neue Falsifikat gerade zwischen c. 438 und 440 eingereiht worden wäre. - Dadurch daß 3, 460 samt seiner Rubrik in der Augustodunensis-Reihe festliegt, wird die zweite Eventualität zwar weniger wahrscheinlich, aber doch nicht ausgeschaltet. Die kurze Unterreihe 3, 459-461 müßte selber disloziert vorgestellt werden. Jedenfalls liegt es auf der Hand, daß der Unterschied zwischen den beiden Alternativen bei dem Versuch genauerer Ausgestaltung sich als nicht sehr erheblich erweist und in den Bereich des Problems der die Fälschung vorbereitenden Arbeiten gehört. J.] [1) Für die zweite Alternative spricht der Umstand, daß sich 3, 439a und der Anfang von 3, 460 rubr. fast wörtlich decken (vgl. unten S. 21 N. 7). Für die erste läßt sich ins Feld führen, daß der Satzbau der Augustod. (Ut . . . non apellentur - sed illi a. .) deutlich in 3, 439 (Nulli . . . nisi - Reliqui vero) wenn auch der Sache nach in Umstellung wiederkehrt, in 3, 460 rubr. dagegen kaum noch wiederzuerkennen ist. - Beide Umstände bleiben für den Fortgang der Untersuchung von Bedeutung, der erste kehrt aber seine Beweiskraft zugunsten der ersten Alternative um, weil die Übereinstimmung des ersten Satzteils sich auch auf Angilr. c. 22 erstreckt, Angilr. aber bezüglich eines Wortes der primären Quelle (Augustod., unten S. 21 N. 5 a. E.) näher steht. J.] [2) Vgl. hierzu Studie VIII D, S. 362 und unten S. 22, 24ff. J.]



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 21]

delt. [Das Programm der künftig einzufügenden Fälschungen hatte Benedikt nebenbei bereits in die Rubrik von 3, 156 mit den Worten einfließen lassen: 'Quia non omnes metropolitani1 summi sunt primates'. J.]
Conc. Afr. Conc. Carth. V. Ben.
c. 6 in. c. 10. rubr. II. 3, 460 rubr.2

Augustod.3
Ut primae sedis X. Ut archiepis - (a). Ut non alii4
episcopus non ap- copi primates non metropolitani5
pelletur prin(ceps apell entur, primates appellen-
sacerdotum) . . . .
tur
Conc. Carth. V. c.

10, Text

. . . primatibusque
(b). nisi illi6, qui6
. . . intimetur, ut
primas6 sedes6 te-
de . . . episcopis . . .
nent67,



[1) Vgl. unten N. 5. J.]
2) Gesperrt, was aus Conc. Afr.; kursiv, was aus Conc. Carth. entnommen ist.
3) Gesperrt, was Ben. an seiner unmittelbaren Vorlage (Spalte 2) geändert hat.
4) Sachliche Verbesserung gegenüber der Vorlage. [Diese Veränderung bedingt aber auch, daß gleich zu Anfang im nisi-Satz gesagt wird, wer 'primas' genannt werden kann. Für einen sed-Satz, wie ihn die Vorlage hat, bliebe nur die Feststellung, wer nicht 'primas' genannt werden kann. So auch in der Tat der Reliqui-Satz bei Ben. 3, 439. Andere Wege gehen im Anschluß an die Vorlage aber selbständig Ben. 3, 460 rubr. (vgl. unten S. 22 N. 2) und Angilr. c. 22 (vgl. unten S. 25 N. 4) J.]
5) Sachlich bedeutungslose Vertauschung zweier Synonyma, weil auch im Sinn der pseudoisidorischen Fälschungen (vgl. z. B. Pseudoisidorus p. 469 oben; Angilr. c. 22 med.) jeder metropolitanus zugleich archiepiscopus ist. Bloße Titularerzbischöfe hatte auch die Augustod. nicht im Auge. [Um so bemerkenswerter ist es, daß alle drei Stellen aus dem dritten Buch Benedikts: 3, 156 rubr., 439 und 460 rubr. nur von 'metropolitani' sprechen, während Angilr. c. 22 bezeichnenderweise zu Beginn die Benennung 'archiepiscopi' der Augustod.-Rubrik festhält und erst später daneben den 'metropolitanus' erwähnt. J.]
6) Die Worte: 'illi - tenent' stehen in der Vorlage (Spalte 2) an späterer Stelle.
7) Aus Ben. 3, 460 rubr. in. oder aus gemeinsamer Vorlage x, die




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 22]


Conc. Carth. Text Conc. Carth. Aug. Ben.
tres turmę1 fiant quia illi non pos- (c.) quia alii2 non
. . . sunt tres turmas 1) possunt tres tur-

facere de episcopis; mas1 facere de

sed illi primates episcopis

apellentur, qui (d.) quam illi, qui

primas sedes te- primas sedes te-

nent, quoniam ipsi nent3,

tres turmas faciunt. (e.) qui tres tur-


mas facere de-


bent, sicut in


hac sententia


iubetur.
Angilram geht auf 3 Quellen zurück4: 1) Conc. Afric. c. 6 cit. Dion.-Hadr., 2) Conc. Carth. V. c. 10 rubr. II cit. Augustod. [oder - wenn man für Ben. 3, 460 rubr. und 3, 439 eine Zwischenquelle x in der oben charakterisierten Gestalt annimmt - diese der Augustodunensis-Rubrik sehr nahe stehenden Zwischenform] und 3) (Conc. Paris. VI. 829



sich zwischen Spalte 2/3 einschiebt [(vgl. oben S. 19f.) ], ist abgeleitet Ben. 3, 439a: 'Nulli alii metropolitani appellentur primates nisi illi, qui primas sedes tenent'; geändert ist nur das erste Wort ('Nulli' statt 'Ut non'), und durch diese kleine Änderung entfernt sich Ben. 3, 439a nicht nur von Ben. 3, 460 rubr. in., sondern auch von der näheren (Augustod.) und von der ferneren (Conc. Afr.) Vorquelle, [hat aber gerade in dieser Änderung einen Weggenossen in Angilr. c. 22].
1) [Ein in der Bibel (im A. T.) häufiges Wort; vgl. 'tres turmas' Judic. 9, 43 und Job. 1, 17; ferner 2 Par. 31, 2 'turmas Sacerdotales'.] [2) Da durch die 'non alii - nisi illi' - Konstruktion des ersten Satzes die Konstruktion der Vorlage 'Ut . . . non - sed illi' bereits verbraucht ist (vgl. oben S. 21 N. 4), wandelt Benedikt hier auf die Begründung, die die Vorlage für den Ausspruch ihrer beiden Satzhälften getrennt bringt und nun zusammengefaßt werden muß, das bereits verwendete Schema erneut ab: 'quia alii non - quam illi'. J.]
3) Ruhr. litt. d (fast) = Rubr. litt. b. [Vgl. oben N. 2, S. 21 N. 6 J.]
4) Von denen Hinschius (Decr. pseudoisid. p. 762) nur die erste kannte. Wenn Hinschius weiter Conc. Chalc. c. 12 Dion. anführt, so ist damit höchstens zur Frage der hierarchischen Titulatur ('metropolitanus') eine Sachparallele gewonnen.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 23]

Lib. I c. 27 rubr.1 =) Episcoporum relatio 829 c. 9 rubr.2 Beweis:
Conc. Afric. Rubr. II Augustod. Angilr. c. 22.3
  Ut primae sedis X. Ut archiepisco- (a) Nullus archi-
episcopus non ap- pi primates non episcoporum4, ni-
pelletur princeps apellentur . . ., sed si qui4 primas4.5
sacerdotum6 aut illi primates apel- sedes 4.5 tenent4,
summus sacerdos lentur, qui primas appelletur5.4 pri-
aut aliquid huius- sedes tenent . . . . mas4
modi, sed tantum
(b) aut princeps5
primae sedis epi-
sacerdotum5 aut5
scopus.
summus5 sacer-


dos5 vel aliquid5


huiusmodi5, sed4.5

[cf. Ben. 3, 439b.] tantum5

[ . . . . . . Reliqui (c) ille, qui in

vero, qui alias me- metropoli sedet,

tropolitanas sedes aut metropolita-

sunt adepti, non nus aut archiepi-

primates, sed me- scopus4 vocetur
Episc. relatio 829 tropolitani vocen-
  Ut chorepiscopi tur.]
modum mensurae
(d) et suum7 in7
suae8, qui in sa-
canonibus7 prae-
cris canonibus pre-
fixum7 non7 ex-
fixus est, non ex-
cedens7 teneat
cedant.
cum humilitate


modum7,




1) MG. Conc. II, 629.
2) MG. Capit. II, 32. Vgl. oben 1, 320 rubr.; 3, 98 rubr.
3) Gesperrt gedruckt sind in Spalte 3 diejenigen Worte Angilrams, für welche eine Quelle nicht existiert oder bisher nicht ermittelt ist.
4) = Rubr. II cit. Augustod. [Wo das einzelne Wort sowohl aus 4 wie aus 5 stammen könnte, ist die Bezeichnung für die Quelle vorangestellt, die nach dem Zusammenhang als Vorlage anzusehen ist.]
5) = Conc. Afric. cit. [Vgl. N. 4.]
6) [Biblischer Ausdruck, überaus häufig im N. T.]
7) = Episc. relatio cit.    
8) Fehlt in Conc. Paris. 829 cit.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 24]


Conc. Afric. Rubr. II Augustod. Angilr. c. 22.


(e) et ille1, qui1


primam1.2 se-


dem1.2 retinet1,


tantum2 modo pri-


mae2 sedis2 ap-


pelletur2.1 episco-


pus2,

[cf. Ben. 3, 439b.]

[et quos sancti pa- (f) salva3 sem- -

tres synodali et per in omnibus

apostolica auctori- auctoritate be-

tate primates esse ati Petri apo-

decreverunt . . . ] stoli.

[Fest steht zunächst, daß das Kompositionsschema dem Conc. Afric. entnommen ist. Das erhellt aus dem Singular 'Nullus . . . . appelletur'4 in a, aus b und entscheidend aus dem Umstand, daß im weiteren Verlauf die in b zum Schluß aus Conc. Afric. reproduzierte Überleitung 'sed tantum' den Aufbau der folgenden Ausführungen regiert: sie leitet (ungeschickt genug) c ein5 und führt, nach der Einsprengung von d, in e zurück zu dem anschließenden Text des afrikanischen Kapitels. Fest steht ferner, daß diese Vorlage in der aus Augustod. und Ben. bekannten Tendenz mit fremden Zugaben durchsetzt wird, deren Provenienz folgendermaßen zu charakterisieren ist. Fast wörtlich stimmt a mit Augustod.6, Ben. 3, 460 rubr.7 und Ben. 3, 439a8 überein.9 Die




1) S. Seite 23 N. 4.    
2) S. Seite 23 N. 5.
3) Die salvatorische Klausel findet sich nochmals bei Angilram (c. 8 in.) und mehrfach bei Pseudoisidor (p. 114 c. 2; p. 167 c. 26; p. 468sq. c. 12 e. m. p.). [4) Dieser Singular entspricht der Rahmenvorlage und wird (mit einer Ausnahme vgl. unten N. 9) im weiteren Verlauf festgehalten (appelletur, vocetur, teneat, retinet, appelletur). Er steht im Gegensatz zu allen Parallelfalsifikaten. [5) Worüber bald näheres.     [6) In beiden Parallelabdrucken Spalte 2. [7) Oben S. 21f. Spalte 3.     [8) Oben S. 21 N. 7. [9) Verrät sich aber auch als Fremdkörper durch den Plural 'tenent'.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 25]

'Nullus' -Stilisierung läßt eine nahe Verwandtschaft mit Ben. 3, 439 vermuten, eine Verwandtschaft, die jedoch alsbald durch das Fehlen des charakteristischen1 'ali(us)', durch das folgende Wort 'archiepiscoporum' und durch das Fehlen von 'illi' unmittelbar vor 'qui' zugunsten der Augustod. verleugnet wird. Wörtlich oder fast wörtlich wird ferner eingeschoben d aus der Relatio und der Anfang von e aus der Augustod., die aber hier die Konkurrenz von Ben. 3, 460 rubr. oder von Ben. 3, 439a nicht aus dem Felde schlägt, weil 'ille, qui primam sedem (re)tinet' jedem der drei Texte entnommen sein kann2. Im Gegensatz zu diesen sich eng an die Vorlagen anschließenden Entlehnungen steht der ebenfalls auf den afrikanischen Kanon aufgepfropfte Absatz c, der, wie der Augenschein lehrt, zwar Anklänge an Ben. 3. 439b bietet, aber doch als selbständig formuliert angesehen werden muß3.4, ebenso wie die Einfügung der salvatorischen Klausel unabhängig von den Parallelfalsifikaten erfolgt ist.5 Demnach kann und braucht eine Benutzung von Ben. 3, 460 rubr. oder 3, 439 - die ihrerseits eng miteinander zusammenhängen6 - nicht angenommen



[1) Vgl. oben 8. 21 N. 4. [2) Möglich ist allerdings, daß Angilr. hier bereits auch auf seinen eigenen ersten Satz zurückgreift, was zugunsten der Augustod. entscheiden würde, deren Benutzung wegen ihrer Verwendung in a ohnehin das wahrscheinlichste ist. [3) Die ungeschickte Einführung von Absatz c durch 'sed tantum' statt 'sed' würde vollen Beweis für Einfügung eines Flickens aus Ben. 3, 439b erbringen, wenn es sich wirklich um ein fremdes Stück handeln würde. Angesichts der selbständigen Fassung ist das stehengebliebene 'tantum', das sinngemäß vor dem ersten 'aut' hätte untergebracht werden müssen, vielmehr Indiz ungeschickter aber auch unabhängiger Komposition. - 'Vocetur' ergibt allerdings einen starken Gleichklang zu Ben. 3, 439b, der durch den Parallelismus der Wiederholung von 'metropoli' bzw. 'metropolitanas' und 'metropolitanus' unterstrichen wird. Vgl. dazu oben S. 21 N. 5. [4) Der Ausweg aus der durch die nisi-Stilisierung des ersten Satzes geschaffenen Situation ergab sich für Angilr. unmittelbar aus seiner Rahmenvorlage Conc. Afric., keinesfalls aus der verwandten Lösung in Ben. 3, 439. Vgl. hierzu oben S. 21 N. 4 und S. 22 N. 2. [5) Vgl. hierzu oben Studie VIII D, S. 363 N. 1. [6) Enger als mit Angilr. Vgl. oben S. 21 N. 7 und 24f.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 26]

werden. Die verwandten Stellen des Angilramkapitels lassen sich entweder besser durch Heranziehung der gefälschten Augustod.-Rubrik erklären oder ergeben nicht viel mehr als einen Gleichklang. Das kaleidoskopartige Durcheinanderwürfeln von einzelnen Wörtern aus zwei weiteren Vorlagen eigener Mache1 neben der Relatio im Rahmen des Conc. Afric. würde die Kompositionsverhältnisse des Angilramkapitels ganz unwahrscheinlich komplizieren. Am besten kommt man - wegen der Angilr. c. 22a mit den Falsifikaten Benedikts gemeinsamen 'nisi' - Stilisierung - mit der Annahme einer einzigen Zwischenform x aus, die für alle Ableitungen aus der Augustod.-Rubrik als gemeinsames Material verwendet worden ist. An einer parallel laufenden Entwicklung von Angilr. c. 22 und Ben. 3, 439 aus dieser Vorlage wird allerdings festzuhalten sein. Aber ohne Variationen ein und derselben Vorlage, bei denen das zeitliche Entstehungsverhältnis d. h. die gegenseitige Filiation keine Rolle spielt oder mindestens nicht aufgedeckt werden kann, wird bei der bewußt gehandhabten Variationstechnik2 der Fälscher ohnehin nicht auszukommen sein. J.]

In seinem Texte hält sich Ben. 3, 460 auf das Genaueste an die Augustodunensis:

3, 460a (bis 'conpetenter occurant'): 'Item' vor 'placuit' gestrichen, sonst keine Abweichung; anders in dem Parallelkapitel 3, 34a (aus der Dion.-Hadr.)3, wo die Priester hineininterpoliert sind4;

3, 460 b ('Primatibusque' bis Schluß): ohne jede Abweichung.5

3, 461 Schluß der Rubrik und Text = Conc. Vasense I. 442 c. 6 Rubrik und Text, Augustod. fol. 50a'. b' (Rubrik der Aug. = reine Hisp.; im Text 13 Abweichungen von der reinen Hisp.)6; Vorquelle des Zitats im can. Vas. 6 ist



[1) Augustodunensis-Rubrik und Ben. 3, 439. [2) Sie erfordert eine besondere Untersuchung unter Heranziehung aller Duplicata und Triplicata verschiedensten Grades. J.]
3) Vgl. oben S. 16 N. 8, 19 N. 1.    
4) Vgl. Studie VIII A, S. 336.
5) Zu den 'turmae' vgl. oben S. 22 N. 1 und 3, 231.
6) 'quaeque' Hisp. l. 1 (ed. Migne 84, 260) statt 'quę' Aug. [= Gall.];




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 27]

Ps.-Clementis I. epistola ad S. Jacobum 'Notum tibi facio' (Jaffé † 10), Quesnelliana c. 64 (Migne 56, 739. 740), ed. Hinschius c. 17 fin. 18 in. (Decr. pseudoisid. p. 36), ed. Fritzsche1 p. 16. l. 18 - p. 17. l. 1.

Der Anfang der Rubrik ist eigene Schöpfung Benedikts. Zunächst hält er sich2 an einen Passus des Textes3; sodann bringt er 3 textfremde Worte vor: 'nec excommunicatis communicandum'. Quelle dieser Worte ist irgendeines der häufigen Verkehrsverbote4, z. B. Conc. Antioch. 341 c. 2 med. Dion.-Hadr. (ed. 1609 p. 56 unten) = Ben. 1, 25. 3, 105, oder Conc. Carth. IV. c. 73 = Stat. eccl. ant. c. 40 (Migne 84, 205; 56, 884), oder Cap. Martini Bracar. c. 84 in. (Migne 84, 586).

Der Schluß der Rubrik deckt sich mit der Originalrubrik; nur treten bei Ben. an Stelle des 'excommunicatus' die hier sachlich gleichwertigen 'ipsi' und werden demgemäß die Singulare der Vorlage ('humiliet', 'ipsum', 'reconcilietur') in Plurale verwandelt.

Der Text folgt überwiegend der Augustod. mit ihren Lesarten; nur ab und zu kann Ben. das Ändern nicht lassen67; 'commotione' 8 statt 'commonitione'; 'vel ve



'cum reverentia' l. 3 statt 'rev.'; 'quid' l. 4 statt 'quod'; 'praeter' l. 5 statt 'propter'; 'apostoli Petri' l. 7 statt 'P. a.' [= Gall.]; 'institutione' l. 7 statt 'constitutione' [Gall. 'statutionem'!]; 'praeter' l. 9/10 (so die meisten Hss. der Hisp.) statt 'propter'; 'communione' l. 15 statt 'commonitione'; 'averti se' l. 16 statt 'averti' [Gall.: 'advertisse' ];, 'et . . . redit' l. 20 statt 'Ut . . . redeat' [Gall.: 'et . . . credita salutem'!]; 'sequentibus' l. 22 statt 'consequentibus' [ = Gall.]; 'confutator' l. 25/6 statt 'conputatur' [Gall.: 'conputator'! Für das Verhältnis zur Gallica Cod. Vindob. 411 vgl. noch unten N. 6; die nicht berücksichtigten Schreibfehler dieser Hs. sind für die Beurteilung der Überlieferung ohne Bedeutung. J.]
1) Clementis epist. ad Jac., Index lect. Turicensis 1873.
2) Für die Worte: 'Quod cum illis, quibus episcopus non loquitur, non sit loquendum'.
3) v. 'sed nec loqui his, quibus ipse non loquitur'.
4) Vgl. Hinschius KR. IV, 704 (N. 7.8). 799ff. (801 N. 2); V, 3 (N. 9) ff.
5) Siehe ferner Ben. 1, 75. 137. 2, 93. 3, 474. Add. IV. 88 fin.
6) Wenn Ben. (mit der reinen Hisp. [und der Gallica]!) schreibt




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 28]

stram'), statt 'vestrum'; 'denotantur amicis' statt 'denotant amicos'; am Schluß 'fore' eingeschoben.       

3, 462: ein Mixtum compositum, als solches nirgends vor Ben. nachweisbar; es stellt ein Prunkstück des Episkopalismus dar [und ist aller Wahrscheinlichkeit nach von Benedikt zusammengefügt worden.2 Den Rahmen für das Kapitel haben offenbar drei Exzerpte aus dem apokryphen Brief des Clemens an Jacobus abgegeben, die in der Reihenfolge des Originals verwertet sind (a, f, g = Ps. Clem. 6, 11,



'cum reverentia' statt 'reverentia' (so die Aug.), so hat er entweder eine reinere Augustod. vor sich als wir im Cod. Vatican. oder trifft er durch konjekturale Ergänzung mit der reinen Hisp. zusammen. Für die Quellenfrage geben solche Quisquilien nichts aus.
7) [Zu Grunde gelegt ist im folgenden der kritisch hergestellte Text Benedikts. Danach ist 'roboramus' mit Par. 4634 und allen Hss. der II. Klasse (Vat. Pal. 583. Goth. Vat. reg. 974 und Par. 4635) zu schreiben gegen 'roboremus' in Par. 4636 und Vat. 4982 (= Bellov.) - Ferner ist 'Quae' bei Pertz handschriftlich überhaupt nicht beglaubigte Lesart: Vat. 4982 (= Bellov.) hat 'Quidam', alle anderen Hss. beider Klassen wie die Vorlage 'Quędam'.]
8) Übrigens schreibt Klasse II der Ben.-Hss. (mit der reinen Hisp. [und der Gallica]!): 'communione'.
1) [So schreiben die Hss. der I. Klasse (Par. 4634. 4636. Vat. 4982) und Par. 4635. Von den anderen Hss. der Klasse II. haben Vat. Pal. 583 und reg. Christ. 974 'vel nostrarum', Goth.1 'vel vestrarum', Goth.2 (vel?) vestrorum. - Schwer zu entscheiden ist, ob Benedikts Text kurz vorher 'videlicet qui ecclesiae' oder 'v. quia ecclesiae' lautete. Par. 4634. 4636. 4635 schreiben 'v. quia ecclesię', Vat. Pal. 583 und reg. Christ. 974 'v. quia ęcclesia' und nur Goth. und Vat. 4982 'v. qui e.' Da Cod. Vat. 1341 der Augustod. 'quiaeclesiae' überliefert und die Hs., soweit man sich auf Stichproben verlassen kann, regelmäßig 'ecclesia' hat, wird man sich für 'quia ecclesiae' zu entscheiden haben. J.] [2) Mehr behaupte ich nicht. Es ist immerhin nicht ausgeschlossen, daß Ben. das Kapitel z. T. (etwa a + x + fsqq.) bereits so zusammengesetzt vorgefunden hat, daß er seine Lieblingsthemen nur durch Interpolation in einen Text einzubetten brauchte, den man sich als Bischofskapitel denken mag. Solange jedoch für die Anlage des ganzen Kapitels eine Vorlage nicht nachgewiesen werden kann, entscheiden die Teile, die mit aller Wahrscheinlichkeit Benedikt zum Verfasser haben, auch über die Frage seiner Autorschaft betreffs der Komposition des Kapitels als Ganzes. Vgl. dazu unten S. 29 N. 3. - Was stilistisch auf Benedikt




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 29]

16).1.2 Angeschlossen werden in Umschreibung (h) oder in wörtlicher oder fast wörtlicher Wiedergabe (i, k) drei Bibelstellen, die mit dem letzten Exzerpt aus Ps.-Clemens sachlich zusammenhängen. Beachtenswert ist insbesondere, daß die Einleitung zur ersten Bibelstelle (h) dem Inhalt und der Fassung nach die Verbindung mit dem letzten Ps. Clemens-Exzerpt herstellen soll und diese Aufgabe kunstgerecht löst. Die Sätze, die zwischen a und f eingeschoben sind, müssen als ein unter dem Motto der Unantastbarkeit der Person und der Unbedingtheit der Autorität des Bischofs zusammengewürfeltes Mosaik angesehen werden: sie sind aus Brocken (darunter eine Bibelstelle: d) gefertigt, die zum Rüstzeug Benedikts gehören. Ergäbe f an a angereiht einen erkennbaren Zusammenhang, so würde man geneigt sein können, Benedikt nur für den Verfasser der Einsprengung, hier also nur für einen Interpolator zu halten. Da dies aber nicht der Fall ist, muß es dabei bleiben, daß wir es hinsichtlich des Gesamtkapitels mit einem Falsifikat zu tun haben.3 J.] - Auch für die Rubrik ist keine Quelle bekannt.

3, 462a (bis 'solutum et in cęlo') aus Pseudo-Clementis I epist. ad S. Jacobum 'Notum tibi facio' (Jaffé † 10), Quesnelliana c. 64 (Migne 56, 734 C. D.), ed. Hinschius



hinweist, ergibt im folgenden die Einzelanalyse. - Mehr als Anregungen oder Einzelheiten kann Benedikt auch aus Jonas, De inst. laic. 2, 20 nicht bezogen haben. Vgl. unten S. 34 N. 4, S. 36 zu d und e, S. 39 N. 1. 2. [1) Und fast die Hälfte des Kapitels ausmachen. [2) a ist mit Zusätzen durchsetzte Umarbeitung; f und g sind fast wörtliche Entlehnungen. [3) Dafür fällt auch schwer ins Gewicht, daß das Zitat aus Ps. Clemens in 3, 461 offenbar die Anregung zum Einfügen des mit Hilfe desselben ps.-clementinischen Briefes gefertigten Kapitels 3, 462 gegeben hat. Vor allem aber, daß Pseudoisidor (Ps.-Evar.) bei Übernahme des Textes von 3, 462 nicht nur die bereits vorliegende Fälschung weiter ausbaute, sondern unter Innehaltung der originalen Reihenfolge ein weiteres Stück aus Ps.-Clemens einfügte. Wegen der Vorlagen verweist Knust auf Ps.-Evar. 2 und damit auf seine Ermittlungen der Quellen Ps.-Isidors (De fontibus et consilio ps.-isid. coll. p. 40). Seine Nachweise, von Hinschius (Decr. pseudo-isid. p. CXV, CLsq., 91) nachgeprüft, bedürfen einer ins einzelne gehenden Präzisierung. Eine Ergänzung unten unter h. J.]



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 30]

c. 4 fin. (Decr. pseudoisid. p. 32), ed. Fritzsche p. 9 l. 25 - p. 10 l. 5. [Es wäre an sich denkbar, daß nicht das Original selber1, sondern eine unbekannte Zwischenquelle als Vorlage gedient hat, weil die bei Ben. vorliegende Bearbeitung die Urquelle besonders zu Beginn stark trübt. Bestimmte Spuren, die auf eine Vorquelle hinweisen, scheinen jedoch nicht auffindbar zu sein.2 Die Konstruktion 'ecclesiam suam docere . . . regere et (amare), ut a vitiis se abstineat et salutem consequi possit . .' erweckt zwar zunächst den Verdacht, daß sich hinter der ungewöhnlichen Beziehung auf die 'ecclesia sua' die Interpolation einer Ps.- Clemens verarbeitenden Vorquelle verbirgt. Aber der Schein trügt; denn der Gebrauch von 'ecclesia' im Sinne einer die Gläubigen auch individuell treffenden Bezeichnung ist, wenn auch m. W. selten, so doch nicht ganz ohne Beispiel.3 Hier unterstützt dieser Sprachgebrauch die Tendenz Benedikts, die Leitungsgewalt des Bischofs scharf hervorzuheben. Im übrigen wäre eine freie Überarbeitung, die die Vorlage stellenweise bis zur Unkenntlichkeit entstellt, für Ben. nichts Außergewöhnliches.4 Auf seine Tätigkeit weist ferner die Umschreibung des 'tu' -Stils der Vorlage auf die 'Episcopus-oportet'-Stilisierung hin5, die das Stück als Kapitular frisiert und für die Möglichkeit Raum schafft, von b ab die alle (ausgenommen den Bischof) treffende Anrede 'vos'



[1) Natürlich nur die lateinische Übersetzung des griechischen Originals aus den 'Recognitiones': die Versio Rufini. Über die Aufnahme des Briefes in Sammlungen vgl. Maassen, Geschichte der Quellen I, 410. [2) Vgl. auch unten S. 31 N. 8. [3) Vgl. Conc. Aquisgr. 836. Cap. III. (66) XXV. (MG. Conc. II, 723 l. 9-11): 'Quia enim ecclesia in una adque indiscreta Christi fide ac dilectione concorditer ad caelestia tendens populus dicitur . . .', ferner Missi cuiusdam admon. (MG. Capit. I, 239 l. 12): 'Credite unam ecclesiam, id est congregationem bonorum hominum . . .'; vor allem aber Ps.-Clemens selber (7. ed. Fritzsche p. 10 l. 17f.): ' . . . ecclesiam, id est congregationem credentium . . .' (anders Quesn. und Ps.-Isidor) mit den angeschlossenen Ausführungen. - Freilich entlehnt Ben. 2, 99 aus der in Studie VII A nachgewiesenen Quelle den Satz. 'Sancta vero Ecclesia in sacerdotibus constat'. [4) Vgl. etwa Studie VIII D, S. 367 N. 1 zu 3, 441. [5) Vgl. Studie VIII B, S. 21 zu 3, 259.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 31]

des Ps.-Clemensbriefes zu gebrauchen und festzuhalten. Den Gepflogenheiten Benedikts entspricht es schließlich, ein verdecktes Bibelzitat der Vorlage nach dem Wortlaut der Bibel zu korrigieren1, wie es am Schluß von a geschieht. Auf die Bedeutung der Lesarten der Ben.-Hss.2 für die Textkritik sei im voraus aufmerksam gemacht. J.]

Aus Ps.-Clemens fließen die Worte, welche im nachstehenden Parallelabdruck gesperrt wiedergegeben sind.
Ps.-Clem. Ben.
  Idcirco tu quidem ad hoc   Episcopum vero oportet
solum vacato, ut opportune3 oportune3 et inportune3
et sine intermissione4 do- atque sine intermissione4
ceas verbum Dei, per quod ecclesiam suam docere5
salutem6 consequi6 pos- eamque prudenter regere7
sint. et amare8, ut a vitiis se



[1) Vgl. unten S. 32 N. 5.     [2) Vgl. die Noten S. 32f. J.]
3) Vgl. 2. Tim. 4, 2 'Praedica verbum, insta opportune, importune . . .', ferner S. Bonifatii et Lulli epistolae, MG. Epist. III p. 274 l. 13 (Gregor.), 353 l. 25, 354 l. 36, 371 l. 27 (Zachar.).
4) Kommt in der Bibel häufig (13 mal) vor. Z. B. 2. Tim. 1, 3.
5) ['Docere ecclesiam suam' vermag ich nicht zu belegen. Über Verbindungen, in denen 'docere' meist vorkommt, vgl. MG. Capit. II und Conc. II, Index s. v. 'docere'. Zur Sache vgl. jedoch oben S. 30. J.]
6) Vgl. 2. Tim. 2, 10 'ut et ipsi salutem consequantur'.
7) Häufige Redensart vgl. MG. Capit. II und Conc. II, Index s. v. 'regere'. [8) Mit Ps.-Evar. (vgl. Hinschius, Decretales pseudoisidor. p. 91 und Gratian C. 7 q. 1 c. 11 § 1) lesen alle Hss. beider Klassen 'amare' außer Vat. 4982 (= Bellovac.), der admonere hat. Paläographisch wäre amare als Korruptel aus amōere erklärlich. Aber gegen den Ben. kopierenden Ps.-Isidor und alle anderen Ben.-Hss. läßt sich die Lesart 'admonere' nicht einmal als richtige Konjektur von Vat. 4982 halten, obgleich sie normalerweise eine der Sache nach richtige Konjektur wäre. - Von Benedikt ist 'amare' neben 'prudenter regere' vielleicht mit eingeschoben worden, um eine genaue Entsprechung mit der Interpolation des 2. Satzes herbeizuführen, in dem die Verpflichtungen der Gläubigen ihrem Bischof gegenüber mit den Worten 'eius doctrinam suscipere, eumque amare et diligere' (vielleicht angeregt durch Ps.-Clem. c. 17: 'omnes erga illum vinculo amoris innexi') festgelegt werden. An die Interpolation einer Vorlage, in der bereits 'eamque prudenter regere




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 32]


Ps.-Clem. Ben.

abstineat1 et salutem2

consequi2 possit aeter-

nam.
  Illi vero cum tanta re-   Et ill a cum tanta re-
verentia tua verba susci- verentia eius doctrinam de-
piant, ut qui3 sciant lega- bet suscipere eumque ama-
tum te et praeconem esse re4 et diligere4, ut lega-
veritatis tum Dei et praeconem

veritatis

quia testante veritate5
5et quodcumque6 ligave- 5quaecumque6 liga-



ut a vitiis se abstineat' gestanden hätte, vermag ich nicht zu glauben, weil sich die Interpolation nur mit den gleichen Gründen rechtfertigen ließe, mit denen auch ein von Ben. einheitlich geschriebener oder nachträglich vervollständigter Satz der überlieferten Gestalt zu erklären ist. Wahrscheinlicher als Interpolation wäre m. E. Schreib- oder Hör-^\fehler bei Entstehung oder Abschrift der Urfälschung. J.]
1) Häufige Redensart.    
2) Vgl. oben S. 31 N. 6.
3) 'ut qui' ed. Fritzsche, Quesnelliana; 'ut' Ps.-Isidor ed. Hin-^\schius p. 32 ('tam qui' Cod. Darmst. ibid.).
4) Vgl. unten litt. c (S. 35).
5) [Von den beiden als Vorlage in Betracht kommenden Bibelstellen Matth. 16, 19 und Matth. 18, 18 hat bereits das griechische Original (ed. de Lagarde p. 8 l. 10sq.: εἰδότες ὅτι ὁ τῆς ἀληθείας πρεσβευτὴς ὃ ἂν δήσῃ ἐπὶ γῆς, δέδεται καὶ ἐν οὐρανῷ, ὃ δ'&νβσπ;ἂν λύσῃ, λέλυται Matth. 16, 19 im Sinn, wenn es mit ὃ ἂν beginnt, verirrt sich aber alsbald mit dem Singular οὐρανῷ zu Matth. 18, 18. Die versio Rufini verstärkt - ob absichtlich oder unabsichtlich wird sich kaum entscheiden lassen - die Bezugnahme auf Matth. 16, 19, ändert aber sonst nichts. J.] Ben. hingegen, der die Herkunft der bei Ps.-Clemens stehenden Worte (was nicht schwer war) erkennt, deutet die Quelle (Christus) an und korrigiert zum Teil (unten S. 33 N. 2. 6. 7) dem Ps.- Clemens das Konzept nach der Bibel, eine Art der Korrektur, die er seiner Vorlage auch sonst gelegentlich angedeihen läßt (vgl. Studie VIII A, S. 426 N. 4, VIII B, S. 21 N. 3, 22 N. 2 und Studie VIII D, S. 368 N. 2. 4 zu 3, 441). [Aber auch er beläßt es bei dem aus Matth. 18, 18 stammenden Element der Vorlage, obgleich er nach Matth. 16, 19 verbessert und auffüllt. Über das oben in den Text gesetzte 'quaecumque' vgl. die folgende, über alles Weitere die nächsten Anmerkungen. J.]
6) ['quodcumque' (καὶ ὃ ἐὰν) Matth. 16, 19; 'quaecumque' (ὅσα ἐὰν) Matth. 18, 18. Alle Ben.-Hss. außer Vat. 4982 (= Bellov.) 'quaecumque',




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 33]


ris1super terram, esse2 liga- verit1 superterram, erit2
tum2 et in coelo3 et quod- ligatum2 et in coelo3,
cumque4 solveris5.6 etiam7 et quaecumque4 solve-
ibi7.8 esse7 solvendum.7 rit5 super6 terram6, erit7

solutum7 et7 in7 coelo.7



aus welcher Lesart Hss.-Klasse II außer Par. 4635 die Konsequenz zieht und nach Matth. 18, 18 verbessert. Vgl. unten S. 33 N. 2. 7. Ps.-Isidor hat wie für Ps.-Clemens (ed. cit. p. 32) so auch für den mit Hilfe von Ben. 3, 462 gefertigten Ps.-Evar. (ed. cit. p. 91) und auch für Ps.- Julius 6 (ed. cit. p. 459) 'quodcumque'. Daß dies die sachlich richtige Lesart ist, wird sich nicht bezweifeln lassen. Ob sie für den Ben.-Text auch die kritisch richtige ist, läßt sich jedoch mit den verfügbaren Mitteln m. E. kaum entscheiden. Möglich wäre, daß die Ben. zur Verfügung stehende Vorlage ebenso wie der Cod. Rhenov. XXV (vgl. ed. Fritzsche p. 10 ad l. 4) die von Ben. zunächst übernommene, von Ps.-Isidor aber nachträglich (vielleicht aus anderer Quelle) korrigierte Korruptel 'quaecumque' enthielt. Jedenfalls wird vorerst schwerlich um die Annahme herumzukommen sein, daß der Archetyp aller unserer Ben.-Hss. beider Klassen 'quaecumque' las und daß Vat. 4982 'quodcumque' konjizierte. - Denkbar wäre auch ein Versehen Benedikts bei Benutzung verfälschter und hergerichteter Exzerpte, die ihm ebenso wie Ps.-Isidor vorgelegen hätten. Vgl. dazu oben S. 29 N. 3, 31 N. 8 a. E.
1) ['ligaveris' Matth. 16, 19; 'alligaveritis' Matth. 18, 18. Ps.-Clemens bei Ps.-Isidor wie ed. Fritzsche; Ps.-Evar. = Ben. Die Quesnelliana liest 'super terram ligaveris'.
2) ['erit ligatum' Matth. 16, 19; 'erunt ligata' Matth. 18, 18. Hss.- Klasse I und Par. 4635 haben 'erit ligatum', Vat. Pal. 583 (so auch Vat. reg. Christ. 974) und Goth. verbessern nach Matth. 18, 18 'erunt ligata'. Vgl. oben S. 32 N. 5. 6. Ps.-Clemens bei Ps.-Isidor stimmt mit ed. Fritzsche überein (einige Hss. haben 'esset' statt 'esse'), Ps.-Evar. mit Hss.-Klasse I. - Die oben S. 32 N. 6 erwähnte Stelle aus Ps.-Julius 6 hat trotz 'quodcumque' 'erunt ligata et soluta'!
3) ['caelis' Matth. 16, 19; 'caelo' Matth. 18, 18, dem Ps.-Clemens und Ben. nach allen Hss. und Ableitungen folgen. Vgl. unten N. 7. - Vgl. jedoch den Wechsel 'coelis' - 'coelo' bei Ps.-Anacl. 30 (ed. cit. 83).
4) [Alles genau ebenso wie das oben S. 32 N. 6 Ausgeführte.
5) ['solveris' Matth. 16, 19; 'solveritis' Matth. 18, 18. Ps.-Clemens bei Ps.-Isidor wie ed. Fritzsche; Ps.-Evar. = Ben.
6) ['super terram' fehlt ed. Fritzsche (vgl. jedoch die Anm. daselbst) und im Ps.-Clemenstext Ps.-Isidors, wie auch im griechischen Original (vgl. oben S. 32 N. 5). Ben. (und ihm folgend Ps.-Evar.) restituiert die Worte aus der Bibel (Matth. 18, 18 = Matth. 16, 19). Daß auch die gedruckte Quesnelliana die fraglichen Worte hat, dürfte für uns belanglos sein.
7) ['erit solutum et in caelis' Matth. 16, 19; 'erunt soluta et in caelo'




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 34]

3, 462b ('Nimis - potestatem'): Quelle unbekannt. Zu den Worten 'Nimis timenda est haec sententia' ] vgl. Conc. Paris. 829 Lib. I. c. 5 med. (MG. Conc. II, 613 l. 21): 'Formidolosa valde et tremenda haec sententia' [und Conc. Aquisgr. 816 c. 37 (MG. Conc. II, 359 l. 30 aus Gregor, Homil. in Evang. II. 26 § 4. (Migne 76, 1201 B)): pastoris tamen sententia gregi timenda est. J.];

zu 'providendum . . . ne' ] vgl. den interpolierten Anfang von 3, 122;

zu 'ne offendatis' ] vgl. etwa Eccli. 31, 20 fin.: 'ne forte offendas' 1;

zu 'eos qui tantam a domino habent potestatem' ] vgl. Stellen wie Conc. Paris. 829 Lib. III c. 8 (75) (MG. Conc. II, 673),2, wo im Zusammenhang mit der Schlüsselgewalt (unter Berufung auf Matth. 16, 19) die Rede ist von 'nomen, potestatem, vigorem et dignitatem sacerdotalem'; siehe auch oben 2, 176 fin.: 'potestatem pontificum in ligando et solvendo';

3, 462c ('Et ideo potius - amandi'): Quelle unbekannt. Wegen 'oboediendi' vgl. oben 3, 383 c und die dort angeführten sonstigen Sachparallelen;

venerandi' ] oben 1, 270.3 1, 322 sub fin. 2, 176 fin.4;



Matth. 18, 18. Für Ps.-Clemens bei Ps.-Isidor ist bezüglich aller Einzelheiten das N. 2 Gesagte zu wiederholen. Ps.-Evar. hat 'erit solutum et in coelis', weicht also nur durch 'coelis' statt 'coelo' von Ben. ab, dessen Hss.-Klasse I 'erit solutum et in coelo' schreibt. Vat. Pal. 583 (und Vat. reg. Christ. 974) und Goth. verbessern nach Matth. 18, 18 'quaecumque' entsprechend 'erunt soluta e. i. c.' Vgl. oben S. 32 N. 5. 6, S. 33 N. 2.
8) [Ed. Fritzsche hat 'et ibi'. Vgl. jedoch die Anm. daselbst. J.]
1) Vgl. ferner oben 2,176 fin., wo es nach Erwähnung der Bindegewalt und der Pflicht, die Priester zu verehren, heißt: 'et qualiter in his offendere solent, eis annuntietur'. Bloße Wortparallele: Ben. 2, 188 i. f.    
2) Ähnlich schon Conc. Ascheim. 756? c. 3 (l. c. p. 57).
3) = Anseg. 2, 7.
4) Dazu Parallelen aus echten Quellen in Studie VII B, S. 129 N. 2. 3. Nachzutragen sind Jonas Aurel., De inst. regia c. 2 (ed. d'Achery I2, 327/8): 'sacerdotes . . . non sunt . . . vituperandi ac despiciendi, sed . . . audiendi et congruo honore venerandi', = Conc. Aquisgr. 836/7 (MG.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 35]

'non detrahendi' ] oben 1, 322 in. fin.1;

'(non) lacerandi'2 ] oben 1, 322 fin.3;

'(non) eiciendi' ] oben 2, 381 p. 3, 116 rubr. 153 rubr. und Textanfang (153a); unten Add. IV. 3;

'portandi' 4] daß man das Regiment eines harten Bischofs ertragen müsse, wird auch in echten Quellen ausgesprochen5; eine Wortparallele ist mir nicht gegenwärtig;

'amandi' und vorher 'diligendi' ] daß man den Bischof (ohne Rücksicht auf seine moralischen oder sonstigen liebenswerten Eigenschaften!) wegen seiner geistlichen



Conc. II, 718 l. 28-30). [Vgl. auch Jonas, De inst. laic. 2, 20 (l. c. 295, Migne 106, 211 A/B) wo mehrfach von sacerdotes 'venerandi' die Rede ist u. z. in einem der Tendenz Ben. verwandten Zusammenhang.]
1) Dazu Studie VII B, S. 129 N. 3, Studie VIII B, S. 99 N. 1 und oben S. 12 N. 8 zu 3, 452. [Nachzutragen ist der Hinweis auf den Index von MG. Capit. II s. v. detrahere und detractio (wo II 32, 5; 33, 20 zu lesen ist) und auf den Index von MG. Conc. II, wo s. v. detrahere außer 373, 9sq. (aus Hieronymus); 626, 10; 726, 15; 742, 20 und s. v. detractio 625, 15; 742, 25 zu ergänzen wären. Hervorzuheben ist ferner das häufige Vorkommen in den beiden Aachener Synoden, im Pariser Reformkonzil 829 und in der Relatio, zu erwähnen schließlich, daß detrahere in dem hier in Betracht kommenden Sinn sich in der Bibel häufig (an 25 Stellen) findet. J.]
2) Steht auch in der Rubrik. [3) Und 3, 441; dazu Studie VIII D, S. 367 N. 5. Nachzuholen ist hier der Hinweis auf die charakteristische Stelle der Lex Visig. 2, 1, 6 (Recc. Erv.) MG. LL. Visig. p. 52 l. 5 'si quis legis huius seriem ex officio palatino malivole detrahendo lacerare voluerit' mit der man Conc. Tolet. VIII. 653 e. 10 i. f. 'ut quicumque detractor et non potius venerator' vergleiche. Siehe ferner Lex Visig. (Recc. Erv.) l. c. p. 57 l. 22, 28; p. 58 l. 1, 3; Conc. Par. 825 (MG. Conc. II, 526 l. 23 - 25) 'nec illi, qui eas (sc. imagines) habere noluerunt, . . . qualibet ignominiosa . . . detestatione spernere, contumeliare vel lacerare praesumant'. Aus der Bibel Habac. 1, 4 'Propter hoc lacerata est lex', ferner Gregor. reg. pastor. 3, 4 (Migne 77, 56 A) 'se . . . de tenuissima verbi laceratione reprehendunt'. J.]
4) Dafür in der Rubrik: 'tolerandis'; vgl. unten N. 5.
6) Gregorii M., Regula pastor. 3, 4 (Migne 77, 55 C): 'ut . . . ferre sub eis iugum reverentiae non recusent'; Isidorus Hispal., Sent. 3, 39 § 6 (Migne 83, 710 B): 'Pro moribus vero reprobis tolerandus (rector) magis quam distringendus a plebe est.'




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 36]

Machtbefugnisse ('Et ideo'!) lieben müsse, ist eine Behauptung, die bei einem Fälscher wie Benedikt, dem überspannten Anwalt der Bischöfe, nicht weiter verwunderlich erscheint, [für die aber eine Parallele aufzufinden nicht gelungen ist].

3, 462d ('ipso dicente domino: Qui vos - spernit'): der Herrenspruch steht Luc. 10, 16 in. (Vulg.) mit genau demselben Wortlaut; vgl. oben 1, 40b. 322b. 2, 104b. 3, 390d. [und die Verwendung im gleichen Zusammenhang bei Jonas unten zu e. J.]

3, 462 e ('Ideo - funguntur'): Quelle unbekannt. Die Eingangsphrase 'vobis et omnibus fidelibus praecipimus, ut' erinnert an Initien wie z. B. in 2, 423 (interp.) und 3, 386 (interp.); [die Hand Benedikts verrät sich durch die Inkonzinnität des auf b - c zurückweisenden 'praeceptum': 'ne offendatis eos . . . . et ideo potius oboediendi . . . venerandi, non detrahendi vel lacerandi aut eiciendi, sed portandi et amandi . . . Ideo  . . . praecipimus ut ab his (!) caveatis'. J.]

zu 'posteris . . . exemplum relinquatis' ] vgl. die ähnliche Wendung oben 2, 427a und 3, 141a ('posteris . . . exemplum dantes');

die Worte 'quoniam iniuria episcoporum ad Christum pertinet, cuius vice funguntur' sind uns in ähnlicher Fassung nicht weniger als 5 mal begegnet (oben 1, 40b. 322b. 2, 99. 3, 390 rubr. 390a) und werden uns nochmals begegnen (Add. IV. 8 rubr.); sie sind gebildet aus Conc. Aquisgran. 836/7 Cap. III, Praef. capitulorum de honore episcopali i. f. (MG. Conc. II, 718 l. 32) [unter Einwirkung einer Reminiszenz] aus 2. Cor. 5, 20.1 [Nicht ohne Interesse ist die Feststellung, daß die genannte Praefatio, die aus der oben S. 34 N. 4 angeführten Jonas-Stelle stammt, folgendermaßen lautet: 'Licet . . . non sunt tamen v. (s. oben S. 34 N. 4) . . . sed propter illum cuius ministerium gerunt, audiendi (s. oben a. a. O.) . . . Post apostolos enim ad ipso haec Domini sententia dirigitur: Qui vos audit (= Luc. 10, 16) . . . me spernit. Attendendum quod Christi sacerdo



[1) Benutzt auch von Anastasius II ad Imp. Anast. (c. 1 Dion.-Hadr. 1609 p. 545. J.]



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 37]

tum spretio ad iniuriam Christi pertinet . . .' Nah verwandt ist auch der Gedankengang bei Jonas, De inst. laic. 2, 20 (s. oben a. a. O.): 'quoniam cum eos quibuslibet modis dehonorant, Christum, cuius ministri sunt, dehonorant, dicentem in Evangelio: Qui vos spernit, me spernit; et qui vos recipit, me recipit.' J.]

3, 462f. ('Unde - servate') aus Ps.- Clementis I. epist. cit. (oben 3, 462a), Quesnelliana c. 64 (Migne 56, 736 B), ed. Hinschius c. 11 in. (Decr. pseudoisid. p. 33), ed. Fritzsche p. 12 l. 12. Vom Texte der Quesnelliana1 weicht Ben. nur dadurch ab, daß er 'prophetae' durch 'Dei' ersetzt.2

3, 462g ('Verumtamen - singulorum') mit buchstäblicher Exaktheit aus demselben Clemens-Briefe, Quesnelliana l. c. (col. 738 D), ed. Hinschius c. 15 (l. c. p. 35), ed. Fritzsche p. 15. l. 16. Der Versuchung, den Bibeltext des Clemens bzw. Rufinus3 nach der Vulgata zu korrigieren, hat Ben. diesmal widerstanden; oder entging ihm das verdeckte und nicht leicht zu entdeckende Bibelzitat?



1)Bei Pseudoisidor 3 Varianten: 'malum opus' Quesn., 'opus malum' Pseudoisid. = ed. Fritzsche; 'et' vor 'benignitatem' fehlt bei Pseudoisid.; 'ac' Quesn. und ed. Fritzsche, 'et' Pseudoisid. vor 'simplicitatem'.
2) Außerdem werden zweimal die Worte umgestellt: 'veri (Dei) estis' Ben., 'estis veri (prophetae)' Quesn. und ed. Fritzsche; 'opus malum' Ben. = ed. Fritzsche (vgl. oben N. 1), 'm. o.' Quesn. [Einige Pseudoisidor-Hss. zeigen bei Ps.-Evar. andere erhebliche Abweichungen (nicht aber die genannten!), die Hinschius in den Text aufgenommen hat (vgl. auch für g-k ed. Hinschius p. 91 N. 19-28). - Nach den Ausgaben (die Baluze abschreiben) wäre auch anzunehmen, daß bei Ben. 'vestris' hinter 'cordibus' ausgefallen sei. Mit den pseudoisidorischen Ps.- Clemens und Ps.-Evar. haben aber Par. 4634 und alle Hss. der Klasse II den Text der Vorlage; 'vestris' fehlt nur in Par. 4636 und Vat. 4982 Bellov.), die gegen Par. 4634 + Hs. Klasse II nicht entscheiden. J.]
3) Offenbar sollen die Worte 'unusquisque (vestrum) suum proprium fert laborem', was bisher unbemerkt blieb, eine [gewollte oder, trotz der den Bibelworten treu folgenden Wiedergabe, eine ungewollte] Anspielung auf Galat. 6, 5 sein, eine Stelle, die in der Vulgata 'Unusquisque enim onus suum portabit' lautet. [Die versio Rufini spiegelt übrigens ganz genau das griechische Original wider, in dem nicht] der griechische Urtext der Bibel (Ἕκαστος γὰρ τὸ ἴδιον φορτίον βαστάσει) [steht, sondern die dem Bibeltext nur genau folgenden und entsprechenden Worte: Ἕκαστος ὑμῶν τὴν αὐτοῦ θλίψιν πάσχει.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 38]

3, 462 h ('Et ideo sicut - debet'): 1Die Ausführung scheint in der Hauptsache nichts anderes zu sein2 als die Umschreibung eines Satzes, den 1. Joh. 3, 16 für Gott und die Mitbrüder aufstellt, auf den Bischof und seine Untergebenen. Man vergleiche:
1. Ioh. 3, 16 (Vulg.). Ben.
In hoc cognovimus ca- . . . in tantum, ut si3
ritatem Dei, quoniam ille etiam necesse3 fuerit3 ani-
animam suam pro nobis po- mas vestras pro eo (epi-
suit4, et nos debemus pro scopo) ponatis, sicut et ipse
fratribus animas ponere.4 animam suam pro nobis,

si3 necesse3 fuerit3, po-

nere debet.
[Wegen der Überleitung, die im Sinne der umgearbeiteten Bibelstelle den Gedanken des letzten Ps.-Clemensexzerptes zu dieser Bibelstelle fortspinnt, vgl. oben S. 29. J.]

3, 462i ('ipso dicente salvatore: Bonus pastor animam suam dat pro ovibus suis'): der Herrenspruch wörtlich aus Joh. 10, 11 Satz 2 (Vulg.).5



1)Nichts von der Pflicht der Diözesanen, ihr Leben für den Bischof zu opfern, weiß Gregorius M. Homil. in Evang. I. 14 § 1 (Migne 76, 1127 C/D) [auch nicht in der Umstellung und Zurichtung, die Conc. Paris. 829 Lib. I c. 12 (MG. Conc. II, 619 l. 23 sq.) begegnet]: Qui non 'dat pro ovibus' substantiam suam, quando pro eis 'daturus' est 'animam suam'? Primum itaque nostrum est exteriora nostra 'ovibus' eius impendere, postremum vero, si necesse sit, 'pro' eisdem 'ovibus animam ponere'. (Die Anspielungen gehen auf Joh. 10, 11; unten 3, 462i. [Bei Gregor heißt es nach 'sit': 'etiam mortem nostram pro eisdem ovibus ministrare'; dann erst folgt die Erörterung über substantia und anima. J.])
2) Erstmals beobachtet.
3) Daß nur die Not das Opfer gebiete, ist eine naheliegende Einschränkung, auf die der Verfasser des Teilkapitels verfallen sein kann, ohne die angeführte Stelle aus Gregors Homilien (oben N. 1) zu kennen. Vgl. auch oben 3, 399 rubr.
4) Zu beachten ist das Verbum 'ponere', das, wenn der Verfasser der Stelle mit der Vulgata arbeitete, ihm nicht in Joh. 10, 11 (unten 3, 462i) bereit lag. [Doch würde auch andernfalls Joh. 10, 11 ebenso wie Joh. 15,13 schon durch den Aufbau des konkurrierenden Textes von 1. Joh. 3,16 als Vorlage ausgeschaltet sein. J.]
5) Der häufig angeführte Spruch (vgl. z. B. Conc. Paris. 829 Lib. I




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 39]

3, 462k ('Vos vero' bis Schluß): unmittelbar oder (etwa durch einen Kommentar) vermittelt aus Hebr. 13,17; Anfang gemodelt, Rest (von 'quasi rationem' an) wörtlich, wie der Paralleldruck zeigt:
Hebr. 13, 17 (Vulg.). Ben.
Oboedite praepositis Vos vero oboedite eis
vestris et subiacete1 eis; et vigilate pro eis, quia2
ipsi2 enim2 pervigilant3, ipsi2 vigilant, quasi ratio-
quasi rationem pro animabus nem p. a. v. r., ut c. g. h. f.
vestris reddituri, ut cum et n. g.
gaudio hoc faciant et non
gementes . . . .

[Den Anfang seines Textes hat Ben. in allen oder fast allen Abweichungen von der Vulgata aller Wahrscheinlichkeit nach selbständig bearbeitet. 'Vos vero' und 'eis' sind bestimmt und geeignet die fortlaufende Rede vorzutäuschen und das Bibelzitat zu verdecken; aber auch die Ersetzung von 'subiacete' durch 'vigilate pro' ist eine durch Fortführung des Gedankenganges der in h vorausgehenden Sätze hervorgerufene Änderung. 'Quia ipsi vigilant' könnte allerdings auf Beziehungen zur Versio antiqua hinweisen, die folgendermaßen lautet: 'Oboedite p. v. et s., quoniam ipsi vigilant pro animis vestris quasi rationem reddituri pro vobis, ut c. g. h. f. et n. g.' Trotzdem dürfte die Annahme, Ben. habe diese Fassung benutzt, nicht zu billigen sein. Einerseits fallen die Abweichungen von der Vulgata nicht sonderlich ins Gewicht: 'ipsi enim' kann Ben. entweder selber schon mit Rücksicht auf die Betonung, die auf 'Vos vero' vorverlegt werden mußte, oder in Anlehnung an Jonas



c. 12, MG. Conc. II, 619; aus der Vulg.) lautet in alten Übersetzungen freilich anders; siehe z. B. Gregorius M., Homilia I. 14 § 1 cit. ('Bonus p. a. s. ponit p. o. s.'); Conc. Rispac. 798 c. 9, MG. Conc. II, 200 ('B. p. animam ponit p. o. s.') [und das Material Sabatiers zu dieser Stelle.]
1) 'obtemperate' schreibt Jonas Aurel., De inst. laicali 2, 20 med. (d'Achery 12, 295a unten, 295b oben) in zwei Wiedergaben der Stelle.
2) 'quia ipsi' statt 'ipsi enim' schreibt Jonas l. c. in der zweiten Wiedergabe.
3) Ebenda wird eingeschoben: 'pro vobis'.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 40]

(vgl. S. 39 N. 2) in 'quia ipsi' umgeändert haben, 'per' vor 'vigilant' mag mit Rücksicht auf das unmittelbar vorher eingeschobene 'pro' weggefallen sein.1 Andererseits verrät sich die Hand Benedikts durch eine stilistische Inkonsequenz der Verarbeitung: sinngemäß hätte er 'quia et ipsi v.' schreiben müssen. Über die Gestalt der Vorlage entscheidet aber wohl folgender Umstand. Wäre die Versio antiqua Benedikts Vorlage gewesen, so hätte er sich dieser Vorlage vor allem in dem auf 'vigilant' folgenden Satzteil angeschlossen, statt auf die Vulgata zurückzugreifen, die sich seinem Gedankengang hier weniger gut einfügt. J.]       

3, 463: Quelle unbekannt. Nach der Vermutung von Hinschius2 aus einer nicht überlieferten gallischen Synode; nach Scherer von Benedikt kompiliert, d. h. verfaßt3. So wie sie lautet, kann ich die Norm nicht für einen echten Kanon halten: eine Synode (oder ein Kapitular) hätte es [schwerlich auf sich genommen alle in dem Stück enthaltenen kirchlichen und germanisch-weltlichen Vorschriften über die Eheschließung unterschiedslos auf die Väter, die Apostel und ihre Nachfolger zurückzuführen4, während es Benedikt auf einen Schwindel mehr oder weniger



[1) Auch schreibt Ps.-Evar. 'pervigilant', woraus zu ersehen, wie sehr mit Variationen in solchen Minutien zu rechnen ist und wie vorsichtig man in ihrer Bewertung sein muß. J.]
2) Hinschius, Decretales pseudoisid. p. CXLIX, p. 87 zu Evarist. c. 2: 'ex concilio quodam Gallico deperdito'; daneben läßt Hinschius die Möglichkeit einer Fälschung Benedikts offen.
3) v. Scherer, Über das Eherecht bei Ben. Lev. S. 11 [vgl. auch S. 24. Ebenso neustens Lemaire, 'Nullum sine dote fiat coniugium', Mélanges Fournier (1929) S. 424. J.] [4) Den angegebenen Quellen ist weder der Satz zu entnehmen, daß alle Frauen einen Gewalthaber haben, noch daß nach Werbung der Eheschluß abgemacht wird zwischen Gewalthaber und Bräutigam allein ohne Konsens der Braut, noch auch schließlich, daß die Sippe bei der Verlobung mitwirkt und daß die proximi trauen. Beachtenswert ist, daß der Schlußsatz mit den Normen über Legitimität und Erbrecht nicht mehr unter die Quellenangabe fällt. Wie weit den einzelnen Rechtssätzen Sachparallelen aus jenen Quellen zur Seite gestellt werden können, wird sich aus der Einzelanalyse ergeben.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 41]

zur Stützung seines Systems des ius utrumque nicht ankommen konnte. Von Benedikt rühren also m. E. gewisse Teile des Kapitels her, das er demnach jedenfalls interpoliert hat. Dagegen scheint es mir nicht erweislich zu sein, daß er den ganzen Text frei erfunden habe. Wenn ich recht sehe, gibt das Gerippe der Stelle eine überaus genaue, fast lehrbuchartige Darstellung der wesentlichen Erfordernisse der Eheschließung nach germ.-fränkischem Recht. Dieser Darlegung mag auch Benedikt, obwohl er in den sicher gefälschten Stücken anders (breiter und weniger klar) schreibt, fähig gewesen sein. Aber selbst wenn es möglich wäre, ihn für den Verfasser zu halten, so würde das noch nicht beweisen, daß er der Verfasser ist. Man könnte daran denken, daß in 3, 463 ein echtes weltliches Gesetz fränkischer Zeit vorliegt, das Benedikt durch kirchliche Interpolationen verbrämt hat. Die echte Vorschrift, die sich nach Entfernung der kirchlichen Übermalungen herausschält, würde etwa lauten1:

. . . Ut uxor legitime viro coniungatur.2, Aliter . . . legitimum . . . non fit coniugium, nisi

(1) ab his, qui super ipsam feminam dominationem habere videntur et a quibus custoditur, uxor petatur, et

(2) a parentibus propinquioribus sponsetur, et

(3) legibus dotetur, et

(4) suo tempore . . . a sacerdote benedicatur, et

(5) a paranimfis, ut consuetudo docet, custodita et sociata, a proximisque3 tempore congruo petita



[1) Die fraglichen Zusätze Benedikts, auf die alsbald zurückzukommen sein wird, sind im folgenden Rekonstruktionsversuch durch Punkte gekennzeichnet. [2) Par. 4634 und Bellovac. (Vat. 4982 und Vat. reg. Christ. 291): coniugatur; Par. 4636: coniungantur; alle Hss. der Klasse II: iungatur. Vgl. hierzu Ps.-Isidor ed. Hinschius p. 87 mit Note 17. [3) Das enklytische 'quo' hat früh zu Mißverständnissen geführt. Möglicherweise bediente sich bereits die Vorlage Benedikts, Benedikt selber oder der Archetyp unserer ganzen Überlieferung der Abbreviatur q̄ für '-que' (zu q̄ = 'que' und = 'qui' vgl. Hans Foerster, Die Abkürzungen in den Kölner Hss. der Karolingerzeit, Bonner Diss. 1916 S. 18f.,



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 42]

(6) legibus detur et

(7) solemniter accipiatur . . .

Taliter enim . . . filios non spurios, sed legitimos atque

hereditabiles generabunt.1]2

[Einem dergestalt rekonstruierten Text gegenüber könnten alle Bedenken so weit zurückgestellt werden, als die Behauptung reicht, daß Benedikt nicht als Verfasser, sondern nur als Bearbeiter einer Vorlage zu gelten hat. Die Annahme einer Totalfälschung wird allem Anschein nach wohl schon dadurch ausgeschaltet, daß (für uns erkennbar) die wesentlichen Merkmale seiner Kompositionstechnik fehlen. Wohl wäre, von den bereits ausgeschiedenen Stücken abgesehen, die Vermutung nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, daß die Stilisierung 'Aliter . . . non fit . . . nisi' zu Beginn auf Benedikts System der Unterstreichung zurückzuführen ist, aber von den Autoritäten, die die Rechtssätze des Textes decken sollen, wird soweit ersichtlich keine wörtlich verwertet; und auch sonst läßt sich aus dem ganzen Text nicht ein Satzstück aussondern, das bekannten Quellen ent



31, 32; Lindsay, Notae Latinae, Cambridge 1915 S. 210 - 213, 232, 243). Jedenfalls schrieb der Archetyp der Klasse I q̄, was die Hss. der Klasse (Par. 4634. 4636 und Bellov., dessen moderne Abschriften 'quae' lesen) getreu reproduzieren. Par. 4635 bringt zwar, wohl auf Grund richtiger Auflösung, 'proximisq;' aber alle anderen Hss. der Klasse II haben 'qui' - sei es, weil ihr Archetyp die Kürzung als 'quae' las und 'qui' konjizierte, sei es weil er auf die an sich mögliche Auflösung 'qui' verfiel. Der Korrektor des Goth., dem Pertz folgt, erlaubt sich die Verbesserung 'et' statt 'qui'. - Pseudo-Isidor läßt a. a. O. das ominiöse '-que' weg und sichert damit das richtige Verständnis. [1) Daran, daß statt wie bisher programmäßig nur von der legitimen 'uxor', jetzt ohne weiteres von den Ehegatten die Rede ist, kann schwerlich Anstoß genommen werden, da im Gegensatz zu der bisher allein behandelten Frage der Form, in der eine Frau in rechte Ehe gegeben wird, nunmehr eine Feststellung über die Konsequenz legitimer Eheschließung erfolgt. Für die Beurteilung des bei Benedikt voraufgehenden Satzes ist das nicht ohne Bedeutung. [2) Bis hierher folgt der Text der an dieser Stelle abbrechenden, von Seckel ausdrücklich als Entwurf bezeichneten Ausarbeitung, die nur insoweit umgestaltet werden mußte, als sie als wahrscheinliche Vorlage Benedikts lediglich ein echtes Kapitular in Betracht zog.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 43]

lehnt wäre.1 Außerdem weist der erste, mit 'Decretum est' beginnende Satz, der sich der Form nach als Bericht über einen autoritativen Beschluß gibt und diesen Schein, wenn auch vergeblich2, auf das ganze Kapitel übertragen will, darauf hin, daß die Herkunft einer ausgeschriebenen oder sonstwie benutzten Vorlage verhüllt werden sollte. Daß aber dieser Hinweis, der im Sinne Benedikts vielleicht verführen soll3, uns auf den richtigen Weg führt, dürfen wir glauben; denn die in der Rekonstruktion ausgeschiedenen Stücke sind bei schärferem Zusehen mit den Spuren interpolierender Arbeit behaftet.

Bereits die erwähnten Eingangsworte mit dem entsprechenden 'enim' hinter 'Aliter' sind im Verhältnis zum ganzen Text nur haltbar, wenn der erste kurze Satz ('Decretum - coniungatur') lediglich das auf frühere Vorschrif



[1) Die ihrer Herkunft nach nicht nachweisbaren Kapitel, die nicht ohne weiteres als Fälschungen angesprochen werden können, bedürfen einer zusammenfassenden Erörterung. Ein abschließendes Urteil läßt sich lediglich durch Einzelbehandlung nicht gewinnen. Die erforderliche Untersuchung wird auf die Beantwortung der Frage abzustellen sein, ob Benedikt mehrere Kompositionsmanieren handhabte, ob er neben den Mosaikgebilden, die sicher seiner Feder entstammen (doch führte ihm auch hierbei eine bestimmte weitverbreitete Stilgattung seiner Zeit die Hand), gleichsam zum Beweis dafür, daß es auch sonst unbekanntes und ungesammeltes Material gibt, auch Kapitel aus einem Guß in täuschender Nachahmung echten Kapitularien- und sonstigen Stils zu fabrizieren verstand. Diese Feststellung setzt (insbes. nach echten und unechten Bestandteilen differenzierte lexikographische) Hilfsmittel voraus, die nur im Zusammenhang mit Fertigstellung der Edition geschaffen werden können. [2) Wie nicht bezweifelt werden kann. Auch Benedikt hatte offenbar das Bedürfnis, die Autorität, die das Kapitel als Kapitular haben sollte, durch Berufung auf kanonische Überlieferung zu stützen, ebenso wie er andererseits die angebliche kirchliche Satzung kapitularienmäßig sicherstellen will. Er bettet den aller Wahrscheinlichkeit nach echten Kern, seine Vorlage, förmlich in 'ius utrumque' ein! [3) Vgl. oben N. 2. Ob Benedikt bereits damit rechnete, daß sein Kapitel 3, 463 Bestandteil einer zu fälschenden Dekretale werden würde, muß dahingestellt bleiben. Ps.-Isidor läßt Ps.-Evar. natürlich nicht mit 'Decretum est' sondern mit 'Similiter custoditum et traditum' beginnen, nachdem er bereits im Vorspruch darauf hingewiesen hatte, was 'a beatis apostolis nobis traditum aut custoditum remaneret'.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 44]

ten zurückweisende Thema eines nunmehr folgenden Kommentars zu sein vorgeben würde.1 Die Unvereinbarkeit des Stückes 'ut a patribus - invenimus' im 'Aliter' -Satz mit dem Inhalt der folgenden Vorschriften ist bereits besprochen. Auf das Stichwort 'a sacerdote benedicatur' fällt Benedikt mit der Unterstreichung 'sacerdotaliter, ut mos est, cum precibus et oblationibus' ein.2 'Sacerdotaliter . . . a sacerdote' hätte er so wenig wie ein anderer in einem Zuge geschrieben. Seiner Gewohnheit entsprechend verfällt er schließlich in den Ton der Ermahnung mit dem Satz, der die Tobiasnächte in empfehlende Erinnerung bringt. Angesichts der Tatsache, daß Voraussetzung und Form des Abschlusses legitimer Ehe erklärtermaßen das Thema des Kapitels bilden, liegt die Interpolation auf flacher Hand. Das Wiederaufgreifen der Worte dieses Einschubs durch Einfügung von 'et domino placebunt et' in den letzten Satz, überbrückt die Bruchstelle nur notdürftig, die auch im Verhältnis zum Vorhergehenden daran kenntlich ist, daß bezüglich der Eheschließung programmwidrig das Verha1ten der Braut und des Bräutigams nach Eheschluß zum Gegenstand der Erörterung gemacht wird.3

So leicht es demnach4 ist, die als Interpolation aus



[1) Vgl. zu 'Decretum est' und zum Folgenden die Einzelanalyse. [2) Es wäre sehr wohl möglich, käme im übrigen auch für die Kritik auf dasselbe heraus und würde es vermeidbar machen, die Worte 'ut mos est' auf Benedikt zurückzuführen, wenn man ihm nicht das Stück 'sacerdotaliter - oblationibus' sondern die Worte 'cum precibus et oblationibus a sacerdote' zuschreiben würde, so daß seine Vorlage gelautet haben würde 'sacerdotaliter, ut mos est, benedicatur'. [3) Vgl. oben S. 42 N. 1. Es hängt übrigens von der Charakterisierung der Quelle des Kapitels ab, ob man nicht eher anzunehmen hat, daß die Worte 'et domino placebunt et' bereits in der Vorlage enthalten waren und auf die Benediktion zurückwiesen, während sie Benedikt Veranlassung gaben, an die Tobiasnächte zu erinnern. Man würde aber dann auch damit zu rechnen haben, daß der Taliter-Satz nicht zum Bestand der vermuteten Vorlage gehörte, die vom coniugium legitimum handelte; daß dieser Satz dann vielmehr entweder Ben. zum Verfasser hat oder aus einer anderen Quelle geschöpft ist. [4) Innerhalb des selbstverständlich in Anspruch zu nehmenden Spielraums. Vgl. die beiden vorhergehenden Noten (2, 3).



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 45]

geschiedenen Stücke als Arbeit Benedikts zu charakterisieren, so schwer fällt es andererseits, einzelne Teile des übrigen Textes auf ihn zurückzuführen. Als Verfasser einer mit eigenen Mitteln zu bestreitenden Darlegung über Voraussetzung und Form des matrimonium legitimum wäre er z. B. jedenfalls schwerlich darauf verfallen, ausführlich der Werbung zu gedenken1, dafür aber den Konsens der Braut2 und das Brautexamen3 mit Stillschweigen zu übergehen. Auch hätte er kaum eine Ausdrucksweise gewählt, aus der das Erfordernis der Benediktion auch für die erneut heiratenden Witwen hätte gefolgert werden können.

Wenn also der Kern des Kapitels auch nicht Benedikt zum Verfasser hat, so lassen sich doch gewisse Bedenken nicht dagegen unterdrücken, den rekonstruierten Text vermutungsweise als Kapitular oder Konzilskapitel zu bestimmen. Insbesondere erregen Zweifel nach dieser Richtung der lehrhafte Versuch vollständiger Aufzählung der Formalien des Vorganges bei der Eheschließung, das Koordinieren von Bestimmungen, die als Satzung Geltung beanspruchen und solchen, die - wie der Text selber sagt - aufgenommen sind, weil der beschriebene Vorgang der Sitte entspricht, endlich das unbeholfen langatmige Aneinanderreihen aller Glieder der Aufzählung mit 'et', so lange die Ordnungsmäßigkeit des Vorganges beschrieben wird. Dies alles fügt sich nur schwer in das Bild, das wir uns auf Grund des erhaltenen Materials vom Stil der Kapitularien und der Konzilskapitel zu machen vermögen. Daß Werbung um die Frau beim Gewalthaber und beim Schutzherrn, daß Verlobung der künftigen Gattin durch Muntwalt und nächste Verwandte, daß Bestellung einer dos zu ihren Gunsten, daß kirchliche Benediktion der Braut und ihre Übergabe durch Verwandte Voraussetzungen der rechten



[1) Sie entsprach dem gewöhnlichen Verlauf der Ereignisse, gehörte demnach auch zu dessen Schilderung, wäre aber kaum je als Voraussetzung rechter Ehe hervorgehoben worden. [2) Vgl. v. Scherer a. a. O. S. 16f. [3) Vgl. v. Scherer a. a. O. S. 26.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 46]

Ehe sind1, das würden Kapitular und kirchliche Satzung im ganzen wie auch in gewissen Einzelheiten anders ausgedrückt haben, als es in 3, 463 geschieht.2 Schwerlich hätten sie - wie auch Benedikt von sich aus - die Werbung3 und das 'custodire' und 'sociare' durch Brautjungfern als Erfordernis des legitimum coniugium hingestellt.4 Noch weniger annehmbar ist, daß ein Kapitular unterstellt hätte, alle Kinder aus Ehen, die der Eheschließungsform nach nicht legitim seien, entbehrten der Erbfähigkeit.5



[1) Voraussetzungen, für die die Einzelanalyse Sachparallelen aufzählt. [2) Nach der Weise der als Vergleichsgrundlage in Betracht kommenden Gesetzgebung wäre das Erfordernis der Übergabe (Muntübertragung) dem immer wieder bekämpften Raub (vgl. Brunner-v. Schwerin, DRG. II2, 860ff.; Studie VII A, S. 350ff., VIII C, S. 206f.) gegenüberzustellen gewesen. Daß dieses ständige Thema der Satzungen gar nicht erwähnt wird, spricht gegen Herkunft aus autoritativer Rechtsquelle, ebenso wie gegen Verfasserschaft Benedikts. [3) Vgl. oben S. 45 N. 1. [4) Fremd ist die Vorstellung, daß ein Erfordernis rechter Ehe in Frage stehen könnte, auch den wenigen Quellenstellen, in denen 'paranymphae' erwähnt werden. Vgl. das in der Einzelanalyse beigebrachte Material. [5) Mit dieser Unterstellung ist mindestens zu rechnen, wenn die Eigenschaft 'hereditabilis' zu sein, als Vorzug der aus dem coniugium legitimum stammenden Kinder gepriesen wird. Der verwendete Ausdruck schillert in verschiedenen Farben, je nach dem Standpunkt rechtsgeschichtlicher Betrachtung. Von absoluter Erbunfähigkeit als Folge der Rechtlosigkeit (vgl. Brunner-v. Schwerin, DRG. II2, 777) ist gewiß nicht die Rede, vielmehr nur die Unfähigkeit gemeint, den leiblichen Vater zu beerben. Aber auch in dieser Beziehung kommt trotz Zurücksetzung der Kebskinder ein subsidiäres Erbrecht für sie hinter legitimen Kindern, ferner aber die Möglichkeit in Betracht, vom Vater testamentarisch selbst neben legitimen Kindern, wenn auch unter Beschränkungen bedacht zu werden. Das subsidiäre Intestaterbrecht ist, nachdem die diesbezü gliche Gleichberechtigung der Kebskinder sich nicht mehr durchsetzen konnte, auch noch für die Zeit Benedikts geltendes Recht, wie aus Jonas, De inst. laic. II, 2 (Migne 106, 171 A) zu entnehmen: 'Nam et filii, qui ex tali concubitu generati sunt, licet uterque parens liberae sit conditionis, in hereditate tamen cum fratribus ex legitimo matrimonio natis, quod dolendum est, minime iuxta mundanae legis censuram succedere valent.' (Vgl. die grundlegenden Abhandlungen von Brunner, diese Zeitschrift XVII 1896 Germ. Abt. S. 6f., 12 - 31 und XXIII 1902



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 47]

Die Frage, woher die von Benedikt benutzte Vorlage nicht stammt, ist demnach immer noch einigermaßen befriedigend lösbar. Dagegen scheint die positive Bestimmung des in Betracht kommenden Quellenkreises mit den zur Verfügung stehenden Handhaben nicht möglich zu sein: der Text bezeugt offenbar auch bei schärfster kritischer Beleuchtung nicht zuverlässig seine eigene Herkunft.1 Nicht unwahrscheinlich ist m. E. die Provenienz aus einer Quelle, die nicht autoritativ spricht und sprechen kann; möglich auch die Zusammenfügung zweier Vorlagen durch Benedikt, wobei man sich die Aufzählung der Erfordernisse bis zur Benediktion von der Festlegung der Form für die traditio



S. 202-206; weitere Literatur bei Schröder-v.Künßberg, DRG.7, 77 N. 68, 335 N. 187, 350 N. 267 dazu noch H. Meyer, diese Zeitschrift XLVII 1927 Germ. Abt. S. 227.) Andererseits kennen zwar 'lex' (Nov. 22 § 5 Theod. ed. P. M. Meyer, Leges Novellae ad. Theod. pertinentes p. 51, vgl. Brunner, a. a. O. S. 23f.) und 'consuetudo' eine unbeschränkte Testierfreiheit des Vaters zugunsten der nicht in Konkurrenz mit legitimen Kindern stehenden 'non legitimi', aber im Breviar (Cod. Theod. 4, 6, 1. 2 ed. Mommsen p. 176, 178) ist mit und ohne die genannte Konkurrenz nur eine beschränkte Testierfreiheit anerkannt. Und an diese Beschränkung könnte der Verfasser des Taliter-Satzes gedacht haben, als er die durch solche Beschränkungen nicht beeinträchtigten 'filii legitimi' als 'hereditabiles' bezeichnete. Dies sowohl wie die Subsidiarität (d. h. der Ausschluß durch die 'legitimi') im Intestaterbrecht kann im empfehlenden Stil einer privaten Darstellung, die einen tendenziösen aber noch tastenden Ausdruck wählt (vgl. das unmittelbar vorhergehende 'non spurios, sed legitimos!) mit gedacht und empfunden sein, wenn der legitimus als 'hereditabilis' dem non legitimus als besonders bevorzugt gegenübergestellt wird. In der offenen Sprache der Kapitularien wäre eine solche Ausdrucksweise aber durchaus unwahrscheinlich, schon weil der 'non legitimus' nicht als 'non hereditabilis' dem 'legitimus' 'hereditabilis' gegenübergestellt werden kann.
[1) Von einzelnen nie Vollständigkeit anstrebenden Ansätzen, den Hergang der Eheschließung zu erörtern, sind zu nennen Lex Visig. 3, 1, 7 i. f. 8; 3, 2, 8; 3, 4, 2 (MG. LL. Visig. p. 130sq.; 138; 147); Lex Burg. 37, 1. 2 (MG. LL. Burg. p. 155sq.). Ferner ist darauf hinzuweisen, daß die Formulae insbes. in den Arengen Ausführungen bieten, die zum Vergleich herangezogen werden können. Vgl. Form. Marc. 15. 16 (MG. Form. p. 85); Turon. 14 - 16 (l. c. p. 142sq.); Aug. Coll. B. 25 (l. c. p. 358); Sangall. misc. 16 (l. c. p. 387); Extrav. 10 - 12 (l. c. p. 539sqq.).




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 48]

puellae getrennt zu denken haben würde; möglich schließlich aber auch jede andere Form der Bearbeitung.

463a ('Decretum - coniungatur')

Decretum est] Zu Anfang eines Kapitels stehen diese Worte nur noch 1, 391, wo sie ebenfalls von Ben. eingeschoben sind.1 Unecht sind sie auch 3, 234c. 260l. 261g. 431a.2 Ebenso wie die gleichartigen Wendungen kann 'Decretum est' nur Bericht über (oder Hinweis auf) beschlossene Satzung bedeuten, und zwar sowohl in echten3 Quellen wie auch im Sinne des Fälschers. Da sich ein Kapitular nicht selber zu verleugnen pflegt, könnten die Worte 'Decretum est' nur echt sein, wenn nicht nur der erste Satz sondern - was der ganzen Fassung nach offenkundig nicht der Fall ist - auch das übrige Kapitel ein 'decretum' enthielte. In Wahrheit sanktioniert lediglich Benedikt (System des ius utrumque!) durch die Gestalt, die er dem ersten Satz gibt, den Bericht über eine von ihm auf Väter, Apostel und ihre Nachfolger umgefälschte Eheschließungsordnung.

ut - coniungatur4] kehrt anscheinend nirgends sonst wörtlich wieder. Die Fassung ist unverdächtig; vgl. Divisio regnorum 806 c. 12 (MG. Capit. I, 129) und 831 c. 8, (l. c. II, 22): 'legitime fuerint ad coniugium postulatae'; Cap. inc. 814 - 840 c. 1 (l. c. I, 315): 'cui voluerit alteri legitime copuletur'.

463 b ('Aliter - dotetur') Inhalt: Beschreibung des Hergangs der Eheschließung bis zur Wittumsbestellung. Quelle nicht nachweisbar. Bis auf die Angaben über die Mittler der beschriebenen Eheschließungsordnung ist der Text jedoch unverdächtig. Nur gegen die Wendung 'aliter - nisi' als



[1) Vgl. die vier Parallelüberlieferungen in 1, 311. 2, 360. 399. 3, 216. [2) Studie VIII A, S. 419; VIII B, S. 29. 34. - Über ähnliche Wendungen, die Benedikt leicht in die Feder fließen, siehe Studie VIII D, S. 278 N. 6. [3) Vgl. etwa MG. Capit. I, 4 l. 33; 5 l. 21; 276f.; 292; Lex Visig. 3, 5, 5; vgl. noch F. Beyerle, diese Zeitschrift XLIX 1929 Germ. Abt. S. 275f. [4) Zur handschriftlichen Überlieferung siehe oben S. 41 N. 2.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 49]

Unterstreichungsphrase könnten Bedenken geltend gemacht werden.1

ut a patribus accepimus et a sanctis apostolis eorumque successoribus traditum invenimus] Zur Sache vgl. oben S. 40 mit den im folgenden hervorgehobenen Belegstellen. Die Wendung selber scheint entstanden zu sein durch Kontamination von Reminiszenzen aus der Relatio episc. 829 c. 92) (MG. Capit. II, 32 l. 23sq.: 'quod autem solis apostolis eorumque successoribus proprii sit officii . . .') und aus der Bibel (Matth. 11, 27 = Luc. 10, 22: 'Omnia mihi tradita sunt a Patre meo'; Act. 20, 24: ' . . . et ministerium verbi, quod accepi a Domino Jesu'; 1. Cor. 11, 23: 'Ego enim accepi a Domino quod et tradidi vobis'; 15, 3: 'Tradidi enim vobis in primis quod et accepi'; 2. Thess. 3, 6: 'secundum traditionem, quam acceperunt a nobis'.) Ps.- Isidor verwendet nicht nur häufig die angeführten Worte der Relatio; es bezeugen darüber hinaus Gebilde wie 'sicut a beatis apostolis et a reliquis sanctis patribus et a successoribus eorum accepimus' 3, daß man sich nicht in erheblichem Abstand von der Wahrheit bewegt, wenn man Benedikt für den Verfasser unseres Satzes hält. Verwandt ist auch die Art, in der er 3, 155 einen echten Text durch das Initium 'Statutum est in synodis a sanctis patribus' ergänzt.4

(ab his) qui super ipsam feminam dominationem habere



[1) Vgl. oben S. 42. In diesem Fall mußte Benedikt den Anfang der Vorlage umgearbeitet haben, der gelautet haben konnte: 'Legitimum fit coniugium cum . . .'. Als Modell hätten 3, 54. 56 (Studie VIII A, S. 340; vgl. auch 3, 431k) dienen können. [2) = Conc. Paris. 829 Lib. I. c. 27 (MG. Conc. II, 629 l. 33 sq.). Übernommen ist diese Stelle von Benedikt in 1, 320 und 3, 98.
[3) Ps. Alex. 6 (ed. Hinschius p. 97). Vgl. ferner Ps. Anacl. 33 (l. c. 83); Ps. Evar. 1 (l. c. 87): 'aut quid a beatis apostolis nobis traditum aut custoditum remaneret'; 4 (l. c. 90): 'sicut et a patribus accepimus'; Ps.- Alex. 7 (l. c. 98); 9 (l. c. 99): 'ut a patribus accepimus'; Ps.-Telesph. (l. c. 109); Ps.-Eleuth. 2 (l. c. 125): 'sicut ab apostolis eorumque successoribus . . . definitum est'. [4) Studie VIII A, S. 383. Vgl. ferner 2, 121: 'a nescientibus sanctorum patrum et maxime apostolicorum decreta' und Conc. Aquisgr. 816 c. 116 (MG. Conc. II, 398): 'sicut a sanctis patribus traditur'.


[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 50]

videntur] Eine gleichlautende oder auch nur nah verwandte Bezeichnung für den Gewalthaber der Frau begegnet anscheinend nirgends. Am nächsten steht wohl die langobardische Terminologie; vgl. insbes. Ed. Rothari c. 215 (MG. LL. IV p. 52): 'qui mundium eius in potestatem habere videtur'.1 Wo sonst die2 Verfügungsgewalt über die Hand der Frau in Frage steht, werden die Inhaber individuell oder allgemein (kollektiv) benannt. - Der Gebrauch von 'dominatio' könnte durch Gen. 3, 16 ('et sub viri potestate eris, et ipse dominabitur tui') veranlaßt sein.3

et a quibus custoditur] Auch für diese Worte fehlt es an Parallelen. Sind sie der Sache nach nicht bloße Wiederholung des bereits Gesagten, so wird man zu vermuten haben, daß sie im Gegensatz zu der kraft Verwandtschaft zustehenden Munt die besondere Schutzherrschaft des Königs oder der Kirche meinen.4 Den Gebrauch des Wortes 'custodia' in diesem Zusammenhang bezeugt Hincmar in den An



[1) Ähnlich Pactus Alam. III. 3 (MG. Leges V 1, ed. Lehmann p. 24): 'et de mondo (? ed. Merkel. 'mundo') suo non habeat potestatem'. [2) Nicht nur durch tatsächliche Beachtung des Willens der Frau bereits abgeschwächte. [3) Vgl. hierzu Lex Visig. 4, 2, 5 (ed. Zeumer p. 183): 'sed vir, qui uxorem suam secundum sanctam scripturam habet in potestate'. - 'dominatio' im Sinn von Schutzherrschaft begegnet selten; so könnte das Wort aufzufassen sein in Pippini Italiae reg. cap. c. 1 (MG. Capit. I, 191): 'Ut ecclesias baptismales . . . et . . . talem inibi habeant dominationem' (dazu Stutz, Kirchl. Benefizialwesen I, 225 N. 46) und in der merkwürdigen Zusammenstellung 'sed sub suo mundeburdo vel sub sua tantummodo tuitione vel dominatione permanerent' in Aldrici ep. Cenomannici memoriale (MG. Conc. II, 837 l. 1 sq.). [4) Zur Schutzherrschaft der Kirche über Witwen vgl. insbes. Conc. Remense 813 c. 34 (MG. Conc. II, 256): 'Ut viduae . . . sed secundum apostolum sub potestate episcopi vivant, sicut decet'; aus der Literatur Brunner-v. Schwerin, DRG. II2, 72, Köstler, diese Zeitschrift XXIX 1908 Germ. Abt. S. 106f. - Es ist denkbar, daß dem Verfasser Fälle vorgeschwebt haben, in denen sich die Frau nicht im Gewahrsam ihres Gewalthabers befand, sondern mit dessen Einverständnis dauernd bei anderen Verwandten in Pflege war. Mit Sicherheit vermag ich jedoch eine solche Sachlage aus den Quellen nicht zu belegen. Vgl. etwa Gregor von Tours, Historia Francorum 10, 16 (MG. Script. rer. merov. I, 428 l. 11/12. 21).



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 51]

nales Bertin. a. 862 (MG. SS. I, 456): 'sub tuitione paterna et regia atque episcopali custodia servabatur'. Quelle des Sprachgebrauchs ist Con. Afric. c. 11 (Dion.-Hadr. ed. 1609 p. 2141) 'Ut virgines sacrae, cum a parentibus a quibus custodiebantur, privatae fuerint, ab episcopo custodiantur. Ubi . . . invicem se custodiant', auf welches Kapitel auch Conc. Francof. 794 c. 40 (MG. Conc. II., 170) hinweist. - Zur Sache ist folgendes zu sagen. Ist unser Satz in den eben besprochenen beiden Bestandteilen echt, und will er nicht nur Beschreibung des üblichen Hergangs bei der Werbung sein, so muß seine besondere rechtliche Bedeutung in der Betonung des Umstandes liegen, daß die Werbung beim Gewalthaber und bei denjenigen, von denen die Frau behütet und beschützt wird, zu erfolgen hat. Das kann einen guten, in den Quellen allerdings m. W. sonst nicht nachweisbaren Sinn haben, wenn entweder neben der Schutzherrschaft die durch sie abgeschwächte 'dominatio' weiterbesteht2, oder wenn der Gewalthaber die Frau anderen Verwandten auf Dauer anvertraut hat.3

uxor petatur] Diese Bezeichnung für die Werbung ist unverfänglich. Ein Vorbild, das Benedikt benutzt haben könnte, vermag ich ebensowenig wie für die vorausgehenden Satzteile namhaft zu machen. Vgl. als Parallelen Divisio regnorum c. 12, 17 (MG. Capit. I, 129): 'legitime fuerint ad coniugium postulatae'; 'a condigno viro ad coniugium fuerit quaesita . . . si et viri postulantis et feminae consentientis honesta et rationabilis fuerit voluntas'; insbes. die Lex Visig., in der die Werbung des öfteren 'petitio'4, der Brautwerber 'petitor'5 genannt werden; vgl. auch dort 3, 1, 5 (MG. LL. Visig. p. 127): 'uxorem sibi elegerit expetendam'.6



[1) In abweichender Fassung = Conc. Carth. III. 397 c. 33 (Migne 84, 193). [2) Ob mitunter nur faktisch oder auch rechtlich ist mit unseren Mitteln nicht mit Sicherheit festzustellen; vgl. lex Rib. 35, 3. [3) Vgl. oben S. 50 N. 4. [4) 3, 1, 1 (l. c. 122 l. 5); 3, 1, 7 (l. c. 130 l. 21). [5) 3, 1, 7 (l. c. 130 l. 22. 23). 8 (l. c. 131 l. 2). [6) Vgl. auch Form. Sangall. 16 (MG. Form., 387 l. 2f.).



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 52]

Zur Sprache kommen die Vorgänge, die sich bei der Werbung abspielen m. W. ebenfalls nur in der Lex. Visig.: 3, 1, 7 i. f.; 8; 3, 2, 8 (l. c. p. 130sq., 138).

et a parentibus propinquioribus sponsetur] Der Sprachgebrauch dieser Stelle gewinnt dadurch an Interesse, daß 'propinqui parentes'1, die hier als die legitimen Verlober auftreten2, abgesehen von langobardischen Gesetzen3 m. W. nur in der Lex Visig. vorkommen u. z. ebenfalls im Zusammenhang mit dem aus der Munt fließenden Verlobungsrecht; vgl. Lex Visig. (Erv.) 3, 1, 2 (l. c. p. 122): 'Si quis puellam cum voluntate patris aut aliorum propinquorum parentum, quibus ex lege huiusmodi potestas tribuitur sponsatam habuerit'. - Daß die Person, bei der um die Frau geworben werden muß, individuell bezeichnet wird, das Verlobungsrecht dagegen anscheinend 'propinquioribus parentibus' kollektiv zustehen soll, ist unverdächtig, da nach dem Sprachgebrauch der Quellen regelmäßig 'parentes' als Verlober auftreten, die Werbung hingegen als der erste Schritt meist einer Einzelperson gegenüber erfolgen wird. Vgl. hierzu Lex Visig. 3, 1, 7 i. f. (l. c.) und Form. Sangall. 16. (S. 51 N. 6.) - Das Maß der Verselbständigung des Gewalthabervorrechts im Verhältnis zu dem Kreis der nächsten Verwandten kann nicht als Kriterium für die zeitliche Fixierung unserer Bestimmung verwendet werden; denn unser Kapitel enthält sich in dieser Beziehung mit den meisten Quellenstellen einer präzisen Formulierung.4 - Wenn Bene



[1) Ebenso wie 'proximi parentes'. 'Parentes et (vel) propinqui' ist natürlich häufig. [2) Über die Sippe als Inhaberin der Munt vgl. Brunner, DRG. I2, 124f. [3) Luitpr. 14. 22. 32 - 34. 73. 75. 105.135. 136; 'proximi parentes' auch im Ed. Rothari 182. 191. Vgl. auch Lex Rom. Raet. Cur. 3, 7, 2 (MG. LL. V, 332 l. 20). [4) Für die eingetretene Abschwächung der Rechte des Gewalthabers wird auf Decretum Compend. c. 6 (MG. Capit. I, 38) verwiesen (vgl. Brunner, DRG. I2, 96 N. 20). Ähnlich vielleicht der uns überlieferte Zustand des westgotischen Rechts: Lex Visig. (Recces.) 3, 1, 2 verglichen mit den interessanten Interpolationen der Stelle in der Ervigiana (l. c. 122sq.), wo auch der Gebrauch von 'parentes' als Gewalt-



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 53]

dikt Väter und Apostel als Autoritäten für den Inhalt seines Kapitels nennt, so mag er für die 'desponsatio' an Matth. 1, 18; Luc. 1, 27 gedacht haben.

et legibus dotetur] Dem Sprachgebrauch auch der Kapitularien würde sich diese Wendung gut einfügen, trotzdem sie sich sonst m. W. nicht belegen läßt.1 Über die dos als Erfordernis des matrimonium legitimum vgl. Brunner, Die fränkisch-romanische dos S. 552f.2 - Patres und Nachfolger der Apostel, auf die das 'legibus dotare' zurückgeführt werden konnte, sind aus Benedikt selber zu belegen: (Ps.)-Augustin spricht in 3, 1793, Leo I in 3, 1054 davon, daß die uxor legitima auch 'dotata legitime' sein müsse.

3, 463c ('et suo tempore - benedicatur') Vgl. oben S. 44 mit N. 2 über wahrscheinliche Verunechtung dieses Stückes. Daß der Brautsegen zwischen abgeschlossenem Verlöbnis samt Dosbestellung und der Schilderung der Trauung der Zeit nach unbestimmt bleibt, hat v. Scherer5 zutreffend beobachtet. Man kann der sich ergebenden Schwierigkeit entgehen, wenn man sich den Satz in seiner ursprünglichen Fassung mit dem Vorhergehenden zu einer gegenüber dein Folgenden verschiedenen Vorlage verbunden denkt. Nach örtlich wechselndem Brauch mag indes der Brautsegen weder mit der Verlobung noch mit der Trauung verbunden worden sein. Der Zeitbestimmung



haber und 'parentes' als Verwandte infolge der Interpolation unvermittelt nebeneinander steht. - Über die Stellung der 'parentes' vgl. die im Text erwähnten Stücke der Lex Visig. [1) Vgl. als nächste Parallelen etwa 'legibus sponsare' in den Form. Turon. 15. App. 2. 3 (MG. Form. 143 l. 16; 164 l. 1. 25); Form. Extrav. 9. 10 (l. c. 539 l. 1. 27); Form. Augien. Coll. B. 25 (l. c 358 1. 161sq.): 'in legitimum coniugium suscepi, idcirco tibi dotem legitimum decrevi'; Lex Visig. 3, 1, 9 (l. c. 132): 'legitime in dote conscripserit'. [
2) Berlin. SB. 1894 = Abhandlungen zur RG. II, 88f. Neuerdings dazu Lemaire a. (oben S. 40 N. 3) a. O. S. 415 - 424. [3) Vgl. Studie VIII A, S. 394. Benedikt selber sagt 3, 179 unmittelbar vorher: 'eam sponsare et legitime dotare debet'. [4) Vgl. Studie VIII A, S. 348. 394 N. 5. [5) Eherecht bei Benedictus Levita und Pseudoisidor S. 19 (§ 20).




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 54]

suo tempore] ist nichts abzugewinnen. Sie kommt auch 2, 381d vor1 und kann dort die kanonischen Synodaltermine bedeuten.2 Dementsprechend wäre hier der nach dem Herkommen für den Brautsegen vorgesehene Zeitpunkt gemeint; die Festlegung der Verbindung mit Verlobung oder Trauung mag hierdurch absichtlich vermieden worden sein.3

sacerdotaliter] Eine Parallele für den Gebrauch dieses seltenen Adverbs vermag ich nicht beizubringen.

ut mos est] Vgl. 3, 279 (= Conc. Turon. 567 c. 4). Weitere Parallelen etwa Cap. cum ep. lang. deliberatum 780/90 c. 9 (MG. Capit. I, 189): 'sicut mos vel sacra consuetudo esse dinoscitur'; Conc. Paris. 829 c. 26 (MG. Conc. II., 629 l. 7): 'sicut mos canonicus docet'; Conc. Aquisgr. 836 c. 29 (5) (l. c. 712 l. 12): non ut mos est gentilium, sed sicut Christianorum.

cum precibus et oblationibus] ist dem Sinn nach anderer Ausdruck für die von Benedikt in gleichem Zusammenhang 3, 179 fin. 389b gebrauchte Wendung: 'sicut in sacramentario continetur'.4 Zur Sache vgl. v. Scherer a. a. O. § 22. Eine Parallele ist mir nicht gegenwärtig.5

benedicatur] Daß die Benediktion der (jungfräulichen) Braut zur Eheschließung gehört, wird nicht nur von Benedikt oft6 eingeschärft (vgl. 2, 130 insoweit = 327 = 408;



[1) Ein Stück, das wahrscheinlich aus Benedikts Feder stammt; vgl. Studie VII C, S. 492. [2) So Barion, Das fränkisch-deutsche Synodalrecht des Mittelalters S. 345 N. 57. [3) Benedikt kennt die Benediktion sowohl der Verlobung wie der Trauung; vgl. 3,179 in. und fin. und dazu v. Scherer a. a. O. § 21, wo S. 20 N. 1 ebenso wie bei Loening, KR. II, 601f. näheres über Einsegnung bei Verlöbnis und bei Hochzeit. Wenn jedoch Scherer 'suo tempore' im Gegensatz zu 'tempore congruo' (unten d) als den Zeitpunkt aufzufassen vorschlägt, in dem nach dem Willen der Parteien das Verlöbnis in die Ehe übergeht, so wird dies schwerlich zu billigen sein. [4) Vgl. auch 3, 202. [5) 'Preces' und Meßopfer kommen freilich bei Benedikt wie auch sonst oft vor. [6) Wenn auch bis auf 3, 179 und 3, 389b den Vorlagen folgend.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 55]

3, 179. 389; Add. IV. 2), sondern ist auch aus dem Dekretalenrecht mehrfach zu belegen, so daß nach dieser Richtung die Zurückführung des Kapitelinhalts auf die successores Apostolorum zutrifft. Vgl. Siricius Himerio Tar. ep. (c. 4. Dion.-Hadr. ed. 1609 p. 316): 'quia illa benedictio, quam nupturae sacerdos imponit'; Innoc. I. Victricio ep. Rot. (c. 13 1. c. p. 341f.): 'cum parentes humani generis coniungerentur, et ab ipso sint domino benedicti1 . . . cum benedictio, quae per sacerdotem super nubentes imponitur . . . forman tenuisse legis a Deo antiquitus institutae doceatur'; c. 17: 'uxorem omnino habere non poterit, quia nec benedici cum sponsa potest iam ante corruptus'. An Konzilsväter d. h. 'patres' als Autoritäten für die Notwendigkeit der Benediktion kann Benedikt im Hinblick auf c. 13 der weit verbreiteten, als Conc. Carth. IV kursierenden2 Statuta ecclesiae antiqua gedacht haben, wo es heißt: Sponsus et sponsa cum benedicendi sunt a sacerdote . . . qui cum benedictionem acceperint'.3 - Die Einsegnung der Ehe ist aber auch den Kapitularien bekannt; vgl. Cap. miss. gen. 802 c. 35 (MG. Capit. I, 98): 'presbyteri cum senioribus . . . consanguinitatem . . . exquirant; et tunc cum benedictionem iungantur'.4



[1) Gen. 5, 2. - Vgl. auch Innoc. I. Rufo et Eusebio . . . (c. 52 l. c. p. 377): 'qui ut crimina committerentur in paradiso, cum ipse eos iungeret, benedixit'. [2) Vgl. Maassen, Geschichte I, 382 - 394.
3) Zu erwähnen ist auch die Glosse zu c. 10 Conc. Ancyr. bei Maassen, Glossen des can. Rechts aus dem karolingischen Zeitalter (SB. der Wiener Akademie 1876 Bd. 84, 265): 'De his constat dictum maxime, qui per benedictionem sacerdotalem junguntur . . . Sive (!) de his, quae disponsantur a parentibus et propinquis'. - Vgl. auch Syn. Papiensis 850 c. 9. 10 (MG. Capit. II., 119) und c. 13 der von Werminghoff NA. 27 (1901) S. 580ff. edierten Capitula: 'Quodsi nulla carnis afinitate copulantur, tunc cum benedictione sacerdotis accipiat homo uxorem . . .' [4) Dem oben S. 46 N. 5 mitgeteilten Ausspruch geht bei Jonas, De inst. laic. II., 2 (a. a. O.) folgender Satz voraus: 'Unde etenim damnanda consuetudo inolevit, ut perraro sponsus et sponsa in missarum celebratione, secundum praemissum ordinem, benedicantur.' Da nunmehr, mit 'Nam et' eingeleitet, die Darlegung über erbrechtliche Zu-




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 56]

3, 463d ('et a paranymphis - accipiatur') Enthält die Beschreibung der Trauung d. h. der Übergabe der verlobten Frau.

et a paranymphis, ut consuetudo docet, custodita et sociata] Über das Geleite der Braut bei der Traditio an ihren Eheherrn sind wir nur spärlich unterrichtet.1 Erwähnt werden paranymphi (d. h. hier Freunde des Bräutigams, die die Braut holen) in der 3, 179 aufgenommenen Ps.-Augustinstelle: 'et a parentibus tradita et a sponso et paranymphis eius accipienda'; in dem oben in c. 13 der Statuta eccl. ant.2 ausgelassenen Stück: 'a parentibus suis vel a paranymphis offerantur'; schließlich in einem Gesetz Aistulfs aus dem Jahre 755 (MG. LL. IV, 201): 'Pervenit ad nos, quod dum quidam hominis ad suscipiendum sponsam cuiusdem sponsi cum paranimpha et troctingis ambularent . . .'. - Vom Geleit der Frau durch die Verwandten bei der Übergabe an den Mann spricht die Lex Baiuw. 8, 83): 'quia nondum sponsata nec a parentibus sociata'. - 'Für custodita' scheint eine besondere Bedeutung neben 'sociata' nicht feststellbar zu sein4; jedenfalls soll es nach unserer Stelle damit so gehalten werden, 'ut consuetudo docet'.5



rücksetzung 'iuxta mundanae legis censuram' der 'ex tali concubitu generati' folgt, muß angenommen werden, daß nach einem nicht erhaltenen fränkischen Kapitular kirchliche Einsegnung der Ehe zur Voraussetzung ihrer Legitimität erhoben worden war. Ob man allerdings der Präzision in der Ausdrucksweise des Jonas nicht zu viel zumutet (wovon v. Scherer a. a. O. S. 24 N. 2 offenbar ausgeht), wenn man annimmt, daß 'ex tali concubitu' sich nur auf die nicht benedizierte Ehe beziehen könne, mag dahingestellt bleiben. [1) Vgl. Brunner, DRG. I2, 96, 98 mit N. 39. [2) Die also auch hier mögliche Grundlage der Berufung Benedikts auf die 'patres' sind. [3) MG. LL. III. ed. Merkel p. 299. 346. 407; ed. v. Schwind p. 357. [4) Anhaltspunkte könnte ein Zustand abgeben, wie er von Brunner, DRG. I2, 96 N. 18 (dazu auch 98 N. 39) für die Langobarden erörtert wird.
5) Parallelen für die Berufung auf die 'consuetudo' lassen sich in großer Zahl beibringen. Vgl. etwa Lex Visig. 3, 4, 2 (l. c. p. 147): 'et, sicut consuetudo est, ante testes factum placitum de futuro coniugio'; ferner das oben S. 54 zu 'mos est' angeführte Kapitular; MG. Capit.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 57]

a proximisque tempore congruo petita legibus detur]

Auch für dieses Stück läßt sich ein Vorbild nicht namhaft machen, obschon jede einzelne der gebrauchten Wendungen dem in Betracht kommenden Quellenkreis geläufig ist. Allerdings auch dies mit einer Ausnahme betreffs des (unverfänglichen) Gebrauchs von 'petere' im Sinne von 'Übergabe der Verloben verlangen', aber sonach doch nur für einen in den Quellen selten gestreiften1, m. W. nie ausdrücklich behandelten Tatbestand.2 Daß die proximi3 - an ihrer Spitze der die Munt übertragende Gewalthaber - die verlobte Frau demjenigen, dem sie verlobt war, zu geben ('detur')4 rechtlich verpflichtet sind ('legibus'), ist gemeingermanisch rechtens.



I, 10 l. 20; 144 l. 22; 192 l. 6; 307 l. 12; die a. a. O. angeführte Stelle aus MG. Conc. II., 629 l. 7 und im übrigen den Index daselbst. [1) Vgl. Lex Visig. 3, 1, 3 (Chind.). 4 (Recces.) med. (MG. LL. Visig. p. 124sq.); Ed. Roth. 178. Luitpr. 119 (MG. LL. IV, 41. 156); Lex Rom. Raet. Cur. 3, 5, 4 (MG. LL. V, 330). [2) Wenn dieses Begehren 'congruo tempore' zu stellen ist, so wird man diese Maßgabe mangels anderer Anhaltspunkte auf Bestimmungen beziehen können, die ähnlich dem für Westgoten und Langobarden bezeugten, vermutlich auf römisches Recht zurückgehenden Rechtszustand (vgl. vorige N.) den Gewalthaber der Braut nur bestimmte Zeit an den Verlobungsvertrag binden. Noch näher liegt es vielleicht daran zu denken, daß die proximi, die bei der traditio mitzuwirken berufen sind, nur zu passenden Zeiten zusammengebracht werden können. Diese Vermutung findet eine Stütze in dem auch von Opet in der Festschrift für Gierke (1911) S. 250 N. 1 herangezogenen Bericht Fredegars III. 18 (MG. SS. rer. merov. II, 100 l. 10sqq.) wo es heißt: 'Legati offerentes solido et dinario, ut mos erst Francorum, eam partibus Chlodovei sponsant, placitum ad presens petentes, ut ipsam ad coniugium traderit Glodoveo. Nulla stante mora inito placito, Cabylonno nupcii preparantur'. - Zu 'congruo tempore' vgl. z. B. Ordinatio imperii 817 c. 4 fin. (MG. Capit. I, 271), Relatio episc. 829 c. 8 (l. c. II, 32). 61 (l. c. 51); Conc. Rom. 743 forma minor c. 11 (MG. Conc. II, 32 cf. 17); Conc. Aquisgr. 816 Ep. Hlud. (l. c. 459 l. 6). Gebraucht wird 'congruum tempus' regelmäßig im Sinne von passend, gelegen. So auch 2, 96 (ein auch sonst mit 3, 463 verwandtes Stück): 'et proximis suis alio viro tempore congruo . . . nuptura legibusque acceptura reddatur'. [3) Häufig im Sinne der Nächstberechtigten; vgl. Indices ad h. v. in MG. Capit. II., Conc. II., Lex Visig., Lex Burg. und Formulae. [
4) In der hier verwendeten Bedeutung oft nachweisbar. Vgl. etwa




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 58]

et sollemniter accipiatur] Diese Redewendung ist für die Entgegennahme der Braut - meist als Rechtspflicht desjenigen, der sie sich verlobt hatte, ausgebildet - anderwärts nicht nachweisbar; doch wird feierliche Form für solche Handlung als wahrscheinlich gelten können. 'Accipere' allein ist in dem angegebenen Sinn kapitularienmäßig.1 Vgl. S. 57 N. 4, auß erdem z. B. Cap. legi Salicae add. c. 8 (MG. Capit. I, 293): 'qui viduam in coniugium accipere vult . . . ut non ita sicut in lege Salica scriptum est eam accipiat'; aus den Volksrechten Lex Rib. 35, 3 und 58, 10. 112; schließlich als besonders charakteristisch Extrav. zur Lex Salica3: 'Si quis filiam alienam sponsaverit et se retraxerit et eam noluerit prindere'.4 - Bei Ben. selber ist zu vergleichen 2, 965 'cum parentum eius voluntate . . . ipsam accipere . . . potuerit, . . . nuptura legibusque acceptura reddatur'; 3, 389 'cum benedictione sacerdotis, sicut in sacramentario continetur, accipere'; 395 'nuptialiter cum consensu parentum suorum acceperint . . . canonice et legaliter eam accipiat'.

3, 463 e ('Et biduo - placeant') Über den interpolatorischen Charakter dieses Stückes vgl. oben S. 44. Zu ergänzen ist das dort Gesagte durch die Beobachtung, daß die zweite Hälfte des Stückes (von 'ut boni soboles' an) den Gedankengang von 3, 463f in umgekehrter Reihenfolge widerspiegelt, demnach zum Zwecke der Unterstreichung aller Wahrscheinlichkeit aus dem folgenden herausgespon



Decr. Comp. c. 6 (= 1, 19; MG. Capit. I, 38) 'si quis Francam filiastram suam contra voluntatem ipsius et matris et parentum dederit viro'; Divisio regnorum 806 c. 12 (l. c. 126): 'liceat eas vicissim dare et accipere'; Lex Visig. (Recces,) 3, 1, 2 (MG. LL. Visig. p. 122): 'ut illi non detur, cui a patre fuerit pacta'.
1) Häufig in den Formelsammlungen; vgl. MG. Formulae, Index s. v. accipere. - Sehr viel seltener ist 'maritum accipere'. [2) MG. LL. V, 228. 246. [3) Ed. Behrend2 (1897) p. 163. [4) Überliefert ist z. T. statt 'prindere' 'accipere' (a. a. O. N. 5). [6) Kapitel zweifelhafter Herkunft, möglicherweise echt; vgl. Studie VII A, S. 350f.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 59]

nen ist. Die Interpolation mag in der ersten Hälfte (bis 'custodiant') auf Jonas, De inst. laic. II., 21, als entferntes Vorbild oder unbewußte Reminiszenz zurückgehen. Dort wird nach einem Ambrosiuszitat2, das die auch in 3, 463e und f geäußerten Gedanken vertritt, durch einen eigenen Satz eingeleitet, Tob. 6, 17 wiedergegeben; dann schließt sich ein mit 'Si qui forte sunt qui in accipiendis caste uxoribus' beginnender Satz an. Das Stück aus Tob. 6, 18, an das sich

(et biduo) vel triduo orationibus vacent et castitatem custodiant] anlehnt, lautet: 'per tres dies continens esto ab ea, et nihil aliud, nisi orationibus vacabis cum ea'. - Auch für die Worte

ut boni soboles generentur] ist letztlich Tob. 6, 21: 'Tertia autem nocte, benedictionem consequeris, ut filii ex vobis procreentur incolumes' von Einfluß gewesen. Geformt ist der Satz jedoch unabhängig davon, möglicherweise unter Einwirkung des Schlußsatzes von 3, 179: 'ut boni ex eis filii . . . procreentur' und der Worte 'male conceptas soboles in peccatis genuerunt' aus dem in Add. IV. 160d eingefügten Stück der ep. Bonifatii ad Aethelbaldum (MG. Epist. III, 343 l. 10/11)

et Domino suis in actibus placeant] unmittelbar oder mittelbar unter Einwirkung der Bibel, wo 'Deo placere' und ähnliche Wendungen häufig sind; z. B. Ps. 55, 13 'ut placeam coram Deo'; Eccli. 48, 18 'fecerunt quod placeret Deo'; Rom. 8, 8 'Deo placere non possunt' usw. Doch sind ähnliche Reminiszenzen auch den echten Kapitularien nicht fremd.3



[1) Migne 106, 171 A. [2) Es folgt unmittelbar auf das oben S. 46 N. 5 wiedergegebene Stück: 'De qua re beatus Ambrosius . . . . (De Abr. 1, 3, § 19 Migne 14, 427f.): 'Discant ergo homines . . . nec sibi sociare impares, ne huiusmodi suscipiant liberos, quos heredes habere non possint; ut vel transfundendae hereditatis contemplatione . . . digno studeant matrimonio.' Audiant igitur . . . .'. [3) Vgl. Conc. Vern. 755 c. 3 (MG. Capit. I, 33); Admon. gen. 789 c. 62 (l. c. 58); Karoli ep. de litteris colendis 780 - 800 (l. c. 79); Cap.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 60]

3, 463f ('Taliter' bis Schluß) Über das Verhältnis zum Vorausgehenden vgl. oben S. 44, 58. Das Wort 'Taliter' leitet einen Satz ein, der Legitimität und Erbfähigkeit der Kinder ausspricht, wenn die Ehe, aus der sie stammen, in der vorher beschriebenen Art abgeschlossen war. Mit dieser Art der Ehebegründung kann jedoch mindestens nicht in einem Kapitular, aber auch sonst schwerlich die Einhaltung der Tobiasnächte gemeint sein1, von der aber soeben die Rede gewesen war. Es liegt demnach auf der Hand, daß sich 'Taliter' ursprünglich nicht auf den unmittelbar vorhergehenden Satz (e) bezogen haben kann.

Domino placebunt] vgl. oben e und S. 44 N. 3.

filios . . . legitimos . . . generabunt] ist wörtlich so in der Ep. Aegid. Brev. Cod. Theod. 3, 7, 3. (ed. Haen. p. 82) zu lesen: 'Si duae aequales personae ex consensu se coniunxerint publice amicis praesentibus filios legitimos generabunt.' Daß das coniugium legitimum - mag es sich um dessen materielle oder Formerfordernisse handeln - Voraussetzung der Legitimität der Kinder und ihres Erbrechtes ist, wird oft zum Ausdruck gebracht. Vgl. Nov. Major. 6 § 9 fin.2 (ed. P. M. Meyer p. 166): 'ita ut nec matrimonium iudicetur nec legitimi ex his filii procreentur'; Brev. Cod. Theod. 3, 12, 1 (2) (ed. Haenel p. 90; ed. Mommsen p. 150sq.): 'nec aestiment posse legitimos liberos ex hoc consortio procreari: nam spurios . . . qui nascentur'; 3, 12, 3 (4) (ed. Haenel p. 90; ed. Mommsen p. 152sq.): 'ex hoc con



miss. item spec. 802? c. 13 (l. c. 103); Relatio episc. 829 c. 1 (l. c. II, 28); Regni divisio 831 c. 13 (l. c. 23). [1) Trotz der angeführten Stelle aus Jonas. [2) Ihr folgend auch Lex rom. Burg. 37,2 (MG. LL. Burg. p. 155sq.) vielleicht mit einem entfernten Anklang an Leo I ad Rust. (c. 18 Dion.- Hadr. ed. 1609 p. 456), der in dem allerdings in anderem Sinn gebrauchten Wort 'honestate' liegt, weshalb die Verwandtschaft mit Lemaire a. a. O. S. 418f. besser auf unmittelbare Einwirkung von Brev. Cod. Theod. 3, 7, 3 zurückzuführen sein wird. - Über die entwicklungsgeschichtliche Bedeutung der Novelle Majorians (die Lemaire Benedict S. 416ff. wenig überzeugend auszuschalten sucht) für die Dosbestellung als Voraussetzung des coniugium legitimum vgl. die oben S. 53 erwähnte Abhandlung Brunners über 'Die fränkisch-romanische dos'.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 61]

tubernio nec filii legitimi habebuntur . . . nec paternam ut sui suscipient hereditatem'; Interpr. (l. c.): 'et filii, qui exinde fuerint procreati, et successione excluduntur nec inter filios habebuntur'1; Interpr. Brev. Cod. Theod. 3, 12, 2 (3) (l. c.): 'si filios habuerint, non habeantur heredes legitimi nec heredes'2; ferner aus anderem Quellenkreis Innoc. I Rufo et Eusebio (c. 52 Dion.-Hadr. ed. 1609 p. 377): 'numquid non erunt admittendi in hereditatis consortio, qui ex ea suscepti sunt . . . eruntque appellandi vel naturales vel spurii, quia non est legitimum matrimonium' und c. 16 der northumbrischen Synode v. 7863): 'Decreto abdicitur filiis meretricum legitima hereditas . . . Idcirco imperavimus apostolicis verbis4, ut . . . unusquisque laicus suam uxorem legitimam habeat . . . ut secundum Dominum inde heredes legitimos habeat'. - Das Wort 'hereditabilis' scheint eine Neubildung Benedikts oder seiner Vorlage zu sein; den gangbaren lexikographischen Hilfsmitteln ist es unbekannt, aber auch mit Hilfe des Thesaurus-Archivs5 nirgends nachweisbar. J.] 3, 464 - 474 aus den Rubriken, 3, 476 aus dem Text

der Hisp. cod. Augustodunensis6, Conc. Tolet.



[1) Damit soll (vgl. Brev. Cod. Theod. 3, 12, 2 (3)) dem inzestuosen Kinde jede Möglichkeit versperrt werden, die Eltern zu beerben. Anders in diesem Fall die Lex Visig. 3, 5, 2 (MG. LL. Visig. 160sq.). Um wie viel mehr muß das Westgotenrecht das Erbrecht der Kinder anerkannt haben, die aus einer nicht vollwirksamen Ehe stammten. [2) Verwendet Lex Salica 13 Add. 2: 'si filiis habuerint non habeantur legitimi heredes'. [3) MG. Epist. IV, 25 l. 29sq. Vgl. Brunner, diese Zeitschrift XXIII 1902 Germ. Abt. S. 203. [4) Vorher war Gal. 4, 30 in einer durch Rom. 6, 16 vermittelten Interpretation erörtert worden. [5)Nach freundlicher Mitteilung von Herrn Prof. Dittmann. J.]
6) [Ein Vergleich mit der Hisp. Gallica, wie sie uns im Cod. Vindob. 411 erhalten ist, ergibt, daß unsere Hispanarubriken-Reihe nicht notwendig auf die Augustodunensis, sondern ebensogut auf deren Vorlage, d. h. auf die Gallica zurückgeführt werden kann. Die benutzten, in der echten Hisp. fehlenden und deshalb entscheidend in die Wagschale fallenden Rubriken zu Conc. Tolet. IV. 633 c. 36. 27 stehen auch in der Gallica (vgl. unten S. 66 N. 7. 8 zu 3, 465a und S. 69 N. 1 - 4 zu 3, 466),




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 62]

I.-VI.; untermischt mit Zugaben1, deren Quellen zum Teil bekannt2, zum Teil unbekannt3 sind.

Die Rubriken zu den Kapiteln der vorliegenden Reihe 3, 464 - 476 sind mit einer Ausnahme (3, 472 rubr.) von Ben. selbst geformt. Bei ihrer Fassung hält sich Ben. zumeist an die Worte seiner Texte; in 4 Fällen (3, 466. 467. 474. 476 rubr.) weichen seine Rubriken von den Texten ab.4 [Näheres über die Gestaltung unten S. 64. J.]

Die Reihenfolge der Texte zeigt, der Vorlage (Augustod.) gegenüber, ein Janusgesicht: in der ersten Unterreihe 3, 464 - 470 (471) ist die originale Ordnung invertiert; in der zweiten Unterreihe 3, 471-474. 476 ist die originale Ordnung beibehalten.5

Die Hauptvorlage der Reihe, d. h. die Augustodunensis, wird bald6 mehr oder weniger rein, bald7 in starker Bearbeitung wiedergegeben.

[Die Komposition des Schlußabschnittes interessiert nach mehr als einer Richtung:

1. Für die Einstreuungen aus der Lex Visig. läßt sich bei zusammenfassender Betrachtung ihrer Benutzung im 3.Buch folgender Sachverhalt feststellen. Einzelne verstreute Stücke lassen sich in keinen Reihenzusammenhang bringen. Sie sind sämtlich durch Verwendung einer Zwischenquelle an



und die Lesarten zu 3, 476 bieten keine Handhabe, um die Frage zu klären (vgl. unten S. 86). Ihre Lösung setzt Nachprüfung aller Hispanaexzerpte Benedikts und Erörterung seiner Kompositions- und Anordnungstechnik voraus und kann deshalb hier nicht versucht werden. - Bedeutungslose Korruptelen der Hisp. Gallica Cod. Vindob. werden im folgenden mit Stillschweigen übergangen. J.]
1) 3, 464a. c. 465 b. 470 b. 472 b. 474 b. 475.
2) 3, 464a + c (Isidorus). 475 (Lex Visigoth)[; über die Einstreuungen aus Lex Visig. vgl. das weiter im Text Ausgeführte. J.]
3) Von den Stücken unbekannter Herkunft dürften als Fälschungen Benedikts wahrscheinlich nur 3, 472b und 474b zu betrachten sein.
4) Vgl. die Einzelerörterung der 4 angeführten Kapitel.
5) Ähnlich verfuhr Ben. bei der Anordnung seiner Exzerpte aus dem Registrum Gregors I. (3, 447 - 451), vgl. oben S. 2f.
6) 3, 466. 467. 469 - 471. 473.
7) 3, 465a. 468. 472a. 474a. 476.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 63]

ihren Platz gelangt: 322 a. 369 sind reihengetreu Angilram entnommen (vgl. Tabelle Studie VIII B, S. 129f.); 440 b ist durch] pseudoisidorische Materialien vermittelt (vgl. Studie VIII D, S. 352, 363f.). Andererseits bilden die Kapitel 427 - 429 eine in sich geschlossene Reihe aus der Lex Visig. Die erste Gruppe scheidet für unsere Betrachtung ohne weiteres aus, die zweite kann gleichfalls beiseite gelassen werden.1 Dann bleiben aber nur übrig die aus der Konglomeratmasse (V) der großen Mischreihe stammenden


3, 351 aus Lex Visig. 12, 2, 9 in.
3, 352 aus Lex Visig. 2, 1, 13 (11) rubr.
ferner 3, 459a aus Lex Visig. 2, 1, 13
und 3, 475 aus Lex Visig. 12, 3, 10 in.
Daß dieses alle eingestreuten Kapitel erfassende augenfällige Reihenverhältnis auf Zufall beruht, ist unwahrscheinlich. Die Einsprengung von 3, 475 aber ist, wie sich alsbald ergeben wird, auch inhaltlich motiviert.

2. Die der Vorlage hinzugefügten Beigaben enthalten abgesehen von den kunstvoll mit 3, 464 verwobenen Isidorstellen und von dem gleichfalls nur als inhaltliche Ergänzung zu motivierenden Stück 3, 465b, aber einschließlich 3, 475 - also von 3, 470 an - Sanktionen. Sie sind der Vorlage nicht etwa lediglich deshalb hinzugefügt, weil diese Texte für Benedikts Zwecke einer Ergänzung bedurften2, sondern sind eingeschoben, um eine kontinuierliche Reihe von gleichartig gestalteten Stücken in die von Benedikt selber im Epilog (3, 478) zusammengefaßten Konfirmationskapitel, die 3, 475 beginnen, einmünden zu lassen. Hatten 3, 469. 471 ('excommunicentur') und 473 ('ut sacrilegi repellantur') von Haus aus die Normierung einer



[1) Auch die Einbeziehung in die Erörterung würde das sich für die Reihenverhältnisse ergebende Bild nicht stören, es höchstens infolge Benutzung des 12. Buches der Lex und Bildung einer doppelten in der Mitte gesenkten Titelreihe unterstreichen, in der die aus Lex Visig. 12 stammenden Exzerpte (3, 427 = 12, 2, 10 in; 428 = 12, 2, 16) eine aufsteigende Reihe bilden! [2) Vgl. etwa 3, 466. 467. 468, Stücke, in denen eine gleichartige Ergänzung unterlassen worden ist.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 64]

Straffolge, so fehlte sie doch der Vorlage von 470a und 474a; die Vorlage von 472a hatte zwar eine; mechanische Umbildung einer Rubrik in ein selbständiges Kapitel hätte aber doch zu einer allzu großen Einförmigkeit gerade der kirchlichen Sanktionen geführt, insbesondere zu stark an die Stilisierung von Rubriken erinnert. So versah denn Benedikt zunächst innerhalb der Reihe 469 - 474 die Kapitel 470b und 472b mit stärkerer weltlicher (470) und geistlicher (472) Resonanz1, um dann in 475 und 476 wirksam steigernd und in vollem Akkord die geistliche2 Generalklausel für die 'iustitia'3 und die weltliche4 für 'constitutiones ecclesiasticae' hinzufügen zu können. Es schließen sich - erneut eine umgekehrte Reihenfolge! - weltliche Bestätigung und Bericht über geistliche, die vorangehende weltliche mitergreifende Konfirmation nunmehr der ganzen Sammlung an.

Für die aus den Hispana-Rubriken gebildeten Kapitel (3, 464 - 474) hat Benedikt eigene Rubriken aus seinen Kapiteln entwickelt. In vier Fällen (3, 464. 468. 473. 474) erhellt dies ohne weiteres, wenn man die Texte der Kapitel Benedikts und deren Vorlage einerseits mit Wortlaut und Fassung der Rubriken andererseits vergleicht. In drei weiteren Fällen ergibt sich die Absicht, auf das bereits vorliegende eigene Kapitel einzuwirken z. T. aus tendenziösen Zusätzen (3, 466. 467) z. T. aus nicht weniger tendenziöser Umformung (3, 470). Nur einmal (3, 472) hat Benedikt anscheinend die Vorlage selber, d. h. die HispanaRubrik unmittelbar auch für seine Rubrik herangezogen.5 - Die Rubriken zu 3, 465. 469 und 471 sind farblos. J.]



[1) Sie an 474 zu steigern, hätte nicht recht zum Inhalt gepaßt und auch die Wirkung von 475 geschmälert. [2) Obzwar aus der Lex Visig. stammende. [3) Vgl. Benedikts Rubrik. [4) Obzwar dem Conc. Tolet. III entlehnte. [5) Vgl. unten S. 80f. Hingegen ist es höchstens Reminiszenz an den Text des Hispana-Kapitels, wenn in der Rubrik zu 3, 470 'vis' statt 'violentia' gebraucht wird. J.]



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 65]

A. Erste, invertierte Unterreihe.

3, 4641b. d = Conc. Tolet. VI. 638 c. 11 rubr., (Hisp. (Migne 84, 399) =) Augustod. fol. 80a' und 82b2 [= Cod. Vindob. 411 fol. 129 a und fol. 132a]; vgl. oben 1, 398. 2, 381o.

3,464a. c aus Isidorus Hisp., Synonym. 2, 85 (Migne 83, 864.) in der oben 3, 259 (Satz 2, 3 a. E.) vorliegenden Bearbeitung.

Über die beiden verschränkten Quellen ist des Näheren zu bemerken:

3, 464a: cf. oben 3, 259 Satz 2. Textverhältnisse:
3, 259.3 3, 464 a.4
  Nullus quemquam ante   Placuit, ut5 nullus
iustum iudicium damn et, quemquam clericorum vel
nullum suspicionis ar- laicorum de6 suspicione6
bitrio iudicet. aliqua iudicare6 praesu-

mat.
Isidorus.7
  Nullum condemnes ante
iudicium, nullum iudices
suspicionis arbitrio.




1) Zu dem textfremden 'absque' der Rubrik vgl. oben 1, 398 interp.: 'absque legitimo accusatore'.
2) Erstmals gefunden (nach dem Reihen-Prinzip). [Baluze verweist auf 1, 398 und 2,381, Knust auf 2,381 (aus Versehen 3, 381) und damit indirekt über 1, 398 und Ps.-Eleuth. auf Conc. Tolet. VI. c. 12 (!) Hinschius p. CXV (p. 98 Ps.-Alex. 7) auf Isidor.]
3) Gesperrt gedruckt ist in dieser Spalte, was jeweils ans der älteren Quelle stammt.    
4) Quellenfremdes gesperrt.
6) Dieses Initium findet sich bei Benedikt (teils echt, teils wie hier gefälscht) 78mal.
6) 'de suspicione iudicare' steht weiter unten in der Vorlage (vgl. 3, 464c); Benedikt hat die Worte heraufgezogen. Diese für den Sinn des Textes entscheidenden Worte finden sich ähnlich auch in Conc. Paris. 829 Lib. III c. 10 (77) (MG. Conc. II, 674 l. 8. 9): 'non debemus . . . per suspitionem iudicari'; = Episcoporum relatio 829 c. 23 (MG. Capit. II, 36 l. 34. 35) = Conc. Aquisgr. 836/7 Decr. Cap. III c. 6 (46) (MG. Conc. II, 717 l. 34).
7) [Fast wörtlich entnommen aus Ps.-Ambrosius c. 7 i. f. (Migne




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 66]

3, 464b ('similiter ne - condemnetur') wörtlich = der angeführten Rubrik des Conc. Tolet.; beigefügt das Verbindungswort 'similiter'.

3, 464c ('quia pessimum et periculosum est quempiam de suspicione iudicare) = 3, 259 Satz 4: 'Pessimum1 namque') et1 periculosum est quemquam2 3 de suspitione4 iudicare'.3

3, 464d ('aut sine' bis Schluß): nochmals die angeführte Rubrik des Conc. Tolet., leicht überarbeitet ('aut' statt 'Ne'; 'legitimo accusatore' statt 'a. l.'; 'quemquam damnare' statt 'quispiam condemnetur').

3, 465a (bis 'neglegat') = Conc. Tolet. IV. 633 c. 36 (Textanfang, Hisp. (Migne 84, 376), fast =) rubr. Augustod.5 fol. 71a [und rubr. Cod. Vindob. 411 fol. 115a], weiche unedierte Rubrik6 so lautet7: XXXVI. Quod8 episcopum



17,750): 'Nullum ante iudicium condemnes, n. i. s. arbitrio'. Weniger nah verwandt Augustinus, Sermo 351 § 10 = Homilia 50 de poen. c. 12 (Migne 39,1547 vgl. Studie VIII B, S. 20 N. 12). Keine der beiden Stellen kommt als Quelle Benedikts in Betracht, weil keine der beiden einen 464c entsprechenden Satz enthält.]
1) Fehlt bei Isidorus.
2) 'quempiam' Isidorus. Diese Übereinstimmung mit dem Original beweist nicht sicher dessen wiederholte Benutzung, sondern (wenn ihr überhaupt Beweiswert innewohnt; vgl. 3, 464d) vielmehr nur, daß Ben. die in 3, 259 vorliegende (von ihm selbst verfaßte?) Bearbeitung bei Herstellung von 3, 464 in einem Entwicklungsstadium vor sich hatte, in dem sie dem Original noch etwas näher stand.
3) 'q. d. s. i.' ] 'd. s. q. i.' Isidorus.    
4) 'suspectione' Isidorus.
5) Ganz anders lautet die Rubrik der reinen Hisp.
6) In gewissen Hss. der reinen Hispana (A. E 4. U. G bei Gonzalez) fehlen die echten Rubriken. Das Fehlende hat, unter Benutzung der Textanfänge entweder [, wie hier,] der Urheber der Hisp. Gallica (Maassen, Gesch. der Quellen I, 711 schweigt darüber) oder, wie [anderenfalls] anzunehmen sein wird, der pseudoisidorische Redaktor der Hisp. Augustodunensis ergänzt (über die Ergänzung schweigt Maassen, Pseudoisidor-Studien II, 10).
7) Fehlt im Text des can. 36 cit. (auch in der Augustod. fol. 75a' [und im Cod. Vindob. 411 fol. 121b]). [8) Der Wortlaut der Rubrik weicht im Cod. Vindob. in Folgendem von dem der Augustod. ab: 'Ut' statt 'Quod'; 'cuncta' statt 'cunctas'; 'singulum annum' statt 'singulos annos'.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 67]

per cunctas dioceses parrochiasque suas per singulos annos ire oporteat'.1 An dieser (unmittelbaren) Vorlage hat Ben. mehrere sachlich bedeutungslose Änderungen vorgenommen: 'Placuit ut' [, der Gallica gegenüber 'Placuit' ] als Initium hinzugefälscht2, wodurch das 'Quod' der Augustod. wieder verdrängt [oder das 'Ut' der Gallica ergänzt) wird; 'unusquisque3 episcopus' statt 'episcopum'; 'circuire'4 statt 'per (vor 'cunctas') . . . ire'; 'cunctas d. p. suas' und 'per singulos annos' umgestellt; 'non neglegat'5 statt 'oporteat'.

3, 465b: Quelle unbekannt. Das Teilkapitel bestimmt tendenzlos die wichtigsten Aufgaben, die dem Bischof auf seinen Visitationsreisen6 obliegen. So finden sich denn auch einzelne Anklänge an bekannte Quellen7:

docendo] vgl. Conc. in Francia hab. 747 cit. ('plebes docere'); Karoli M. Cap. 769 c. 7 cit. (ebenso); Cap. e can. exc. 813 c. 16 cit: 'docendo';

confirmando] vgl. Conc. Germ. 742 c. 3 cit. ('populos ad confirmandos'); Conc. Suess. 744 c. 4 cit. ('ad confir




1) 'oportet' der Text.
2) Vgl. oben S. 65 bei und in N. 5.
3) 'unusquisque episcopus' ist entweder freie Erfindung oder vielleicht Reminiszenz an Conc. in Francia hab. 747 (MG. Conc. II, 47 l. 23) (= Ben. 3, 148 in.) = Karoli M. Capitulare primum 769 c. 7 in. (MG. Capit. I, 145) (= Ben. 3,129), Conc. Arelat. 813 c. 17 in. (MG. Conc. II, 252), Capitula e can. excerpta 813 c. 16 (MG. Capit. I, 174; Conc. II, 296).
4) Den fast technischen Ausdruck kannte Ben. aus den in der vorigen Note zitierten Quellen, ferner aus dem Conc. German. 742 c. 3 (MG. Capit. I, 25; Conc. II, 3), dem Conc. Suess. 744 c. 4 (MG. Capit. I, 29; Conc. II, 35), dem Cap. Aquisgr. 801- 813 c. 1 (MG. Capit. I, 170), dem Conc. Paris. 829 Lib. I c. 31 rubr. (MG. Conc. II, 632) usw.
5) Soll dies eine Höflichkeit des Ausdrucks sein, die Ben. den von ihm verhätschelten Bischöfen entgegenbringt? Der Ausdruck begegnet natürlich auch sonst (z. B. 3, 478).
6) J. Auerbach, De visitationum eccl. progressu, Francof. ad M. 1862; Phillips, KR. VII § 366; Dove, ZKR. IV, S. 16ff.; insbes. Koeniger, Sendgerichte I 1907 S. 12 - 18.
7) [Unergiebig sind nach dieser Richtung die Capitula bei Hartzheim, Conc. Germ. I, 424f.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 68]

mandum populum'); Conc. in Fr. hab. 747 cit. ('populum confirmare'); Karoli M. Cap. 769 c. 7 cit. (ebenso); Conc. Cabill. 813 c. 14 (MG. Conc. II, 276: 'in confirmandis hominibus');

(singula) quaeque quae necessaria sunt (restaurando)] vgl. Cap. e can. exc. 813 c. 16 cit.: 'et quaeque1 sunt necessaria emendare'; [- worauf sich das restaurare beziehen soll, ist schwer zu sagen: man kann hier an eine Parallele zu Conc. Germ. c. 1 (l. c.) denken, wo es heißt 'synodum congregare, ut . . . canonum decreta et aecclesiae iura restaurentur', oder zu Conc. Cabil. 813 c. 58 (l. c. 285) 'Habeat . . . studium aut in aedificando ea, quae ad sanctimonialium necessitatem pertinent, aut in restaurando'. J.]

et corrigendo, prout melius valuerit] vgl. Conc. in Fr. hab. 747 (MG. Conc. II, 47 l. 32. 33. 35, p. 48 l. 2/3: 'unusquisque episcopus, si quid . . . corrigere . . . nequiverit, . . . ad corrigendum insinuet; . . . si . . . plebes . . . corrigere non potuerim, . . . indicaverim; . . . si quid de corrigendis populis apud eos inpossibile est, notum facere'); [Admon. gen. 789 Praef. (MG. Capit. I, 54): 'regnum sibi a Deo datum circumeundo, corrigendo, ammonendo ad cultum veri Dei studuit revocare.' J.] - [Als Parallelen zu 'prout melius valuerit' sind zu nennen Capit. miss. spec. 802 c. 19 (l. c. 101) und 802 (?) c. 59 (l. c. 104): 'emendare studeant in quantum melius potuerint'. 'Valere' für 'posse' ist häufig. Hierfür sei auf die auch als Parallele anzuführende Stelle der Episc. ad. imper. relatio 821 c. 9 hingewiesen (l. c. 369): 'sancto studio, prout ordo regularis poscit insistere, ac subditorum, si qua sunt, valeat errata corrigere'.]

3, 466 buchstäblich = Conc. Tolet. IV. cit. c. 27 (Textanfang, Hisp. (Migne 84, 374), =) rubr. Augustod.2 fol. 71a [und rubr. Cod. Vindob. 411 fol. 114b], welche




1) ['quaecumque' ed. Werminghoff, MG. Conc. II, 296.]
2) Völlig abweichende Rubrik in der reinen Hisp.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 69]

lautet: 'XXVII. Quando presbiteri1 aut diaconi2 per parrochias3 constituuntur, oportet4 eos professionem episcopo suo facere. - In der Rubrik Benedikts, die dem Gelöbnis erst einen Inhalt gibt, finden sich die wichtigen textfremden Worte 'stabilitatis et oboedientiae suae atque5 statuta servare.'6 [Sie sind anscheinend der Regula Benedicti c. 58 nachgebildet, wo (ed. Butler l. 39f.) es heißt, 'promittat de stabilitate sua et conversatione morum, et oboedientiam'.] Zur Sache vgl. wegen der stabilitas [Studie VI, S. 87 zu] 1, 175 ('Ut presbiteri . . . promissionem stabilitatis . . . faciant) und 1, 266 rubr.7; wegen des Gehorsams gegen die Oberen und die kirchlichen Gesetze: Conc. Tolet. XI. 675 c. 10 (Migne 84, 462sq.), wo von dem Ordinanden ein Versprechen verlangt wird, 'ut in nullis operibus suis canonicis regulis contradicat atque ut . . . obsequii reverentiam praeeminenti sibi unicuique dependat'.

3, 467 wörtlich Conc. Tolet. III. 589 c. 21 rubr. (Hisp. (Migne 84, 356); Augustod. fol. 68b' [und Cod. Vindob. 411 fol. 111a]. In seiner eigenen Rubrik hat Ben. die Vorschrift, die nur von Fronfuhren (angaria) handelt, durch den erdichteten Zusatz 'aut quibuslibet rebus' verallgemeinert.




1) So auch Augustod. im Text des Kanon (fol. 74b'); 'presbyteres' Hisp. [und rubr. Cod. Vindob.1; im Text des Kanon hat Cod. Vindob. 'presbiter' ].
2) So auch Aug. Text; 'diacones' Hisp. [und Cod. Vindob. rubr.; im Text des Kanon hat der Cod. Vindob. entsprechend 'presbiter' den Singular 'diaconus'.]
3) 'parroechias' Aug. Text.
4) [Im Gegensatz auch zu seinem Text schiebt der Cod. Vindob. hier in die Rubrik ein sinnloses 'ad' ein.]
5) Der nun folgende Infinitiv ist eine auffallende grammatische Härte.
6) Der Text des can. 27 Tolet. cit. ergibt als Inhalt des Gelöbnisses nur, 'ut caste et pure vivant'.
7) [Die Rubrik hat Ansegis zum Verfasser! J.] Von der stabilitas spricht auch die Adm. gen. 789 c. 25, cf. Anseg. 1, 25 (MG. Capit. I, 55. 399); doch scheint hier die Einhaltung der Residenzpflicht nicht der Ordinandus zu versprechen, sondern der Ordinans aufzuerlegen (pronuntiatio).




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 70]

3, 468 = Conc. Tolet. III. cit. c. 19 rubr. (Hisp. (Migne 84, 355); =) Augustod. fol. 68b'  [und Cod. Vindob. 411 fol. 111a], mit reichlichen [, von der Rubrik durch Wiederholung betonten] Interpolationen meist formeller (unterstreichender), aber auch sachlich eingreifender Art. Textverhältnisse:
Conc. Tolet. rubr. Ben.
  Ut ecclesia cum Placuit1, ut omnes1 2

ecclesiae cum dotibus 2 3 4
rebus eius et omnibus2 rebus suis
ad episcopi in episcopi proprii2 3 5

potestate2 6 consistant
ordinationem atque ad ordinationem vel

dispositionem3 7 suam
pertineat. semper2 3 8 pertineant.




1) Hinzugefälschter Anfang, genau wie unten 3, 472. 473.
2) Unterstreichung des quellenmäßigen Gedankens.
3) Vgl. oben 3, 292 rubr.: 'Ut dotes ecclesiarum simul cum ipsis ecclesiis semper ad proprii episcopi pertineant dispositionem.' Vgl. auch 3, 207 (Studie VIII A, S. 411).
4) Von der 'dos' der Kirche konnte Ben. lesen im Texte des can. 19 cit. Tolet. III. (= Ben. 3, 292), ferner z. B. in Conc. Tolet. IV. 633 c. 33 fin. (Migne 84, 376).
5) Dieses Kennwort seines Systems der Diözesen-Abschließung hat Ben. unendlich oft in die Vorlagen hineininterpoliert, [vgl. oben Studie VIII D, S. 342 N. 6 zu 3, 433d. J.]
6) Dieses Synonymum von ordinatio kam Benedikt vor Augen, wenn er den Text des can. 19 cit. Tolet. III. zu Ende las ('ordinationem et potestatem'). Vgl. auch oben 3, 261a. 'Placuit, ut episcopi rerum ecclesiasticarum in omnibus . . . plenam semper habeant potestatem'; ferner etwa Conc. Ascheim. 756? c. 3 fin. (MG. Conc. II, 57): 'Unde synodus (Pseudo-)Nicenensis ait, ut omnes res ecclesiasticas in potestate episcoporum sint'; Conc. Antioch. c. 25 in. Dion.-Hadr. (ed. 1609 p. 67): 'Episcopus ecclesiasticarum rerum habeat potestatem'; usw.
7) Diese Interpolation bedeutet dann einen sachlichen Eingriff, wenn dispositio die Veräußerungsmacht bedeuten soll.
8) Vgl. oben 3, 261a (abgedruckt oben N. 6); unten 3, 474 rubr. 477 rubr. (Über weitere Fälle, in denen Ben. dieses Wort zum Zwecke der Einschärfung anbringt, s. Studie VIII C, S. 246 N. 5. J.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 71]

3, 469 wörtlich = Conc. Tolet. III. cit. c. 13 rubr. (Hisp. (Migne 84, 354); =)Augustod. fol. 68b'. [und Cod. Vindob. 411 fol. 111a.]

3, 470a (bis 'ducat') = Conc. Tolet. III. cit. c. 10 rubr. (Hisp. (Migne 84, 353); =) Augustod. fol. 68b' [und Cod. Vindob. 411 fol. 111a] mit 2 nebensächlichen Abweichungen: 'Placuit' als Anfangswort hinzugefälscht; 'ut' vor 'mulier' gestrichen. - [Für die Rubrik ist abgesehen von der Ersetzung von 'violentiam' durch 'vim' 1 und von 'mulier' durch 'femina' der gleiche Wortlaut maßgebend gewesen. Aber der Satz 'et ut mulier invita virum non ducat', der für die hinzugefügte Sanktion bedeutungslos war, ist auch inhaltlich umgestaltet worden ('De his qui . . . aut feminas invitas ducunt'), um neben Gewalthabern, die Witwen zur Ehe zwingen, auch Männer, die widerstrebende Frauen heimführen, unter Strafe zu stellen. Diese Änderung charakteriert das Kapitel im Sinne Benedikts, wenn auch nicht ersichtlich ist, ob - wofür der dreifache Bann spricht - nicht so sehr derjenige, der die Widerstrebende heimführt, als derjenige, der sie entführt, getroffen werden sollte. J.]

3, 470b. c. ('Quod si' bis Schluß): Quelle unbekannt. Der Zusatz soll dem ganzen Kapitel den täuschenden Schein eines echten Kapitulars geben, also den kirchlichen Ursprung von 3, 470a verhüllen, das kirchliche Verbot des Zwangs zur Heirat und Wiederverheiratung von Jungfrauen bzw. Witwen als weltliches Verbot des Frankenkönigs2 erscheinen lassen.

[Freilich setzt sich Benedikt keineswegs für generelle Befreiung vom Ehezwang ein. Und da er ihn sonst nicht grundsätzlich bekämpft und in der Rubrik den Tatbestand im angegebenen Sinn verlagert, ist es sogar möglich, daß er das kirchliche Verbot nicht als unvereinbar mit dem im Frankenreich geltenden Recht erscheinen lassen wollte.



[1) Vgl. oben S. 64 N. 5. J.]
2) Den echten Kapitularien ist das Verbot unbekannt. Wenigstens gibt es keine ausdrückliche Vorschrift, die den früher zulässigen Zwang des Muntwalts (Brunner, DRG.2 I, 96. II, 72f.) aufgehoben hätte.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 72]

Doch welches auch die Absichten gewesen sein mögen, die er mit seinem Kapitel der Sache nach verfolgte, den Zweck, eine königliche Satzung vorzutäuschen, erreicht der Zusatz um so eher, als er, für sich allein betrachtet, weder aus sprachlichen noch aus sachlichen Gründen im ganzen für eine Fälschung angesprochen werden kann.1 Es fällt m. E. ferner für unveränderte Übernahme aus echter Quelle mindestens eines erheblichen Teils von 3, 470b. c. stark ins Gewicht, daß der Schluß von 470a 'ut mulier invita virum non ducat' Benedikt nicht als Anknüpfungspunkt für eine Straffolge gedient haben kann, die mit den Worten 'Quod si quis fecerit' beginnend, den gegen Frauen geübten Ehezwang (gleich ob generell oder nicht) treffen will. Würde Benedikt von 'Quod si' ab selber zu sprechen anheben, so hätte er schwerlich den ihm vorliegenden echten Text in so widersinniger Anknüpfung weitergesponnen. Mit bloßer Unaufmerksamkeit und Vergeßlichkeit gegenüber dem zweiten Halbsatz der Hispanarubrik läßt sich die grobe Ungeschicklichkeit nicht erklären; denn gerade dieser Halbsatz ist, wie wir gesehen haben, Benedikts Aufmerksamkeit nicht entgangen, als er die Hispanarubrik, die er in den Text übernahm, für eine neue eigene Rubrik umformte. Er hätte gewiß, auch ohne Verfasser des Zusatzes zu sein, den Wortlaut der Vorlage ebenso wie für seine Rubrik überarbeiten oder anderweit ändern müssen, um das Kapitel von den Schlacken offenkundigen Flickwerks zu reinigen. Aber es liegt auf der Hand, daß es sehr viel leichter verständlich ist, daß er dies unterließ, wenn er 3, 470a und 3, 470b. c als ihm bereits vorliegende Stücke aneinanderfügte, als wenn er 3, 470a durch eine ad hoc von ihm erdichtete2 Sanktion erweitert hätte.3 Es ist ferner nicht



[1) Dieses Urteil ist fast wörtlich den Ausführungen Seckels entnommen, die nach der oben durch eckige Klammer gekennzeichneten Stelle nur wenige Zeilen weitergehen. Dazu findet sich noch folgende Bleistiftnotiz: '1915: ich halte 3, 470b für echt'. Nur die 'gradus canonici' der Buße hielt Seckel einer weiteren Notiz zufolge für interpoliert. [2) Von ihm aber sonst nirgends wieder verwendete! [3) Wie unbekümmert er beim Zusammenfügen ist, zeigt z. B. gleich das übernächste Kapitel (472); vgl. unten S. 81 N. 6.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 73]

wahrscheinlich, daß im Sinne des Fälschers diese Sanktion lediglich auf den Ehezwang gegen Witwen hätte bezogen werden sollen. Kompositionstechnisch noch viel weniger wahrscheinlich ist, daß der ganze Zusatz lediglich an die Rubrik anknüpft, durch die vielmehr, wie oben gezeigt worden ist, Benedikt die Tragweite des fertigen Kapitels teils zu beschränken, teils zu erweitern bestrebt war.

Ist demnach 3, 470 b. c im ganzen keine Fälschung, sondern einem verschollenen Kapitular oder einem königlichen Praeceptum entnommen, so ist damit noch nicht gesagt, daß Ben. den echten Text unberührt gelassen hat. Jedenfalls kann die Anordnung der Buße 'per gradus canonicos', wie Studie VIII D, S. 318 dargelegt wurde, nicht als echter Bestandteil eines Kapitulars gelten.1 Sonst bietet der Text allerdings kaum Handhaben, um weitergehende Zweifel zu begründen. Insbesondere entfällt die Möglichkeit, die angeordnete, uns allein erhaltene Straffolge an der uns unbekannten Verbotsnorm zu messen.2 Unverfänglich ist aber jedenfalls die Aufeinanderfolge der Bestimmungen und damit der Aufbau, der in allem Wesentlichen 3, 432 entspricht. Unverfänglich ist der dreifache Bann und die durch Kapitular angeordnete, durch den Bischof aufzuerlegende, im Notfall mit Hilfe der Grafen zu erzwingende Buße. Unverfänglich ist ferner die Gestellung des trotzenden Renitenten und seine Bestrafung im Königsgericht. Unverfänglich ist schließlich die Form des Ausdrucks, die nirgends ein Herausfallen aus dem Kapitularienstil erkennen läßt, andererseits aber auch den Nachweis der Entlehnung einzelner Teile aus bekannten Quellen nicht gestattet.3



[1) Der Umstand, daß die echte Vorlage des Zusatzes eine Retouche erfahren hat, würde auch die Ablenkung der Aufmerksamkeit von der Diskrepanz in der Aufeinanderfolge der zusammengefügten Stücke auf andere Dinge innerhalb des Textes erklären. [2) Schlüsse von der Straffolge auf die Norm zu ziehen, möchte ich unterlassen. Der dreifache Bann läßt allerdings keinen großen Spielraum für Vermutungen offen. [3) Nicht auszuschließen ist allerdings die Möglichkeit, daß es sich um Zusammenfügung zweier Stücke verschiedener Provenienz handelt.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 74]

3, 470b ('Quod - cogatur')

'Quod si quis fecerit] Die im allgemeinen landläufige Einführung einer Sanktion mit 'Quod si' findet sich als relativischer Anschluß1, wie hier, in merowingischer Zeit2 und dort besonders oft in den Konzilien.3 In fränkischer Zeit ist die in Frage stehende Überleitung seltener. Ich vermag nur die folgenden Fälle anzuführen: Conc. Vern. 755 c. 5 (MG. Capit. I, 34) 'Quod si non potuerit'; Karoli M. Cap. primum 769 c. 14 (l. c. 46) 'Quod si praesumpserit'; Cap. italica 3 (l. c. 335) 'Quod si factum fuerit'; (vgl. auch unten N. 5), Cap. Olon. eccl. prim. 825 c. 5 (l. c. 327) 'quod si quis post eius interdictum facere praesumpserit'; ferner aus den Konzilien des Jahres 813: Conc. Arel. c. 18; Mogunt c. 6; Turon. c. 21.4 Zahlreichere Beispiele liefern aber wieder das Conc. Meldense-Paris. 845/465 und Kapitularien der folgenden Jahrzehnte. Aus dem dargelegten Tatbestand auf die Provenienz der Beigabe zu 3, 470 schließen zu wollen, wäre jedoch schon deshalb bedenklich, weil auch ein grammatisch korrekt relativisch aufzufassendes 'Quod si' im Sinne des Sprachgebrauchs der fränkischen Zeit meist



Wer Benedikt stärker an der Arbeit zu sehen glaubt, mag ihm den Schlußsatz zuschreiben, obgleich sich ein halbwegs plausibler Grund hierfür nicht aufzeigen läßt. [1) Im Gegensatz zu dem bloß anknüpfenden 'Quod si', das regelmäßig durch 'hoc' ergänzt wird, um auf den sanktionierten Tatbestand zu verweisen. [2) Vgl. etwa Lex Burg. 20, 2. 38, 6. 39, 4; Lex Salica 9, 1; Decretio Chlotharii c. 14; Decretio Childeberti (Recensio Lingon.) c. 5; Lex Ribuaria 58, 1. 59, 9. [3) Kursorische Durchsicht der Maassenschen Konzilienausgabe (MG. Conc. I) ergab rund 40 Stellen; als Beispiel seien genannt Conc. Cabil. 639-654 (l. c. 208f.) c. 6. 7. 14. 15. 16. 17. 18. [4) MG. Conc. II, 252. 262. 289. - Vgl. auch c. 13. 14 der Capitula Haitonis (MG. Capit. I, 364). Im Kapitular von 769 c. 17 hat Cod. Laud. 'quis hoc' hinter 'Quod si' eingeschoben, vgl. Studie VIII A, S. 358f. [5) C. 10. 17 (= Conc. Aurel. 549 c. 13). 36. 37. 38. 62. 63 (= Cap. Franc. c. 4 MG. Capit. I, 333). 73 (= Conc. Epaon. 517 c. 15 und Conc. Matisc. 583 c. 14. 15) MG. Capit. II, 401f. - Vgl. auch c. 4. 10 der Capitula Cod. Sangall. 679 ed. Finsterwalder, diese Zeitschrift XLV 1926 Kan. Abt. XIV S. 377. 380.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 75]

durch 'Et si' ersetzt werden kann1, insbesondere aber weil es in Überarbeitungen echter Quellen, die sich bei Ben. finden, andere Wendungen der Vorlage verdrängt oder ersetzt hat2, oder von Ben. selber interpoliert worden ist.3

in triplo nobis bannum nostrum persolvat] Eine dreifache Bannbuße findet sich in der als Vorbild in Frage kommenden Kapitulariengesetzgebung nur in c. 4. 5 des Cap. legg. add. v. 818/19 (= 1, 233. 234). Da einerseits das erste Kapitel einen verwandten Fall betrifft, andererseits aber der dreifache Bann in zweifelhaften Stücken (2, 99. 116; 3, 395) wiederkehrt, so entscheidet die Tatsache seines Vorkommens die Frage der Echtheit oder Unechtheit nicht. - Soweit die von Ben. übernommene Hispanarubrik überhaupt eine Norm für eine Strafsanktion abzugeben vermag, ist Beschränkung auf Bannbuße korrekt, da etwas anderes als Bannbruch gar nicht in Frage kommt, ganz gleich, ob das gegen 'parentes' und 'proximi' gerichtete Verbot des Ehezwangs nur zugunsten von Witwen (so der erste Halbsatz) oder zugunsten jeder Frau gelten soll (was vielleicht dem zweiten Halbsatz entnommen werden sollte).4 Benedikt



[1) Vgl. etwa Pippini reg. cap. 754/55 c. 1 (MG. Capit. I, 31): 'Et si fecerit'; Cap. cum primis const. 808 c. 4 (l. c. 139): 'et si fecerit'. - Vgl. auch 1, 203 mit dessen Quelle Cap. Harist. 779 c. 19 (l. c. 51). [2) Vgl. 1, 172. 341 (= 2, 382). 383 (= 2,102). 386; 2, 117 (= 385); 3, 115. 338. Wegen der Einzelheiten muß es bei einer summarischen Verweisung auf die Studien sein Bewenden haben. [3) Auf Benedikt geht das relativische 'Quod si' zweifellos zurück in 1, 311 (= 1, 391 = 2, 360 = 2, 399); 3, 142f. 159b. 224. Ungewisser Herkunft sind mindestens in den fraglichen Abschnitten 2, 197. 198; 3, 156. 180. 225. 320 (vgl. Studie VIII B, S. 93 N. 1). - Vorbilder für relativisches 'Quod si' hat Ben. selber in großer Zahl übernommen: 1, 145; 2, 135 (= 3, 420). 136 (= 3, 419). 156. 183. 381r (= 3, 109). 428; 3, 136. 139. 256. 275. 278. [4) Was indes Benedikt mit der Strafe des dreifachen Bannes zu ahnden nicht im Sinne haben konnte. Nach Ausweis der Rubrik lag ihm auch nur etwas an der Bestrafung derjenigen Gewalthaber, die Witwen zur Ehe zwangen. Wie er sich aber dann, bei Straflosigkeit der Gewalthaber, die Strafbarkeit des Mannes gedacht haben soll, der das widerstrebende Mädchen, sei es auch gewaltsam, heimführte, bleibt rätselhaft. Auch das spricht für die oben S. 71 erwogene Deutung.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 76]

möchte nach Ausweis seiner Rubrik auch den Mann der Strafsanktion unterstellen. Aber auch dieser könnte sich lediglich des Bannbruchs schuldig machen, wenn er die Widerstrebende mit Willen ihrer Gewalthaber heimführt; anders nur wenn Benedikt - wie aus der Höhe der Buße geschlossen werden könnte - auch den Frauenraub dem Sinn nach in sein Kapitel einbeziehen wollte. - 'bannum persolvere' ist Sprachgebrauch echter wie auch unechter Kapitularien.1

et ab episcopo . . . publicam per gradus canonicos poenitentiam agere cogatur] Zur Zwangsbuße vgl. Hinschius KR. V, 85f., dafür daß die 'gradus canonici' als interpoliert zu gelten haben, oben S. 73. Eine Vorlage für die Wendung 'ab episcopo . . . poenitentiam agere cogatur' vermag ich nicht namhaft zu machen. Verwandt ist die Ausdrucksweise in Syn. Pap. 850 c. 11 (MG. Capit. II, 120): 'Tales ergo ab episcopo . . . ad agendam penitentiam cogantur'. So oft Benedikt auch Auferlegung der Buße erwähnt, so bedient er sich doch, soweit ich sehe, nicht des hier vorkommenden Ausdrucks.

atque, si necesse fuerit, distringente comite] Auch für dieses Satzstück hat sich ein Vorbild nicht finden lassen, wenngleich 'necesse fuerit' in echten2wie in verfälschten3 Stücken zu finden ist, und sich für 'distringente comite' nähere und entferntere Parallelen beibringen ließen.4 Zur Sache vgl. oben S. 73 und Studie VIII D, S. 310ff. 320f.



[1) Vgl. MG. Capit. II Index s. v. bannus; andererseits z. B. 2, 99. 116. [2) Vgl. Karoli M. cap. prim. 769 c. 12 (MG. Capit. I, 46) = 3, 133 'si necessitas fuerit'; Admon. gen. 789 c. 81 (l. c. 61) = 2, 380: 'vel si forte necesse erit' (Ben. 'fuerit'); Cap. ad comites directa 801- 813 c. 3 (l. c. 184); Conc. in Francia hab. 818/19 - 29 c. 6 (MG. Conc. II, 595); Ep. Simplicii Florentino et Eq. et Sev. (Dion.-Hadr. ed. 1609 p. 505) und zugleich als Sachparallele Pipp. cap. ital. 801 - 810 c. 5 (MG. Capit. I, 209f.): 'ut episcopus suo comiti, ubi ei necessitas poposcit, adiutor . . .'. [3) Vgl. 2, 64 (dazu Studie VII A, S. 331). 3, 399 rubr.; ferner MG. Capit. I, 259 (c. 6). [4) Es mag der Hinweis auf 1, 364 (Studie VI, 120f.), auf Lex Visig. 3, 6, 1 (ed. Zeumer p. 167), auf Karoli M. cap. prim. 769 c. 6: 'adiuvante grafione qui defensor ecclesiae est' (dazu Studie VIII A, S. 356 zu 3, 128) und auf Cap. Worm. 829 c. 6. 7 (MG. Capit. II, 13) genügen.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 77]

3, 470c (Et si inobediens bis Schluß) Die meisten Anklänge für dieses in strengem Kapitularienstil gehaltene Stück bieten die Gesetze Ludwigs des Frommen vom August 829, ohne daß die Übereinstimmung in Wortlaut und Fassung so weit ginge, daß nachformende Fälschung durch Benedikt auch nur als Verdacht in Frage käme. Als nächtsverwandt sei Cap. Wormat. 829 c. 1 (MG. Capit. II, 12) hervorgehoben. . . . et ab episcopo vel a quolibet misso dominico admoniti oboedire noluerint1, ut bannum nostrum rewadiare cogantur et per fideiussores ad palatium nostrum venire iubeantur2; et tunc nos decernamus, utrum nobis placeat3, ut aut illum bannum persolvant, aut aliam harmiscaram sustineant.4

Ein Vergleich von 3, 470c mit diesem Kapitel und der in den Noten registrierten variierenden Ausdrucksweise gleichzeitiger Kapitel führt unmittelbar vor Augen, um wie viel wahrscheinlicher dem bekannten Material gegenüber zeitbedingte Gleichartigkeit als entlehnende Nachbildung ist. Das gilt in noch höherem Maß für alles, was sich in Einzelanalyse als Parallelen beibringen läßt.

Et si inoboediens extiterit] Gemeint ist der trotz Erschöpfung der Zwangsmittel5 noch nicht gebrochene Un



[1) C. 7 l. c. 'Et si quis contemptor inventus fuerit et nec episcopum nec comitem audire velit'; c. 10 l. c. 'Et si quis contemptor aut comitis aut missorum nostrorum propter hoc extiterit'; Cap. pro lege hab. Wormat. 829 c. 4 i. f. (l. c. 19): 'et postea sicut contemptores iussionis nostrae'. [2) C. 7 l. c. 'ad praesentiam nostram venire compellatur'; c. 10 l. c. 'per fideiussores ad palatium venire compellatur'; Cap. miss. Wormat. 829 c. 4 (l. c. 15): 'ut per f. missus ad praesentiam nostram veniat'; c. 6 (l. c.) 'sub fideiussione ad palatium nostrum venire compellatur'; c. 7 'ut sub fideiussoribus ad nostrum placitum veniant'; c. 10 'sub fideiussoribus ad nostram praesentiam veniat'; Cap. pro lege hab. Wormat. 829 c. 4 (l. c. 19) 'sub fideiussoribus ad nostram praesentiam venire compellantur'. [3) Cap. miss. Worm. 829 c. 6 (l. c.) 'ut ibi cum fidelibus nostris consideremus, quid de tali homine faciendum sit'. [4) Cf. Cap. miss. Worm. 829 c. 4 i. f. (l. c.) 'ne quis deinceps . . . praesumat'. [5) Hier nicht weiter genannte Zwangsmittel, über die oben 3, 432 zu vergleichen ist.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 78]

gehorsam gegenüber dem Kirchenbann. Die benutzte Wendung ist gebräuchlich, naheliegend und auch Benedikt geläufig. Vgl. Studie VIII C, S. 183, 186f., 210, 213, 248 und Studie VIII D, S. 336 zu 3, 433b.

nobis per fideiussores praesentetur] Die Strafe für sein Verhalten empfängt der durch Gestellungsbürgen vorzuführende Ungehorsame im Königsgericht. Keine der vielen bekannten Formulierungen kann als Vorlage der in 3, 470c gebrauchten angesprochen werden. Abgesehen von den bereits angeführten Fällen1 ist aus früherer Zeit noch hervorzuheben: Pippini reg. cap. 754/55 c. 3 (MG. Capit. I, 32) 'comes ipsam personam per fideiussores positam ante regem faciat . . . venire'; Cap. miss. 792 (786?) c. 4 (l. c. 67) 'aut per f. mittant aut si ipsi fideiussores non habuerint qui in praesentia domni regis illos abducant, sub custodia servent' .2 - 'firmissimus' kommt zur Kennzeichnung des Bürgen m. W. sonst nirgends vor; 'firmus' wird er in einem Inquisitionsmandat Ludwig II. 8533 genannt: 'sub wadia firmisque fideiussoribus hoc ante nostra venire fecissent presentia'.4



[1) Oben S. 77 mit N. 2. Zur Sache siehe Brunner-v. Schwerin, DRG. II2, 306 N. 13. [2) Vgl. ferner Cap. miss. 803 c. 4 (l. c. 115) = 2, 219; Cap. miss. Aquisgr. 810 c. 13 (l. c. 153); außerdem Hludow. II Cap. Pap. 850 c. 3 (MG. Capit. II, 86) 'per fideiussores idoneos talis persona ad nostram deducatur presentiam'; Cap. miss. Silvacense 853 c. 2 (l. c. 272) 'et ipsi per certos fideiussores ad praesentiam . . . perducantur'; c. 4 'per f. ad illius praesentiam perducatur; si autem alterius homo fuerit, senior cuius homo fuerit, illum regi praesentet'; c. 5 'per certos f. ad regis praesentiam perducatur; c. 7; Cap. Pistensia 862 c. 3 (l. c. 307). - Zur Sache vgl. noch Cap. miss. gen. 802 c. 37 (MG. Capit. I, 98); Cap. miss. spec. 802 c. 19 (l. c. 101); Cap. Aquisgr. 811- 813 c. 12 (l. c. 171) und Cap. legg. add. 818. 819. c. 9. 13 (l. c. 282 284). [3) Mühlbacher-Böhmer, Regesten2 Nr. 1192, Hübner, Gerichtsurkunden Nr. 755. [4) Nah verwandt ist allerdings nicht nur als Sachparallele Add. IV. 45 (gleichfalls unbekannter Herkunft aber ebensowenig Figment, wie 3, 470b. c): 'et fideiussores usque ad nostram praesentiam fidissimos comitibus . . . tribuant' (vgl. Cod. Theod. 16, 5, 15 ed. Mommsen p. 861: 'fidissimos . . . constituat, qui et cohibere hos possint et depre-



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 79]

ut aut in carcerem retrudatur aut in exilium deportetur] Eine Strafbestimmung übereinstimmender Fassung ist nicht zu ermitteln. Auch die alternative Bedrohung mit Einkerkerung oder Verbannung ist selten, aus Kapitularien nur einmal zu belegen1: Cap. Aquisgr. 801 - 813 c. 12 (MG. Capit. I, 171): 'in praesentia regis ducantur; et rex super eos districtionem faciat carcerandi, exiliandi usque . . .'.2 Nicht anders steht es mit den Redewendungen 'in carcerem retrudatur' und 'in exilium deportetur', wie sich aus dem Index MG. Capit. II s. v. 'carcer' und 'exilium' ergibt. Zu 'in carcerem retrudatur' vgl. Studie VIII D, S. 321f. mit Parallelstellen; entsprechende Wendungen bei Hinschius KR. V, 82 N. 2. 3. 4. 'In exilium deportetur' läßt sich nur mit c. 18 von Chlothars II. Edikt 614 (MG. Capit. I, 23) belegen u. z. als Strafe des Nonnenraubs im Fall kirchlicher Eheschließung und Konsenses.3 Der Ausdruck wird in 3, 470 c nicht anders zu beurteilen sein als in den Quellenkreisen, aus denen Benedikt diese Ausdrucksweise für Verhängung der Strafe des Exils übernommen hat.



hensos offerre iudiciis'); 'fidelissimi' gebraucht Ben. (s. Studie VIII C, S. 194) in 3, 392; 'firmissimo sunt tenenda' in der Praef. (MG. LL. IIb p. 39/40). [1) Im übrigen noch einmal bei Chrodegang, Regula canonicorum c. 15 (ed. Schmitz 1889 p. 11): 'Deinde quanto tempore vult episcopus . . . carcere vel exilio paciatur'. [2) Allerdings konkurrieren mit Exil andere Strafen; vgl. Cap. Olonn. mund. 825 c. 1 (MG. Capit. I, 329): 'sciat se omnem substantiam suam amissurum aut in exilio esse mittendum'; Cap. legg. add. 818/19 c. 9 (l. c. 282) 'componat et insuper bannum nostrum . . . solvat, vel in praesentiam nostram . . . advenire faciat, et . . . in exilio maneat' und Conc. Meld.-Paris. 845/46 c. 82 fin. (l. c. II, 420): 'insuper exilii vel afflictionis cuiuslibet, prout ordo ecclesiasticus et regalis severitas decreverit, ultione plectatur'. - Zu vermerken ist, daß Pseudo-Isidor (ed. Hinschius p. 145) in das Konzept Benedikts zu 2, 117 (= 385) für Ps.-Urban. 5 das Stück 'perpetua dampnetur infamia et carceri tradatur aut' vor 'exilio perpetue deportationis' einschiebt. [3) Über Exil als Strafe des Frauenraubs vgl. Cap. legg. add. 818/19 c. 9 (= 1, 238) (oben N. 2) und über diese Strafe im allgemeinen Brunner-v. Schwerin, DRG. II2, 772f.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 80]

Vgl. 2, 117 (S. 79 N. 2) und 2, 337 (Studie VII C S. 464).1 - Davon daß die Strafbestimmung die Hand Benedikts verrät, kann nicht die Rede sein, so wenig sie sich allerdings andererseits als kapitularienmäßig nachweisen läßt.

ut et ceteri timorem habeant, ne umquam talia agere praesumant] Über Urquelle und Parallelen für diese kapitularienmäßige Formel vgl. Studie VIII D, S. 323f. Die Fassung von 3, 470c stimmt in ihrer ersten Hälfte mit 3, 432g wörtlich überein, die zweite klingt an den Schluß von c. 17 Cap. miss. gen. 802 (MG. Capit I, 95) an: 'ut nullus . . . nullatenus tale quid perpetrare amplius presumserit' und noch mehr an drei Stellen der Gesta Aldrici: 'ne in posterum quisquam talia agere praesumat' (MG. Conc. II, 842 l. 9.); 'ne amplius quisquam talia agere praesumat' (l. c. 842 l. 16) und 'nec alii monachi deinceps talia agere praesumant' (l. c. 853 l. 4) ohne daß Anlaß vorläge, Schlußfolgerungen daran zu knüpfen. J.]

B. Zweite, ansteigende Unterreihe.

3, 471 = Conc. Tolet. I. 400 c. 11 rubr. (Hisp. (Migne 84, 330); =) Augustod. fol. 61b' [und Cod. Vindob. 411 fol. 99a] mit zwei geringfügigen Abweichungen: 'Placuit' als Anfangswort zugesetzt; 'potentum' statt 'potentium'.2 Vgl. oben 2, 319. 3, 209, unten Add. IV. 55 mit anderslautenden Rubriken [; die Rubrik von Add. IV. 55 ist jedoch im Verhältnis zur Rubrik von 3, 471 Parallelkomposition im Singular. J.]; Cap. Angilr. c. 8*.

3, 472 = Rubrik Conc. Tolet. I. cit. c. 13 rubr. (Hisp. (Migne 84, 331) =); Augustod. fol. 61b' [und Cod. Vindob.



[1) Vgl. noch Interpr. Brev. Cod. Theod. 5, 7, 2 (ed. Mommsen p. 224): 'Si quis . . . huic . . . praeceptioni resistere temptaverit, noverit se in exilio deportandum'; Lex Rom. Burg. 11, 3. 18, 3 und 32, 1. J.]
2) [Nur Vat. Pal. 583 und dessen Ableitung (Goth.? und) Vat. reg. 974 haben 'potentium'. Doch lesen alle Hss. in den Parallelkapiteln 2, 319 und 3, 209 (und Angilr.) 'potentum', während umgekehrt alle Hss. zu Add. IV. 55 'potentium' überliefern. J.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 81]

411 fol. 99a]1 mit zwei Abweichungen: 'in' vor 'ecclesiam' gestrichen; ebenso die Schlußworte der Originalrubrik ('ut excommunicentur'), so daß sich Benedikts Rubrik auf Angabe des Tatbestands, ohne Erwähnung der Rechtsfolge, beschränkt. Aus dem Text kann hier (anders als bei den übrigen Stücken der vorliegenden Reihe)2 die Rubrik Benedikts nicht wohl gebildet sein, weil im Texte Benedikts die originalgetreuen Worte 'et non communicant' nicht wiederkehren.

3, 472a (bis 'communicent') = rubr. c. 13 cit.1, in ziemlich freier Bearbeitung, wie sie uns schon in einem andern Kapitel dieser Reihe (3, 468) begegnet ist. Textverhältnisse:
Conc. Tolet. rubr. Ben.
  (De his), qui in ecclesiam   Placuit3, ut3 omnes3,
intrant qui in ecclesiam intrant,

  nisi4 a suo5 fuerint

excommunicati sacer-
  et non communicant, (ut dote5, ut6 communicent.
excommunicentur).




1) Bloße Sachparallelen (weil nur in Nebendingen zugleich Wortparallelen) sind Can. apost. c. 10, Conc. Antioch. 341 c. 2 Dion.-Hadr. (ed. 1609 p. XIb. 56); Capitula Martini Bracar. c. 83 (Migne 84, 586).
2) Vgl. oben 8. 62, 64.
3) Falscher Anfang wie bei 3, 468. 473; vgl. Ben. (2, 326). 3, 99, wo derselbe Anfang wenigstens teilweise echt ist.
4) Der interpolierte nisi-Satz bringt keine tendenziöse Neuerung, sondern besitzt nur monitorischen Charakter. Daß die Exkommunizierten vom Abendmahl ausgeschlossen sind, liegt im Wesen der Exkommunikation und hat von jeher gegolten. Wegen der Fassung vgl. unten 3, 474 in. [Zur fraglichen Ausnahme vom Kommunionsgebot vgl. die Studie VII B, S. 126 mit N. 2 und 3 zu 2, 170b beigebrachten Parallelen. J.]
5) Über die bei Ben. auch sonst anerkannte Exkommunikationsgewalt des Priesters vgl. Studie VII B, S. 161; ferner unten 3, 474a.
6) [Das in allen Ausgaben (bei Baluze vermutlich infolge unberechtigter Konjektur) fehlende 'ut' steht in allen Hss. (auch Vat. 4982) außer Goth. und Vat. reg. 974: in beiden, weil in ihrer Vorlage Vat. Pal. 583 das 'ut' nachträglich getilgt worden ist. Benedikt hat offenbar




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 82]

3, 472b ('Si qui' bis Schluß) ist ohne bekannten Quellenanhalt aus der kurzen Sanktion des Originals 'ut excommunicentur' 1 herausgesponnen. Benedikt will seine Leser ausführlich belehren, daß es sich um eine (ipso facto eintretende)2 Ausschließung von den Mitgliedschaftsrechten handelt, die jederzeit durch Buße und bischöfliche Rekonziliation beseitigt werden kann. In der Fassung seiner Vorschrift arbeitet Ben. mit Phrasen, die er teilweise auch an anderer Stelle schon gebraucht hat, wie die Noten zu nachstehendem Textabdruck zeigen:

Si qui autem hoc facere noluerint, tamdiu3 a com-

munione et a4 christianorum consortio4 habeantur

alieni4, quamdiu per5 satisfactionem5 ecclesiae5 a

proprio6 mereantur per7 manus7 impositionem7 recon-

ciliari8 episcopo6 et8 sanctae restitui communioni.8



zunächst aus der Hispana-Rubrik die Worte 'qui in ecclesiam intrant . . . communicant ut' herausgehoben, daraus 'qui in e. i. ut communicent' gemacht und dann, unbekümmert um die Konstruktion sein Initium 'Placuit ut' vorangestellt. J.]
1) Es tritt also nicht zunächst die (mildere) Zwangsbuße (vgl. Hinschius, KR. V, 85ff. 375) ein.
2) [Insofern wohl sachliche Neuerung im Sinne des Conc. Aquisgr. 836 Cap. III c. (22) 21 (MG. Conc. II, 722) ausgesprochenen Programms: 'Ideoque necesse est, quantum ratio permittit, ut moderna corrigatur consuetudo.' - Zu den ipso facto eintretenden Strafen vgl. Hinschius, KR. IV, 841 und V, 130 N. 6. J.]
3) [Vgl. 2, 88 . . . tamdiu sit . . . et a catholicorum consortio sequestratus . . . usque ad satisfactionem . . . atque reconciliatione proprii episcopi . . .
4) [Vgl. 2, 88 (oben N. 3). 2, 370h (Studie VII C, S. 485). 3, 143 fin. (Studie VIII A, S. 372). 261h (Studie VIII B, S. 34).
5) [Vgl. die Verweisungen und Hinweise Studie VIII C, S. 260 zu 3, 428; ferner oben Studie VIII D, S. 298 zu 3, 431r und S. 342 zu 3, 433d.
6) [Vgl. 2,88 (oben N. 3) und die Studie VIII D, S. 342 N. 6 zu 3, 433 d angeführten Stellen.
7) [Vgl. Verweisungen und Parallelstellen Studie VIII D, S. 345 zu 3, 433d.]
8) Vgl. 1, 128 fin.; zur Sache auch 2, 88. 101. 131.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 83]

Einzelne Ausdrücke sind Reminiszenzen an echte Quellen; vgl. zu

a communione . . . habeantur alieni] Conc. Tolet. I. 400 c. 19 (Migne 84, 332) und Conc. Turon. I. 461 c. 6 (Bruns II, 141): 'a communione habeantur alieni'; ibid. c. 3 i. f. (p. 140) und Conc. Venet. 465 c. 9 i. f. (p. 144): 'a communione habeatur alienus'; Conc. Arelat. II. 442 - 506 c. 3 (Migne 84, 241): 'a c. alienus h'.

a communione et a christianorum consortio (habeantur alieni)] Conc. Ilerd. 546 c. 6 (Migne 84, 323): 'a communione et a christianorum consortio (segregetur)'1

a christianorum consortio . . . alieni] Conc. Tolet. IV. 633 c. 75 (Migne 84, 385 A): '(efficiatur) . . . ab (omni) consortio christianorum alienus';

per manus impositionem] Studie VI, S. 80 N. 6 und Studie VIII D) S. 345 (oben S. 82 N. 7).

mereantur . . . (reconciliari)] Conc. Antioch. c. 2 med. Hisp. (Migne 84, 123): '(ut data venia suscipi) mereantur'.

3, 473 = Conc. Tolet. I. cit. c. 14 rubr. (Hisp. (Migne 84, 331); =) Augustod. fol. 62a [und Cod. Vindob. 411 fol. 99a]. Der echte Anfang 'De eo' wird durch das falsche Initium 'Placuit ut omnes'2 ersetzt; dementsprechend verwandeln sich vier Singulare (acceperit, sumpserit, sacrilegus, repellatur) in Plurale. Interpoliert ist ferner 'sacram' vor 'acceperi(n)t eucharistiam'.

3, 474 = Conc. Tolet. I. cit. c. 15 rubr. (Hisp. (Migne l. c.); =) Augustod. fol. 62a [und Cod. Vindob. 411 fol. 99a], in stark, erweiternder Bearbeitung (3, 474a) und mit hinzugefälschter Strafsanktion (3, 474b). In Benedikts Rubrik sind textfremd die Worte 'semper3 vitentur'.

3, 474a. Benedikts Text verhält sich zur Vorlage so:



[1) Vgl. auch Conc. Paris. V. 614 c. 15 (13) (MG. Conc. I, 190) = 3, 338: (a) communione vel omnium christianorum convivium (-o) in perpetuo sint sequestrati'. J.]
2) Vgl. oben 3, 468. 472 (S. 70 N. 1, S. 81 N. 3).
3) Vgl. oben 3, 468 (S. 70 N. 8).




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 84]


Conc. Tolet. rubr. Ben.
  De his, qui excommuni-   Placuit1, ut his, qui a
cantur a sacerdotibus2, ut suis3 excommunicantur sa-
nullus cerdotibus2, nullus fide-

lium communicet4, nisi5

quibus permissum ab eis

fuerit5; nec prius, quam
ad eos accedat. canonice reconcilien-

tur6, ad eos accedat.




1) Vgl. oben S. 65 N. 5.
2) [Das in vielen Fällen echte 'suus' dient Benedikt (ebenso wie 'proprius') in betonter Verbindung mit 'episcopus' zur Förderung seiner episkopalistischen Tendenzen. Vgl. z. B. 2, 57. 58 (Studie VII A, S. 330). 157 (a. a. O. S. 374f.). 3, 155 rubr. 203 (Studie VIII A, S. 409). 237 rubr. 394 rubr. 397 rubr. 415. 416 (Studie VIII C, S. 223). Da sich Benedikt gelegentlich auch für scharfe Abgrenzung der Pfarrsprengel einsetzt (vgl. z. B. die Interpolation in 2, 166, Studie VII B, S. 116 und zur Entwicklung Hinschius, KR. II, S. 262-269), so wäre das auch 3, 390 (rubr. und Text) 432d. 433b stehende 'suus' vor 'sacerdos' selbst dann nicht verwunderlich, wenn 'sacerdos' (worüber alsbald in der folgenden N.) nur als Synonym von 'presbiter' gebraucht sein sollte. J.]
3) [Im Sinne des Conc. Tolet. sind die sacerdotes Bischöfe (vgl. Phillips, KR. I, 282 N. 29; Loening, KR. I, 271 N. 2). Benedikt selber ist dieser Sprachgebrauch nicht mehr geläufig. Wohl kennt er, wie hier kurz zusammenfassend bemerkt sei, im Anschluß an echte Quellen den die Bischöfe mitumfassenden Gebrauch von 'sacerdos' ('episcopi et reliqui sacerdotes' vgl. 3, 109 rubr. 123. 281). Meist stellt er aber den Priestern als 'sacerdotes' die 'episcopi' gegenüber (vgl. z. B. 3, 141. 142. 214 rubr. und Text. 245. 401. 431f. g. s!). In unserem Kapitel wird ebenso wie oben 3, 472a im Sinne Benedikts mit der weiteren Bedeutung des Wortes zu rechnen sein. - Zur Exkommunikationsgewalt des Priesters vgl. oben S. 81 N. 5 zu 3, 472a. J.]
4) Über das 'communicare' excommunicatis vgl. oben S. 27 zu 3, 461 rubr.
5) nisi - fuerit] zu der Ausnahme vom Verkehrsverbot vgl. unten Add. IV. 88 fin.: 'nisi quibus . . . iusserit episcopus'. Sachlich gehört auch Ben. 2, 370k (v. 'nisi pro emendatione') in diesen Zusammenhang. Belege aus jüngerer Zeit bei Hinschius, KR. V, S. 4 N. 4.
6) Nach dieser Stelle tritt das Verkehrsverbot nicht schon mit der Satisfaktion außer Kraft (so Ben. 2, 370k cit.), sondern erst mit der




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 85]

3, 474b ('Quod si' bis Schluß) [Die von Benedikt erdichtete Sanktion besteht aus Reminiszenzen an zwei bekannte Wendungen. - Zur Sache ist daran zu erinnern, daß die Übertretung des Verkehrsverbotes vor Benedikt nur an Geistlichen allgemein, an Laien aber lediglich in einzelnen Exkommunikationsfällen mit Exkommunikation geahndet wurde.1 Als generelle Strafe für Übertretung des Verkehrsverbotes begegnet die Exkommunikation nach Hinschius KR V, 4 N. 1 erst bei Pseudo-Isidor, dem jedoch Benedikt in 3, 474 den Rang abläuft. J.]

Quod si quis facere temptaverit] Fast formelmäßige Überleitung zur Strafsanktion. Vgl. z. B. 1, 211. 212. 3, 166 und 172c (dazu Studie VIII A, S. 388 und 391), insbesondere 3, 140 fin.: 'Quod si quis (hoc) facere temptaverit'.2 [Zur relativischen Anknüpfung mit 'Quod si' vgl. oben S. 74 zu 3, 470b. J.]

simili sententiae subiaceat] Diese Wendung geht letztlich zurück auf Exod. 21, 31 i. f. (oben 2, 14b fin.; Studie VII A, S. 322); wortgleich findet sie sich z. B. im Capitulare ecclesiasticum 818. 819 c. 24 i. f.3 (MG. Capit. I, 279) [und fast identisch in einem vereinzelten sachlichen Vorgänger von 3, 474, in der Diöcesansynode von Auxerre 573 - 603 c. 394 (MG. Conc. I, 183) J.]



Aufhebung der Exkommunikation durch den besonderen Akt der Rekonziliation (Hinschius KR. V, S. 145f.). Dieser Akt muß 'canonice' erfolgen, d. h. wenn es zur Auferlegung öffentlicher Buße gekommen war, durch den Bischof (Hinschius a. a. O. S. 94. 98); dadurch erhält unser Kapitel wohl auch eine Spitze gegen die Chorbischöfe. [1) Vgl. Hinschius KR. IV, 704 (N. 7. 8), 801 (N. 3 mit einer vereinzelten Ausnahme, s. unten zu N. 4) und V, 3 (N. 9), 4 (N. 1). J.]
2) Vgl. Studie VIII A, S. 359 insbes. N. 10; [ältester Beleg Conc. Antioch. 341 c. 22 Dion.-Hadr. (ed. 1609 p. 66) 'Si quis autem tale aliquid facere tentaverit'. J.]
3) Vgl. dazu Seckel, Die Aachener Synode vom Januar 819 N. A. 44 (1922), 26.
4) 'simile sententia subiacebit.'




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 86]

3, 475 = Lex Visig. 12, 3, 10 in. Erv. (MG. LL. Visig. p. 437 l. 6-12); vgl. unten Add. IV. 1. Abweichende Rubrik in der Vorlage. Der Text Benedikts unterscheidet sich von dem Text der Quelle1 hauptsächlich durch die Streichung (oder vielleicht eher durch die vom Gleichschluß verursachte zufällige Auslassung) einer längeren Partie in dem Zitat aus Amos (2, 6 fin. 13 - 16) hinter 'robustus'.2 Im übrigen ergibt die Textvergleichung3 folgende Verschiedenheiten: 'extraneus a' Visig. (und Add. IV. 1), 'extraneus' codd. Ben.4; 'defensorem se veritatis' Visig., 'se defensorem severitatis'5 Ben. (auch Add. IV. 16); 'ego stridebo' Visig. (und Ben. Add. IV. 1), 'stridebo ego' Klasse I der Ben.-Hss.78




1) Am nächsten steht Ben., wie auch sonst (Studie VII A, S. 373, 376 (zu 2, 150. 159), Studie VII C, S. 472f., 519 (zu 2, 349. 351. 354. 355. 411) dem cod. E 1; mit diesem schreibt er ('calciamentis' und) 'effugiet', mit diesem läßt er am Schluß des Amos-Zitats die Worte 'in die illa, dicit Dominus' weg.
2) Von dem Passus der Lex Visig.: 'robustus non salvabit animam suam, et tenens arcum non stabit, et velox pedibus suis non salvabitur, et ascensor equi non salvabit animam suam, et robustus' (= Amos 2, 14 fin. - 16 in.) ist bei Ben. 3, 475 nur das eine Wort 'robustus' übrig geblieben (etwas mehr unten Add. IV. 1, nämlich: 'robustus non salvabit animam suam, et robustus').
3) 'Quam si' statt 'Quam sit' ist Druckfehler der Pertzschen Ausgabe). Migne hat den Fehler treulich wiederholt.
4) Par. 4634. 4636; Vat. Pal. 583. Goth. Nur der gelehrt überarbeitete cod. Vat. 4982 (= Bellovac. = Baluze = Pertz) schreibt: 'extraneus a' [, so aber auch Par. 4635. J.]
5) 'severitatis' Par. 4634. 4636. Vat. 4982. Par. 46351. Vat. reg. 974.; 'seu veritatis' Vat. Pal. 583; 'veritatis' Par. 46352. (davor Rasur) Goth.
6) 'severitatis' Par. 4634. 4636. Vat. Pal. 583. Goth.1 Par. 4635; 'veritatis' Vat. 4982. Goth.2 (beidemal gelehrte Besserung); 'siaveritatis' Phill.
7) Par. 4634. 4636. Vat. 4982; dagegen 'ego stridebo' Klasse II (Vat. Pal. 583. Goth. Par. 4635. Vat. reg. 974).
8) Statt 'foeno' (so Visig.; Ben. Add. IV. 1 in allen kollationierten Hss.; Ben. 3, 475 in codd. Vat. 4982. Vat. Pal. 583. Goth. Par. 4635. Vat. reg. 974) schreiben die beiden guten Parisienses 4634. 4636 in Ben. 3,475: 'fęnum'.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 87]

3, 476 = Conc. Tolet. III. 589, Edictum Reccaredi regis 'Universorum sub regni', letzter Absatz (Hisp. (Migne 84, 358 A. B); teilweise abweichend) Augustod. fol. 70b'. 71a [und Cod. Vindob. 411 fol. 114a]. Benedikts Rubrik zum Teil aus textfremden Worten gebildet. Benedikts Text stimmt an [einer] Stelle mit der Augustod. [und der Gallica Vindob.] gegen die reine Hispana überein ('minoris' Aug. [Vindob.] Ben.; 'inferioris' Hisp.); [an einer weiteren mit der Vindob. gegen die Augustod. und die reine Hisp. ('exilio' Vindob. Ben.; 'exilium' Aug. Hisp.)1 und - kaum ins Gewicht fallend - an einer dritten mit der Augustod. gegen die beiden unverfälschten Formen der Hisp. ('perstrinximus' Aug. Ben.; 'praestr-' Vindob. Hisp.). Außerdem hat aber an einer vierten Stelle] aller Wahrscheinlichkeit nach der Text nicht der reinen Hisp. [und der Vindob.]2, sondern der Augustod.3 dem Benedikt4 vorgelegen. Von allen Formen der Hispana weicht Ben. in Folgendem ab: 'episcopus, presbyter, diaconus aut'5 vor 'clericus fuerit', 'ab omni concilio'6 hinter 'clericus fuerit' von Ben. gestrichen.7



[1) Abzusehen ist von Übereinstimmungen zwischen offenbaren Schreibfehlern der (von Schreibfehlern starrenden) Wiener Hs. der Gallica mit korrupten Lesarten der Benedictus-Überlieferung. So liest der Cod. Vindob. 411 'aurum sanctionem', während Par. 4634 'haurum sanctionum' hat und Hss.-Klasse II auf eine Vorlage mit 'harum sancionem' zurückgeht (so Vat. Pal. 583 und Vat. reg. 974; Goth.1: -ne, Goth.2: -ni). J.]
2) v. 'si vero laicus fuerit et honestioris loci persona est'.
3) 's. v. l. fuerit et h. l. p. fuerit.
4) Ben. streicht das hinter 'persona' stehende Wort der Vorlage; diese Streichung ist schwer verständlich, wenn das fragliche Wort 'est' lautete, wie denn auch im Folgenden ('Si vero minoris loci persona est') das 'est' aus der Vorlage von Ben. beibehalten wurde. Hieß dagegen das fragliche Wort 'fuerit', so lag die Streichung überaus nahe.
5) Weil überflüssig, oder vielmehr, weil Benedikt auch die Metropoliten (Hinkmar!), die sich dem Recht der Pseudo-Kapitularien nicht fügen, mit dem Kirchenbann bedroht wissen will.
6) Über den Träger der Exkommunikationsgewalt will sich Ben. hier nicht äußern; auch hätte es allen seinen Begriffen von bischöf-




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 88]

3, 477 = Cod. Theod. 16, 2, 29 (ed. Mommsen p. 844); zu Satz 1 vgl. oben 2, 114.1 Rubrik von Ben.; die meisten Worte textfremd; vgl. zu

ab antecessoribus nostris] oben 2, 103 interp. 3, 421b interp.; die Phrase begegnet nicht selten in echten Kapitularien, vgl. MG. Capit. II, Index s. v. antecessores (imperatoris, regis);

cultum divinum] ebenfalls den Kapitularien geläufig, vgl. den angeführten Index s. v. cultus;

semper] häufig von Ben. zur Betonung in Interpolationen und Rubriken verwendet, vgl. z. B. oben 2, 103 interp., nebst Parallelen (Studie VII A, S. 358 N. 5) [und oben S. 70 N. 8 zu 3, 468.].

ut . . . illibata2 permaneant] wörtlich aus Leo I. ad Marcianum imp. 'Multa mihi' a. 453 (Jaffé 491) Hisp. (Migne 84, 728 A) = oben 2, 329.

Der Text ist in den Auszügen aus Cod. Theod. XVI (E, YD, (O); vgl. Studie VIII B, S. 71 N. 6 - 8) überliefert. Wie die Lesarten ergeben, folgt Ben. hier nicht E (und nicht O), sondern YD ('Quaecumque' YD Ben., 'Quacumque' E; ['sunt statuta' YDE Ben. 'statuta sunt' O.]; 'sacrosanctas' YD Ben., 'sacras sanctas' E, ('sanctas' O); 'tuitio' YD Ben., 'vitio' E; 'deferatur' YD Ben., '-rantur'3 E; 'quia' YD Ben., 'qui' E; ('reverentiae' YD E Ben., '-tiam' O); 'praestita'



licher Zuständigkeit widersprochen, wenn es zur Bannung eines Priesters oder Diakons erst noch eines Synodalbeschlusses bedurft hätte.
7) [Es ist hingegen nicht ohne weiteres anzunehmen, daß Benedikt mit Hss.-Klasse I (Par. 4634. 4636. Vat. 4982) 'honestioris persona' ('personae' Par. 4634. Vat. 49821) statt 'honestioris loci persona' (so alle Formen der Hisp.) geschrieben hat; denn Hss.-Klasse II geht auf eine Vorlage zurück, in der 'loci' zu 'lici' korrumpiert war: Vat. Pal. 5831: 'licita',; Vat. Pal. 5832: 'lict'; Goth.1: 'licit'; Goth.2 und Vat. reg. 974: 'licet'. J.]
1) Zur Sache: oben 2, 329 fin. nebst Parallelen (Studie VII C, S. 461 N. 1 a. E.).
2) Vgl. oben 3, 421 rubr., 3, 445 rubr. und dazu Studie VIII C, S. 245f.
3) [So nur der willkürliche Vat. reg. 974.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 89]

YD Ben.; 'praestituta' E (O)). Auch von YD weicht Ben. in einer bedeutungslosen Kleinigkeit ab: 'omnibus' statt 'omnibusque' (E, Ya Da, (O)) bzw. 'omnibus quibus' (Yb Db).12

3, 478. In diesem Schlußkapitel, dem Epilogus 'trium ultimorum . . . istorum librorum', nimmt wieder3 Benedikt selbst das Wort. Wie in seinen Fälschungen und Interpolationen, zeigt seine Rede auch hier gelegentliche Reminiszenzen an echte Quellen; freilich scheint er die Unkosten der Fassung im Wesentlichen aus Eigenem bestritten zu haben.

3, 478a (bis 'legatio'). Zu 'capitula . . . apostolica . . . auctoritate roborata' vgl. oben 2, 383 rubr. 'Ex capitulis . . . apostolica auctoritate . . . decretis'; 3, 431r: 'decreta apostolica . . . auctoritate renovata' (vgl. Studie VIII D, S. 296); 3, 439 'patres synodali et apostolica auctoritate . . . decreverunt' (vgl. Studie VIII D, S. 358); zum Ganzen Benedikts Vorrede, MG. LL. IIb, 40 Zeile 7 - 10;

zu (his4 condendis maxime) apostolica interfuit legatio' vgl.5 die Aufschrift, welche in der Dionysio-Hadriana6 (ed.




1) [Das im Text folgende 'qui' hat offenbar auf ein in 'omnibusqui' korrumpiertes 'omnibusque' (vgl. dazu oben S. 41 N. 3) verschieden eingewirkt: einmal (Yb Db) hat es zur Verschlimmbesserung 'omnibus quibus', das andere Mal (Ben.) zur Streichung der Korruptel 'qui' geführt. Immerhin bezeugt auch hier die mit Yb Db gemeinschaftliche Wurzel der Abweichung die Verwandtschaft der Quelle.
2) [Dagegen entfernt sich Benedikt nicht mit der Lesart 'mutari' statt 'inmutari' von seiner Vorlage, da 'mutari' nur von Vat. Pal. 583. (Vat. reg. 974). Goth. vertreten, 'inmutari' dagegen von der Hss.-Klasse I (Par. 4634. 4636 Vat. 4982 = Bellov.) und aus Hss.-Klasse II von Par. 4635 als richtiger Text bezeugt wird. - Andererseits geht Hss.-Klasse I mit 'his' (? Par. 4634. 4636: h) statt 'ex his' auf eine insoweit verderbte Vorlage zurück. J.]
3) Die letztvorhergehende Äußerung, die sich offen als eigene gibt, ist das kleine Prooemium zu Buch III.
4) Nämlich: 'capitulis'.
5) Erstmals beobachtet.
6) Auch schon in reinen Dionysiana (ed. Migne 67, 222 A).




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 90]

1609 p. 271; ed. Amort II, 225) der Vorrede1 der zweiten Sitzung (30. Mai) des Karthagischen Konzils vom Jahre 419 gegeben wird. Die Aufschrift lautet: 'Item huic concilio interfuit ecclesiae Romanae legatio'.

3, 478b ('Nam - fastidia'):

(Nam) eorum2 nomina (praeter trium, id est Leonis3, Sergii4 et Georgii5 6 hic non inseruimus . . . vitantes legentium atque scribentium fastidia] vgl. oben 3, 431p: ' . . . pro fastidio . . . scriptorum7 sive lectorum7 hic non inseruimus'.

[Der Sache nach verwandte Äußerungen finden sich bei Jonas8, im Conc. Paris. 8299, insbesondere aber im Aache-^\ner Konzil vom Jahre 836, dessen Formulierungen Benedikt sehr wohl vorgeschwebt haben können, als er seine Wendung zurechtzimmerte. Vgl. Conc. Aquisgr. 836 Epist. ad Pipp. regem Lib. I. inc. (MG. Conc. II, 730 l. 5. 6): 'vitantes illius prolixitatem adnectere nequivimus'; c. 38 (l. c. 746 l. 8. 9 Schluß des Lib. I!): 'quae huic opusculo ob sui




1) Die Vorrede 'Post consulatum' steht zwischen c. 94 und 95 des sog. Concilium Africanum.
2) Das heißt: der Päpste und der päpstlichen Legaten.
3) Papst Leo III.; vgl. oben 1, 35. 36; 3, 142d. 260g. 423.
4) Papst Sergius I.; vgl. oben 1, 6.
5) (Päpstlicher Legat) Georgius, episc. Romanus (Ostiensis); vgl. oben 1, 6 - 8. Zur Sache: Hinschius, KR. I, 505 (N. 1). 506f.; Maassen, N. A. 18 (1892) S. 297ff.
6) Vergessen oder unterdrückt (weil nicht als päpstlichen Legaten erkannt?) hat Ben. den Johannes sacellarius (oben 1, 6). [7) So der richtige (zu 3, 431p noch nicht berücksichtigte) Ben-Text. [8) De inst. laic. Praef. i. f. (Migne 106, 124 B): 'Et ne ob sui prolixitatem taedio esset legentibus' und abgesehen von De inst. reg. c. 4 i. f. (l. c. 292 C) und De cultu imag. Lib. I i. f. (l. c. 342 A), wo von 'ob prolixitatem vitandam' und 'prolixitate vitanda' die Rede ist; De cultu imag. Lib. II i. f. (l. c. 364 C): 'At vero ne . . . prolixitas legentibus generet taedium'. [9) Lib. I c. 2 (MG. Conc. II, 610 l. 27. 28) 'innumera exempla, quae hic ob prolixitatem vitandam praetermittuntur'; c. 53 (l. c. 646 l. 16. 17) 'quas hic enumerare magni est tedii magneque prolixitatis'.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 91]

prolixitatem vitandam non inseruntur'; Lib. II. pr.! (l. c. l. 15. 16): 'ob utilitatem legere volentium et fastidiosis taedium auferendum'.1 Schwerlich stehen Benedikt näher die Parallelen J.] aus den Gesta domni Aldrici Cenomannicae urbis episcopi a discipulis suis2, wo es heißt3: (c. 5 p. 20) 'quae propter taedium lectoris atque auditoris hic non inseruimus'; (c. 16 p. 56f.) 'quae in his schedulis propter . . . fastidium audientium vel legentium sive taedium scribentium inserere minime libuit'; (c. 44 p. 126) 'quorum nomina propter . . . taedium scriptoris atque lectoris hic non inseruimus'.

3, 478c: Si quis autem plenius ea nosse voluerit, istorum legat autentica, quibus illa inserta reperiet] vgl. aus Ben. selbst: oben 1, 36: 'Si quis autem scire desiderat, quales testes . . .4, pleniter in canonibus reperire poterit'; (3, 142i: 'quae scrutari et scire cupientibus perfacile patent'; 3, 143d Ende: 'cunctis earum gesta legentibus liquet').5 - Benedikts erlogene Behauptung in 3, 478c kann eine Reminiszenz sein an Jonas, De inst. laic. II, 20 (Migne 106, 211 C) 'Hoc qui plenius nosse voluerit, librum . . . legat; III, 15 i. f. (l. c. 265 B) 'Si quis igitur de hac re plenius et copiosius nosse desiderat, legat librum . . .'; oder auch an folgende echten Quellen synodalen Ursprungs: Conc. Cabill. 813 c. 67 i. f. (MG. Conc. II, 285) ' . . . qui plenius nosse desiderat, sanctarum scripturarum prata percurrere non desistat'; Conc. Aquisgr.



[1) Vgl. ferner II 'De doctrina episcoporum' i. f. (c. 16) (l. c. 714 l. 23. 24): 'additus est, ut non in tedium auditui vertatur'; Epist. ad Pipp. regem Lib. II i. f. (c. 31 l. c. 758 l. 41) 'Sed ob prolixitatem vitandam pretermittenda nobis visa sunt'; Lib. III c. 17 (l. c. 764 l. 12 - 14) 'Cum . . . multa . . . exempla proferri potuissent, propter taedium tamen legentium pauca prolata atque congesta sunt; c. 24 (l. c. 766 l. 10. 11) 'quae ob prolixitatem vitandam omittuntur'. J.]
2) Edd. R. Charles et L. Froger (Mamers 1889); verfaßt um 840; vgl. Seckel, Art. Pseudoisidor, S. 277 Z. 44ff., S. 286 Z. 4ff.
3) Vgl. Simson, Entstehung der pseudoisid. Fälschungen S. 60; Lurz, Über die Heimat Pseudoisidors S. 49 - 52.
4) Vgl. Studie VI, S. 70.
5) Vgl. auch 3, 431 q.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 92]

836/7 Cap. II A c. 6 (18) i. f. (MG. l. c. p. 709) 'discretiones personarum, quae in eodem libro a plenius scire volentibus inveniri possunt'; ibid., Epist. ad Pipp., lib. I c. 38 i. f. (MG. l. c. p. 746) 'quicumque plenius . . . de his . . . scire voluerit, Pentatheucum . . . legat et de his . . . repperire valet, quae huic opusculo . . . non inseruntur'; ibid., lib. II c. 17 (55) med. (MG. l. c. p. 752) 'Quis quis enim ex asse nosse cupit, . . . seriem eorundem librorum diligenter legat et profecto repperiet'. Auch in den angeführten Gesta Aldrici hätte Ben. Anknüpfungspunkte finden können: (l. c. p. 126) 'sed in alia scedula, in qua nomina eorum . . . plenius inseruimus, ut si quis haec plenius nosse voluerit, in ea reperire valeat'.1

3, 478d ('Interdum - inserta'). Einzelne Phrasen hat Ben. schon früher verwendet:

haec (capitula) . . . amando] von der 'Liebe' zu den Capitula spricht auch Ben. Praefatio MG. LL. IIb, p. 40 l. 20/21: 'iam dicta capitula . . . amare';

non neglegat] vgl. oben 3, 465a interp. (oben S. 67 N. 5);

pro . . . utilitate sanctae Dei ecclesiae] vgl. Ben. Praefatio, MG. LL. IIb, p. 39 l. 40 'pro . . . sanctae Dei ecclesiae . . . utilitate'; p. 40 l. 15/16: 'ad s. D. e. . . . utilitatem'. [Vgl. hierzu Studie VIII C, S. 247 N. 6 zu 3, 421b, ferner als ältesten Beleg Conc. Antioch. c. 20 Dion.-Hadr. (ed. 1609 p. 65) 'Propter utilitates ecclesiasticas' und die Dekretalenanfänge bei Gregor I. 'Ecclesiasticis utilitatibus' (J. 1222. 1503) und 'Ecclesiasticae utilitatis' (J. 1341. 1622).]

haec . . . sunt collecta isticque inserta] vgl. Ben. Praefatio, l. c. p. 39 l. 34: 'capitula, quae . . . sunt collecta atque . . . coacta'; p. 39 l. 36/37: 'quaererentur et . . . insereren




1) Eine ähnliche Wendung findet sich ferner in den Actus pontificum Cenoman. (ed. G. Busson - A. Ledru, Archives hist. du Maine II, 327) am Schluß des ersten Teils und am Schluß des letzten Absatzes (der auf das Stück 'Quod si David' folgt): 'Quod si quis plenius investigare desiderat, in gestis et annalibus regum Francorum sufficienter poterit invenire'.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 93]

tur'1; p. 40 l. 13/14: 'quaedam . . . collecta sunt inserta capitula'; Add. II. Prooem.: 'Capitula . . . collecta . . . hucque inserta'; 'reperta hac in scedula . . . sunt inserta'; Add. IV. Prooem.: ' . . . capitula . . . colligere atque inter nostra capitula . . . inserere'.

3, 478e ('Legentibus' bis Schluß). Mit seinem mehrfach gereimten trichotomischen Segenswunsch: 'Legentibus pax, custodientibus gloria, operibusque2 haec2 complentibus2 vita ut tribuatur aeterna oramus' scheint mir Ben. in die Lehre gegangen zu sein3 bei irgendeinem Sammler oder Abschreiber, der sein Opus mit einem ähnlichen Wunsche schloß. Von solchen frommen Abschiedswünschen aus Epilogen von Sammlern oder aus Subskriptionen von Schreibern notiere ich beispielshalber folgende, um zu zeigen, an welche Kategorie4 von echten Vorbildern Benedikt hier wahrscheinlich anknüpft.5 In der Kanonensammlung der Hs. von Diessen (cod. Monac. 5508, saec. IX.)6 hat der Autor der ursprünglichen Sammlung, wie sie im 7. Jahrhundert (nach 626) entstanden ist7, im Epilog geschrieben: 'Lege letanter, intellege prudenter, comple efficaciter. Legenti vita, possidenti pax per




1) 'Inserere' begegnet noch öfter in der Praefatio.
2) Vgl. vorhin 3, 478d: 'haec . . . operibus conplendo'.
3) Erstmals beobachtet.
4) Ich behaupte nicht, gerade die Subscriptio gefunden zu haben, [deren sich Benedikt sei es nachformend, sei es abschreibend bedient hat.]
5) [Freilich ist aber auch damit zu rechnen, daß er sich durch den Umstand anregen ließ, daß die Admonitio generalis 789 (MG. Capit. I, 62 l. 13. 14) mit dem dreigliedrigen Spruch schließt: 'Pax praedicantibus, gratia oboedientibus, gloria domino nostro Iesu Christo. Amen.' Beachtlich scheint auch der parallele Aufbau einerseits 'praedicare' und 'oboedire' in der Admonitio, andererseits 'legere', 'custodire' und 'complere' bei Benedikt. J.]
6) Maassen, Gesch. der Quellen I, 624. 7) Maassen, a. a. O. S. 631.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 94]

petua, scriptori praemia aeterna. Amen.'1 In dem langen Schlußvermerk des bretonischen Schreibers Arbedoc an dem Ende des cod. Par. 12021 = Sangerm. 121 (Corbeiensis; 8. Jahrhundert nach Knust, 10. - 11. Jahrhundert nach Maassen) steht der Wunsch: 'Pax legenti2, sanitas audienti2, vita3 perficienti2 in futuro' .4 5           

Nachträge.

[Nachträge zu den Studien VI und VII A - C, d. h. zur Ermittlung der Quellen von Buch I und II, bleiben mit einer Ausnahme der künftigen Ausgabe vorbehalten; ebenso6 die Ergänzungen und Berichtigungen, die sich aus der kritischen Herstellung des Textes und aus der Heranziehung von Hilfsmitteln ergeben, die Seckel für die Feststellung der Zwischenquellen noch nicht zur Verfügung standen.

Im voraus seien jedoch die Benutzer dieser Studien darauf aufmerksam gemacht, daß es Paul Fournier7 gelungen ist, die reihengetreu benutzte Vorlage für die Kapitel 2, 171 - 206 (ausgenommen 2, 176. 182. 188. 193. 199. 205) in den ersten 34 Kapiteln einer von ihm aufgefundenen, 'Institutio canonum' genannten, Sammlung der Hs. von Vesoul Nr. 73 (fol. 44 - 53) zu entdecken. Damit werden die Ergebnisse von Seckels kritischen Forschungen, die diese




1) Mehrfach aus der Hs. herausgegeben, zuerst von Amort, Elem. iur. can. II (1757), 471, später von Maassen a. a. O. S. 631 und von W. Arndt bei Wattenbach, Schriftwesen3 S. 290.
2) '-di' Hs.    
3) 'vitam' Hs.
4) Aus der Hs. herausgegeben von Maassen, Bibl. Lat. ius. can. ms. I, 2 (Wiener SB. 54, 1866), S. 265; von demselben, Gesch. I, 787; von Wasserschleben, Die irische Kanonensammlung2, S. XXXI (aus Knusts Materialien). Vgl. etwa noch den Spruch von Cod. Phill. 1763 (Rose, Katalog der lat. Meerman-Hss. S. 182): 'Sit utenti gratia, largitori venia, fraudanti anathema.'
5) Was sich an ähnlichen Subskriptionen bei Wattenbach a. a. O. S. 494. 496 findet, kommt hier nicht in Betracht, weil die Fassung von Benedikt weiter absteht als in den oben mitgeteilten Sprüchen. [6) Mit einer mehr zufälligen Ausnahme zu 3, 284. [7) Revue des sciences religieuses 6 (1926) S. 79ff.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 95]

Kapitel als Teile einer Reihe (2, 170-209) erschlossen hatten1, glänzend bestätigt. Hervorgehoben sei in diesem Zusammenhang nur, daß Seckels Analyse, die die Zusammensetzung der Reihe betrifft, nunmehr auf die aufgefundene Vorlage übertragen und an ihr nachgeprüft werden muß. Diese Vorlage ist, entgegen der Meinung Fourniers, jedenfalls nicht als einheitliche primäre Quelle, etwa als Diözesanstatut, sondern als mindestens teilweise kompilatorische Zwischenquelle anzusehen.2 Zur Ergänzung der Angaben Fourniers3 über die Sammlung der Hs. von Laon 201, sei aus Seckels Aufzeichnungen mitgeteilt, daß sich dort (Bl. 86a. b.) das bei Ben. 2, 185 enthaltene Stück (= c. 13 der 'Institutio canonum') mit dem Initium 'Quoniam scriptum est' statt 'Notum est omnibus' und ohne den Schlußsatz 'Et qui amplius - caelorum' findet.

Zu den Studien VIII A und B enthielten Seckels Handexemplare in Stichworten folgende Nachträge, die er als solche in der letzten Studie verwertet wissen wollte:

3, 2 rubr. 3, 12 rubr. 3, 130 rubr. Vorbild der Redewendung 'episcopo . . . subiectus' ist Conc. Germ. 742 c. 3 in. (MG. Capit. I, 25), Conc. Suess. 744 c. 4 (l. c. 29) oder Karoli M. Cap. primum c. 8 (l. c. 45).

3, 16. (contra Evangelium) vel contra apostolum] vgl. Leo I epist. ad Thuribium Asturicensem ep. 'Quam laudabiliter' a. 447 (J. 412) c. 16 i. fin. (Migne 84, 754 A/B): '(is contra Evangelium Christi), contra apostolicam doctrinam'.



[1) Studie IV (1901 NA. 29), S. 311 - 324; Studie VII B, S. 116 - 175. [2) Das ergibt sich allein schon aus dem von Seckel hervorgehobenen sachlichen Widerspruch zwischen 2, 186 und 187 (Fastenzeiten das eine Mal nach griechischem, das andere Mal nach römischem Brauch). Schwer begreiflich ist es, wie es Fournier über sich vermochte, lediglich gegen ein stilistisches Kriterium, das Seckel nur als unterstützendes Merkmal herausgearbeitet hatte, zu polemisieren, ohne auch nur mit einem Wort auf die sachlichen Schwierigkeiten einzugehen, die seiner Meinung entgegenstehen. Die kurzen und fragmentarischen Mitteilungen Fourniers ersparen im übrigen nicht eine erneute Untersuchung der Hs. [3) A. a. O. S. 227. J]



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 96]

3, 34a. aut alia] Quelle der Änderung (statt 'neque aliqua') ist die Hisp., die in allen Gestalten 'neque alia' liest.

3, 106b. clamante canonum tuba] vgl. Innocentii I. epist. ad Florentium ep. Tiburtinum 'Non semel' a. 401 - 417 (J. 317) in. (Migne 84, 655 B): 'clamat scriptura divina'; ferner die Interpolation im Libellus apologeticus des Ennodius (Hinschius Decretales pseudois. 665 Sp. 2), und dazu Maassen, Pseudoisidor-Studien I S. 43 unten.

3, 116; 3, 142b. potestative] Ben. hat dieses Wort dem Conc. Caesaraug. III. 691 c. 3 med. (Migne 84, 319 D) entnommen. Vgl. auch 1, 116 i. fin. und Studie VII B, S. 186 zu 2, 246.

3, 148. 'et ea quae vitanda sunt prohibeat, et quae agenda sunt utiliter agere suadeat.' ] Vorbild für diese Wendung ist Theodulfus Aurel., Capitulare primum c. 21 (Migne 105, 197 A): 'quid agi quidve vitari debeat'. Ich füge als entfernteres Vorbild Conc. Cabill. 813 c. 67 (MG. Conc. 11, 285): 'quid generaliter . . . sequendum sit quidve vitandum . . .' hinzu. Näher noch als 3, 148 lehnen sich an Theodulf an 3, 202 post med. und 3, 231 sub fin.

3, 155e. 'Et per inoboedientiam primus homo cecidit'. Als verwandt erwähnt Seckel in einer besonderen Notiz Hincmari Remensis Libellus expostulationis adv. Hinc. Laud. (Migne 126, 621 B): 'Sed et inobedientiam, propter quam homo est eiectus de paradiso . . .'. Vorbild oder entferntere Quelle dürfte jedoch für Ben. wie auch für Hincmar die Bibel sein. Vgl. Rom. 5,19 'Sicut enim per inobedientiam unius hominis . . .'

3, 173 fin. 'ut ab eo, quicquid iustum et Deo placitum fuerit, terminetur' ] Benutzt wird eine von Gregor I. in drei Briefen: Registr. 2, 20 fin. (J. 1173) = 2, 21 fin. (J. 1174) = 2, 22 fin. (J. 1175) (MG. Epist. I, 117 Z. 28f.; 118 Z. 34f.; 120 Z. 4f.) verwendete Schlußformel: 'ut quicquid iustum, quicquid omnipotenti Deo placitum fuerit . . . decernamus'. Vorquelle ist Leo I. ad Anast. Thess. ep. 'Quanta fraternitati' 446 J. 411 c. 10 (Migne 84, 773 B) rubr.:




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 97]

' . . . ut ab eo quod Deo placuerit ordinetur', Text: ' . . . ut . . . quod Deo placeat decernatur'.

3, 179. Vgl. den Studie VIII C, S. 185 N. 6 nachgetragenen Nachweis betreffend die Aufzählung der entstellenden Körpermängel.

3, 202. Vgl. den Nachtrag oben zu 3, 148; ferner zu 'quinta feria ante pascha, quae est coena domini' ] Conc. Aquisgr. 836/7 Cap. II c. 8 (MG. Conc. II, 710): 'in quinta feria, quae est in caena domini'; ähnlich Conc. Meld.-Paris. 845 c. 46 (MG. Capit. II, 409).

3, 214 fin. 'canonica invectione districte feriantur'.] Vgl. Cap. ecclesiasticum 818. 819 c. 17 fin. (MG. Capit. I, 278) (= Anseg. 1, 92 fin. = Ben. 1, 89 fin.): 'canonica invectione feriantur'; zu 'districte' siehe l. c. c. 7 in fin. ': . . . districte feriatur . . .'.

3, 227 rubr. fin. 'inconvulsa permaneant' ] Vgl. Conc. Aurel. IV. 541 c. 38 (MG. Conc. I, 96): 'inconvulsa maneat'; Conc. Aurel. V. 549 c. 24 (l. c. 108): 'inconvulsa universa serventur, ut manente concordia . . .'; Conc. Paris. V. 614 c. 12 (10) (l. c. 189 l. 37sq. = Coll. Cod. Rem.): 'debeat inconvulsa manere'.

3, 260a. 'non semel aut bis . . . sed saepissime'] Dieser Redewendung steht am nächsten Conc. Eliberit. c. 47 (Migne 84, 307): 'non semel sed saepe'.

3, 260h. 'neque quicquam quod de episcopali ministerio' ] Vgl. Gelasius 494 J. 636 c. 8 med. (Migne 84, 800): 'si quidquam ad episcopale ministerio pertinens . . .'

3, 282f. 'Quod tibi non vis fieri, alteri ne facias' ] Als nächstverwandt vgl. Regula Benedicti c. 61 fin. 70 fin. (ed. Butler p. 113, 128): 'Q. t. n. v. fieri, alio ne feceris'; dazu Theodulf a. a. O. (S. 96 zu 3, 148): 'q. sibi quis f. n. vult, alii ne (Cod. Phill. 1664 fol. 59r.: non) faciat' und 3, 198.

3, 282h. 'vel secundum iuditia sua' ] Vgl. Psalm. 118, 7: 'in eo quod didici iudicia iustitiae tuae'.

3, 284 explanari] Alle Ben.-Hss. lesen mit der Vorlage (HYDNOEL.; die anderen Brev.-Hss. -re) 'explorari' (Vat. Pal. 5831: 'explorali'?; Goth.: 'explorati').




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 98]

3, 359 'Notum sit omnibus quia' ] Vgl. Act. apost. 4, 10: 'notum sit omnibus vobis . . .: quia' (Studie VIII C, S. 182 N. 3).]

Berichtigung zu Studie VIII D.

[S. 272. Die Zusammenstellung der Ergebnisse ist dahin zu berichtigen, daß als echt oder vermutlich echt 408 Kapitel und 32 Halbkapitel anzusehen sind. - Zu den bei der Zusammenstellung außer Betracht gebliebenen Stücken gehört auch 439a. - In Note 1 ist 430 und in Note 4 letzte Zeile 390 hinzuzufügen.

S. 295. Der Hinweis auf die Regula monachorum ex Hieronymo collecta ist zu streichen: Die beiden ersten Sätze von D. 5 de cons. c. 24 stammen nicht aus dieser Quelle (vgl. Migne 30, 357 C.). Bei Friedberg (und Richter) ist der Quellennachweis an irreführender Stelle angebracht, richtig jedoch bei J. H. Boehmer.

S. 313 N. 1. Hervorzuheben ist noch 2, 107 i. fin. (c. Ps.- Nicaen.; vgl. Studie VII A, S. 359f.), zu nennen ferner 1, 191 i. fin. (c. Ps. Chalcedon.; vgl. Studie VI Nachtrag N.A. 31, 238).

S. 347. Da die größere Wahrscheinlichkeit dafür spricht, daß auch bei Annahme einer verderbten Vorlage der Text des Isaac von Langres1 auf ein ursprüngliches 'hominum' zurückgeht, möchte ich meine Meinung dahin präzisieren2, daß alle Anzeichen auf einen Lapsus im Urexemplar hinweisen. J.]3




1) Cod. Vat. reg. 998 enthält - wie mir Herr Dr. Klewitz freundlicherweise mitteilt - die Statuten nicht. Die Notiz Werminghoffs N.A. 27, 577 beruht auf einem Versehen. [2) Darauf, daß 'omnium' auf 'ominum' zurückgeführt werden kann, war ich erst während der Korrektur aufmerksam geworden. [3) Zu berichtigen bitte ich folgende Versehen. Es ist zu lesen: S. 336 N. 1 Z. 5 v. unten '199' statt '19'. - S. 342 N. 6 Z. 2 v. unten '82' statt '83'. - S. 358 Z. 14 v. unten '478' statt '472'. - Studie VIII E, S. 66 Z. 5 v. oben 'Satz 3 a. E.' statt 'Satz 4'. J.]




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 99]

Verzeichnis der Quellen des III. Buches.1

I. Übernommene Quellen.


A. Bibel: B. Concilien:
Act. apost. 25, 16: 184. Afric. (D.-H.)
1. Cor. 15, 33: 187b.   c. 5. 6: 28. 29.
Deut. (12, 13+14 in. + 5 fin.):   c. 10 in.: 30.
  431b. fin.   c. 17: 97.
  12, 13+14 in.: 431l. fin.   c. 26 rubr.: 118.
  16, 19 fin.: 282d.   c. 26 fin. 91.
Hebr. 13, 17: 462k.   c. 31 rubr.: 31.
Joh. 10, 11: 462i.   c. 38: 32.
Levit. 18, 6: 179b.   c. 41 in.: 120.
  18, 20: 179c.   c. 42: 33.
Luc. 10, 16 in.: 390d. 462d.   c. 43: 34.

  c. 54 fin.: 87.
Matth. 7, 2 in. (Versio ant?):   c. 57: 35a.
  282c.   c. 62 rubr. fin.: 92.
  10, 40: 390g.   c. 62 fin.: 93.
  16, 26 in. + fin.: 261l.   c. 63 rubr.: 35b.
  18, 6: 390f.   c. 74 med.: 114.
  18, 15 in. + 16 in. + 17 in.   c. 96 in.: 99. 437a.
  :350c.   c. 97. 98: 100. 101.
  20, 28: (Angilr.-) 358c.   c. 105 med.: 102.
  23, 11: (Angilr.-) 358d. Agath. 506.
  25,46: 261l.   c. 2: 237.
1. Paral. 16, 22?: 331b.   c. 5: 234b.
Psalm. 57, 2 fin.: 282b.   c. 8: 234a.
  104, 15: 331b.   c. 20: 234c.
Rom. 1, 32: 386c.   c. 32 rubr.: 210a.
Zach. 2, 8 fin.: 390e.   c. 32 fin.: 210d.


1) Das Quellenverzeichnis I (Übernommene Quellen) ist noch von Seckel zusammengestellt worden, aber in einem Stadium der Arbeit, in dem später erzielte und im Druckmanuskript enthaltene Ergebnisse vielfach noch nicht vorlagen. Ich habe das Verzeichnis stillschweigend den nunmehr vollständig veröffentlichten Studien angepaßt. Für das Quellenverzeichnis II (Mosaikartig verarbeitete Quellen) lagen weder Manuskript noch Vorarbeiten von Seckels Hand vor. Es ist von mir zusammengestellt und ausgearbeitet. Auf die Kennzeichnung desjenigen Teils der Arbeit, für den ich die alleinige Verantwortung trage, glaube ich nach dieser Klarstellung im folgenden verzichten zu dürfen. Die eckigen Klammern verlieren demnach fortan die ihnen bisher (vgl. Studie VIII D, S. 270 N. 1) zukommende Bedeutung.
Juncker.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 100]


  c. 38 rubr.: 210b. Arvern. I. 535 (Add. Corb.)
  c. 41: 218.   c. 1: 264. 408.
  c. 43 fin. 44 in.: 225a.   c. 5: 265. 409.
  c. 52 (Ps. Agath.) 210c. c. 10: 266. 410.
(H. Aug.?)   c. 14: 267. 411.
  c. 2: 311. Aurel. III. (II.) 538 (Add. Corb.)
  c. 15: 310.   c. 23 (20): 273.
  c. 25: 305.   c. 24 (21): 274.
  c. 36: 306.   c. 25+26 (22+23): 275.
  c. 38 med.: 302.   c. 31 (28): 276.
(Add. Corb.) c. 32 (29) in.: 277a.
  c. 32 fin.: 271.   c. 32 (29) fin.: 278.
  c. 47 rubr.: 277b.   c. 35 (32): 145a.
Ancyr. 314 (D-H.) Aurel. V. 549 (Add. Corb.)
  c. 4 fin.: 5.   c. 3 fin.: 422 rubr.
Ancyr. 314 (Isid.)   c. 13. 14: 419. 420
  c. 16 (15) (36) (34): 356a. Autissiod. ca. 573-603
Antioch. 341 (D.-H.)   c. 17: 442.
  c. 2 med.: 10.   c. 43: 443.
  c. 4: 9. Carthag. (D-H.) 419
  c. 5 fin.: 11.   Acta sessionis primae
  c. 9 med.: 74.   (25. Mai): 15.
  c. 11 sub fin.: 75   c. 5 post in.: 16. (Angilr.-) 359.
  c. 15 in.: 104.   c. 8 rubr. fin.: 88.
  c. 25 in.: 76.   c. 8 fin.: 85.
Aquisgr. 816   c. 13 med.: 96.
  c. 100?: 452.; vgl. unten   c. 15 med.: 121.
    H.: Isidorus, De off. eccl.   c. 18 rubr. in.: 19.
Araus. I. 441 (H. Aug.)   c. 19 rubr. + in.: 89.
  c. 3: 138.   c. 19 in.: 156a.
Arelat. I. 314   c. 19 fin.: 90. 119.
  c. 2 (H. Aug.): 393.   c. 27 fin.: 25.
  c. 17 (H. Aug.): 175 in.   c. 29: 26.
  c. 17: 224 in.   c. 30: 86.
  c. 19. 18 (H. Aug.): 182.   c. 33 in.: 27. (vgl. 214)
  c. 20 (H. Aug.): 189. Carthag. I. 348 (H. Aug.)
Arelat. II. 442-506   c. 7: 456.
  c. 13 rubr. (H. Aug.): 193.   c. 10 rubr.: 151.
(Angilr.-) 366.   c. 11: 154.
  c. 21: 317.   c. 14: 457.
  c. 23: 316.   c. 14 med. (H. Aug.?): 149.
  c. 24 in. (H. Aug.): 197. Carthag. II. 390 (H. Aug.)
Arelat. IV. (III. H. Aug.) 524   c. 8: 161.
  c. 4: 458.   c. 9 fin.: 165.

  c. 13 rubr.: 158.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 101]


Carthag. III. 397 (H.?) p. 47 l. 19. 20: 146.
  c. 5: 263.   p. 47 l. 21-23: 147.
  c. 9 fin.: 145b.   p. 47 l. 23-26: 148 in.
  Carthag. IV. (H.) [= Statuta   p. 47 l. 26. 27: 398.
  ecclesiae antiqua]   p. 47 l. 31- 33: 399a.
  c. 30 [53]: 219. Gangr. 343 (D.-H.)
  c. 96 [52]: 110.   c. 7. 8: 7. 8 (= 261g).
  Carthag. V. 401 (H. Aug.) German. 742 (cf. sub F b).
  c. 2: 459b.   c. [2. 3] 6: [146. 147] 400.
  c. 6: 391a. b. Hispal. II. 619 (H.)
  c. 10: 460.   c. 6 med.: (Angilr.-) 320a.
Carthag. VII. 419 (H.?) Ilerd. 546 (H.)
  c. 4: 187a.   c. 10: 301.
Chalced. 451 (D.-H.)   c. 14: 300.
  c. 4 med.: 12. Incertum saec. VI/VII?: 397.
  c. 4 sub fin.: 17. Incertum saec. IX?: 431h.
  c. 4 fin.: 18. Laodic. ca. 360
  c. 8: 2.   c. 12 in. (D.-H.): 78.
  c. 8 fin.: 155f.   c. 13 (D.-H.): 79.
  c. 9 rubr.: 3.   c. 42 (D.-H.): 77.
c. 9: (Angilr.-) 321.   c. 45 (H.): 262a.
  c. 10: 13.   c. 46-48 (H.) 262 b-d. 404.
  c. 17 med.: 83. Matiscon. I. 583
  c. 21: 84.   c. 18 (17) med. 454.
  Chalced. Concilii Acta: Milevitan. (H.-Aug.)
  ex actione III.: 444.   c. 16 (Conc. Carth. 407): 392.
  ep. Leonis in fine actionis III:   c. 21 fin. (Conc. Carth. 418
     445.     Mai 1): 171. 178.
  ex actione XIV (Procli epist. Neocaesar. 314
     ad Domnum Antiochenum)   c. 3 fin.: 6.
     (Angilr.-) 374. 446. Paris. V. 614
Clippiacense 626. 627.   c. 6 (4): 139.
  c. 10: 435.   c. 11 (9): 140.
Constantinop. I. 381 (D-H.)   c. 14. 15 (12. 13): 337. 338.
  c. 2 in.: 80. Patricii synod. II.
  c. 2 med.: 81.   c. 27: 455.
  c. 2 post med.: 82. Roman. sub Hilaro 465
Eliberitan. ante 316 (H. Aug.)   c. 1 med. (H. Aug.): 244b.
  c. 52: (Angilr.-) 368.   c. 2 med. (D.-H.): 63.
  c. 73 in.: 205.   c. 2 sub fin. (D.-H.): 64.
Epaon. 517 Roman. sub Symmacho 501
  c. 30 post in.: 434. (Synodus palmaris; D.-H.)
  c. 37+38: 272. p. 581: 116.
Francia; Conc. in F. habitum   p. 582 med.: 117.
  747 (cf. sub J bα)   p. 582 med.: 108.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 102]


Roman. sub Symm. 502   L. Visig. 12, 3)
  c. 2 med.: 142h.   c. 9 § 25: 425.
  c. 2 sub fin.: 199.   c. 9 § 26: 426.
  c. 2 fin. (D-H.): 115. Turon. II. 567
  c. 3: 207.   c. 4: 279.
Roman. sub Greg. II. 721 Valentin. 374 (H. Aug.)
  c. 2-8 (excerp.) + 9: 179d.   c. 4 rubr.: 201.
  c. 10. 11: 179e. Valletan. 546
Sardic. 343 (D.-H.)   c. 5: 296.
  c. 3 rubr. (Angilr.-) 315. Vasense I. 442 (H. Aug.)
  c. 4: 103.   c. 6: 461.
  c. 7 rubr.: (Angilr.-) 349.   c. 10?: 203.
  c. 21 rubr.: 14 rubr. Venet. 465 (Add. Corb.)
Tolet. I. 400 (H. Aug.)   c. 5+6. 269a. b.
  c. 11 rubr.: 209. 471.   c. 13: 270.
  c. 12 rubr.: 213. ---------
  c. 13 rubr.: 472 rubr. Canones apostolorum (D.-H.)
  c. 14 rubr.: 473.   c. 40 in.: 4. 155d.
  c. 15 rubr.: 474a. ---------
  c. 15: 295. Martini Bracarensis Capitula
  c. 16: 294.   563-580
Tolet. III. 589 (H. Aug.?)   c. 63: 228.
  c. 10 rubr.: 470a. Fulgentius Ferrandus, Brev. can.
  c. 13 rubr.: 469.   (Add. Corb.)
  c. 18 med. 293.   c. 59. 60: 412a. b.
  c. 19 rubr.: 468.   c. 61: 413.
  c. 19: 292.   c. 78: 268.
  c. 21 rubr.: 467.   c. 90: 414.
  c. 21: 290.   c. 92: 415.
Edict. fin. 476.   c. 95: 416.
Tolet. IV. 633 (H. Aug.?)   c. 138: 417.
  c. 8: 280.   c. 219: 418.
  c. 27 rubr.: 466. C. Dekretalen:
Anastas. II. 496, J. 744
  c. 36 rubr.: 465a.   c. 2 rubr. (D.-H.): 70.
  c. 45: 217.   c. 4 rubr. (D.-H.): 71.
  c. 64 med.: 176.   c. 8 rubr. (D.-H.): 72.
Tolet. VI. 638 (H. Aug.)   c. 4 (H. Aug.): 247.
  c. 11 rubr.: 464b. d. Bonif. I. 419, J. 349 (D-H.)
  c. 11: 191.   c. 3 fin.: 43.
Tolet. VIII. 653 (H. Aug.) Ps.-Clemens ad S. Jacobum,
  c. 2 med.: 221.   J. † 10: 462a. f. g.
Tolet. XI. 675 Coelest. I. 428, J. 369 (D-H.)
  c. 4 fin. (H.): 242.   c. 14 sub fin.: 47.
  c. 15 (H. Aug.): 223.   c. 17: 48. 94.
Tolet. XII. 681 (H. Aug.) (cf.   c. 18 rubr.: 95a.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 103]


  c. 18 sub fin.: 95b.   c. 55 med. (D.-H.) 38.
  c. 19 rubr. 24a.   c. 56 rubr. (D.-H.) 39.
  c. 19 med. 24b. Innoc. I. 416, J. 311
Coelest. I. 429, J. 371 (D.-H.)   c. 7 in. (D.-H.): 36.
  c. 20 rubr.? in.?: 49. 113 (H. Innoc. I. 401- 417, J. 317
  Aug.?)   c. 36 in. (D.-H.): 37.
  c. 22 rubr.? in.?: 50. Leo I. 443, J. 402 (D.-H.)
Coelest. I. 431, J. 381 (D.-H.)   c. 1 fin.: 51.
  c. 1 med.: 44.   c. 2 fin.: 52.
  c. 12 sub fin.: 46.   c. 3 rubr.: 53.
  c. 13 rubr.: 45.   c. 5 rubr.: 41a.
Damasus I. 380, J. 235 c. 5 fin.: 41b.
  c. 3 (H.?): 245. Leo I. 444, J. 405 (D-H.)
Felix III. 488, J. 609 (D.-H.)   c. 6 med. 54. 55.
  c. 2 sub fin.: 67. Leo I. 446?, J. 410
Gelasius I. 494, J. 636   c. 49 post in. (D.-H.): 22.
  c. 18 rubr. (D.-H.) 68.   c. 49 post med. (D.-H.): 122.
  c. 19 rubr. (D.-H.) 69.   c. 49 post med. (D.-H.): 23.
  c. 28 rubr. (H.): 248c.   c. 1 post med. (H. Aug.?): 250.
Gelasius I. 494, J. 637   c. 5 (H.-Aug.): 244a.
  c. 2 (H.): 248a. Leo I. 446?, J. 411 (H. Aug.)
Gregor. I. 592, J. 1184: 451a.   praef.: 236.
Gregor. I. 599, J. 1661: 449.   praef.: 239.
Gregor. I. 599, J. 1729: 448.   c. 10 fin.: 241.
Gregor. I. 599, J. 1730: 447. Leo I. 447, J. 414 (D.-H.)
Gregor. I. 599, J. 1761: 450.   c. 8 fin.: 56.
Gregor. II. 726, J. 2174 [Bonif.] Leo I. 447, J. 416 (D.-H.)
  p. 276 l. 8-11: 281b.   c. 14 med.: 57.
Gregor. III. c. 732, J.2239 [Bonif.]: Leo I. 449, J. 420 (H. Aug.)
  p. 279 l. 23. 24: 401a.   sub med.: 233.
  p. 279 l. 34. 35: 405. Leo I. 452, J. 483 (H. Aug.)
  p. 279 l. 38: 406a.   pars II: 227.
  p. 279 l. 30-33: 407. [Leo I. 453, J. 490]
Hilarus 465, J. 560   Ex actis concilii Chalced.: 445.
  c. 6 fin. (D.-H.): 24c. 65. Leo I. 458, J. 536 (D.-H.)
Hilarus 465, cf. Conc. Rom.   c. 46 med.: 20.
Hormisda 517, J. 787   c. 47 med.: 21.
  c. 2 med. (H.-Aug.): 386b. Leo I. 458-459, J. 544
Innoc. I. 404, J. 286   c. 14 fin. (D.-H.): 58.
  c. 3 (H. Aug.)-109.   c. 18 (D.-H.): 59.
  c. 3 fin. (H. Aug.): 260f.   c. 18 fin. (D.-H.? c. 4h.?): 105.
Innoc. I. 405, J. 293   c. 19 (D.-H.): 60.
  c. 26 (D.-H.): 73.   c. 22 rubr. (D.-H.): 61.
Innoc. I. 414, J. 303   c. 23 (D.-H.).: 62.
  c. 7 med. (H. Aug.): 230.   c. 15 med. (H.): 391c. 424h. fin.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 104]


  Simplicius 482, J. 583 (D.-H.) Nov. Val. 12 int. post in.:
  c. 1 med.: 66.   (Angilr.-) 332.
Symmachus 501. 502 vgl. oben Nov. Val. 12 int. sub fin.: 240.
  B. Conc. Rom. Paul. 1, 6, 1: 163. 291.
Symmachus 513, J. 764 (H.)   1, 7, 2 int.: 288.
  c. 3 rubr.: 248b.   1, 7, 4 add. int.: 289.
Zacharias 746?, J. 2276   1, 21, 3: 243.
  [Bonif. p. 336 l. 26-28]: 403.   2, 2, 1 int.: 297.
Zacharias 748?, J. 2286 [Bonif.   2, 4, 4 int.: 298.
  p. 358 l. 23-27; 34-36]: 144.   2, 5, 1 int.: 299.
Zosimus 418, J. 339 (D.-H.)   2, 5, 3 int. 303.
  c. 2 rubr.: 40.   2, 10, 1 int.: 304.
  c. 3 med.: 42.   2, 12, 1: 312.

  2, 12, 4 int.: 313.
D. Römisches Recht:   2, 15, 3 int.: 318.
a) Brev.   2, 18, 8: 319.
C. Th. 2, 19, 7 int.: 327.   2, 18, 12 int.: 334.
  2, 24, 2: 328.   2, 19, 1: 335.
C. Th. 2, 26, 1 int.: 325.   2, 21, 1 int.: 336.
  4, 14 (15) 1: (Angilr.-)   2, 32, 14: 340
  347.   3, 6, 8 in.: (Angilr.-) 346.
  4, 20, 4 int.: 226.   3, 7, 10 in.: 326.
  5, 5, 1 int.: 229.   4, 8, 1 int.: 341.
  8, 6, 1 int. in.: 330.   5, 1, 4: 342.
  8, 6, 3 int. in.: 329.   5, 3, 3: 343.
  9, 1, 3 int. (cf. Ep. Paris.):   5, 3, 4: 344.
  (Angilr.-) (364).   5, 3, 6 int.: 345.
  9, 1, 7 in.: 453.   5, 4, 9 int.: 353.
  9, 1, 7 int. (Angilr.-)   5, 4, 12: 246.
  324.   5, 5, 9: 354.
  9, 1, 11 pr.: 436.   5, 7, 6 int.: 355.
  9, 3, 2: 440a.   5, 12, 4 int.: 362.
  9, 7, 1 int. in.: 232.   5, 18, 5: 363.
  9, 7, 3 int.: 235.   5, 23, 3: 370.
  9, 27, 3 int. fin.: 253a.   5, 24, 1: 371.
  10, 5, 2 fin.: 253b.   5, 27, 3 int.: 249.
  11, 8, 2 int. fin. 2 fin.:   5, 37, 1 int.? (cf. Ep. Aeg.):
  251a.   (Angilr.-) 357.
  11, 8, 3 int. fin. 3 fin.: b) Brev. Ep. Aeg.
  251b. C. Th. 2, 1, 4+6: 220.
  11, 14, 2 int.: 283.   2, 2, 1: 152.
  11, 14, 3 int. fin.: 254.   2, 4, 7: 150.
  11, 14, 4 int.: 238.   2, 10, 1+2: 157.
  16, 1, 2: 284.   2, 26, 1: 160.
  16, 4, 1 int.: 286.   9, 7, 2 in.: 164.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 105]


  9, 11, 1: 168.   7, 2, 7: 429.
  9, 11, 2: 169.   7, 5, 5: (Angilr.-) 348.
  9, 24, 1. (Angilr.- 361).   12, 2, 9 in: 351.
  9, 30, 1+2: 170.   12, 2, 10 in: 427.
  9, 34, 1: 174.   12, 2, 16 in: 428.
  10, 5, 1. 5.: 177a. b.   12, 3, 10 in: 475.
  11, 11, 1: 181.   [12, 3, 25 rubr.] 425.
  16, 1, 1: 185.   [12, 3, 26 rubr.] 426.
  16, 2, 1: 188.   (Zu den in eckigen Klammern
Nov. Val. 5: 192.   stehenden Stücken vgl. oben
Paul. 1, 12, 1-5 (7): 196.   Conc. Tolet. XII. c. 9).
  3, 7, 10?: 326.
  5, 4, 15-17+19: 200. f. Kapitularien:
  5, 5, 3+5+8+9: 204. a) Childeberti II.
  5,15, 3: 208.   (7.) Decretio 596
  5,23,1: 222.   c. 2 in.: 258a.
  5, 25, 2 in.: 212.   c. 2 fin.: 255.
  5, 37, 1?: (Angilr.-)   c. 5: 256.
  (357).   c. 7: 257.
C. Greg. 12, 1. (10, 1, 1): 216. b) Karlmanni
c) Brev. Ep. Paris.   (10.) Cap. 742: [146. 147.] 400;
C. Th. 2, 1, 4:(Angilr.-) 367a.   cf. Conc. Germ. sub. B.
  9, 1, 3: (Angilr.-) 364. c) Pippini
  9, 1, 4+5: (Angilr.-)   (14.) Conc. Vernense 755
   365a.   c. 18: 155a. b.
  9, 1, 6: (Angilr.-) 365b. d) Karoli M.
  9, 24, 1: (Angilr.-) 361.   (19.) Cap. primum 769
  10, 5, 1: (Angilr.-) 360.   c. 1. 2: 123. 124.
  11, 8, 1+2: (Angilr.-)   c. 3: 125. (146).
  333. c.   4-6: 126-128.
d) C. Th. 16 (Epitome ex Th.   c. 7: 129. [148].
  integro).   c. 8: 130.
  16, 2, 29: 477.   c. 8 in.: [147].
  16, 2, 30: 285.   c. 9: 131.
  16, 2, 41: 438.   c. 10 in.: 132a.
  16, 2, 47 pr. fin. 421b.   c. 10 fin.: 132b.
  16, 2, 47 § 1 fin. 422b.   c. 11: 132c. 135.
  16, 4, 2: 195.   c. 12. 13: 133. 134.
  16, 11, 3: 287.   c. 14. 15: 136. 137.

  (22.) Admonitio generalis 789
E. Germanische Volksgesetze:   c. 29: 159a.
Lex Visigothorum (Erv., cod. E 1)   c. 35: 111.
  2, 1, 13 (11) rubr.: 352. 459a. (36.) Cap. a sacerdotibus pro-
  2,4, 1: (Angilr.-) 369.   posita 802?
  2, 4, 7: (322a.) 440b.   c. 9: 431d.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 106]


  e) Hludowici Pii (Isidorus Hispalensis, De offi-
  (138.) Cap. ecclesiasticum 818.   ciis ecclesiasticis 2,2): 452.
  819   [vgl. oben B. Conc. Aquisgr.
  c. 7 fin.: 166b.   816].
  c. 9 in.: 166a. Isidorus Hispalensis, Sententiae
  c. 17: 186.   3, 39 § 2 in. 167a.
  c. 23+24: 183.   3, 39 § 3 in. 167b.
  Incertum 826-829?: 432?   3, 39 § 5 in.: 167c.
e' (196.) Episcoporum ad Hludo-   3, 39 § 5: 441
  wicum imp. relatio 829 Isidorus Hispalensis, Synony-
  c. 9: 98.   morum libri
  c. 41: 162.   2, 85: 259 in. 464a. c.
  c.42.194.   2, 86: 259 fin. (Angilr.-) 373b.
  c. 46: 431a. c. Sextus Pythagoricus, Sententiae
  c. 47 in.: 172a.   § 184: (Angilr.-) 372a.
  c. 47 fin.: 172b.   § 259: (Angilr.-) 373a.
  c. 48: 172c.
  c. 52: 190. J. Verschiedenes:
[f) Ansegisi Cap. coll. (vgl. oben a) Capitula episcoporum:
  d. e.) α) Theodulfi Aurelianensis
  1, 29: (159a). Capitulare primum
  1, 35: (111).   c. 14: 198.
  1, 83 fin.: (166 b).   c. 16: 206a.
  1, 84 in.: (166 a).   c. 27: 252.
  1, 92: (186). β) Theodulfi Aurelianensis
  1, 98+99: (183).] Capitulare alterum
G. Bußbücher: vacat.   c. I (5. 6): 375. 376.

  c. II (10. 11): 377. 378.
H. Kirchenväter und andere   c. III (12 a): 379.
  Schriftsteller:   c. IV (16): 380.
Albinus (Alchvine), Dialogus de   c. V (18-20): 381 a-c.
  rhetorica p. 928: 339.   c. V (21a. b): 382a. b.
Ambrosius, Epistolae b) Schreiben kirchl. Amtsträger:
  ep. 77 (ad Horont.) §§ 10, α) Bonifatius Mog. ad Cudberh-
11   med.: 451b. tum 747 (p. 351.): 146-148
Ionas Aurelianensis, De insti- in. 398. 399 a; cf. Conc. in
tutione laicali Francia hab. 747 sub B.
  1, 7 rubr. 383a. β) Proclus Constantinopoli-
  1, 8 rubr. 384. tanus ad Domnum Anti-
  1, 14 rubr.: 396a. ochenum: (Angilr.-) 374. 446;
  1, 15 rubr.: 385. cf. Conc. Chalced. 451 sub B.
  1, 18 rubr. 386a. c) Fons Regulae Chrodegangi re-
  1, 19 rubr. 387a. censionis quartae c. 81?: 155e.
  2, 1 rubr. 388. d) Capitula incerta?-430. 433?
  2, 2 rubr. 389a. 463?




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 107]

II. Mosaikartig in Fälschungen, Verfälschungen und Interpolationen verarbeitete Quellen.


A. Bibel: 1. Thess. 4, 6 med.: 143e.
Act. apost. 4, 10: 359 in. 388. 2. Tim. 4, 2?: 462a.
Apoc. 22, 12 fin.?: 282h. Tob. 4, 16: 282f.
1. Cor. 11, 23?: 463b.   6, 18: 463e.
  15, 3?: 463b.
2. Cor. 5, 20: 390 rubr. a. 462e. b. Concilien:
Deut. 19, 20?: 432g. 470c. Afric. (D.-H.)
Ecclesiastici 31, 20.fin.?: 462b.   (c. 6): 439a. b. 460 rubr.
Exod. 21, 31 fin.?: 474b.   c. 11?: 463b.
Galat. 6, 3: (H. Aug.-) 402c.   c. 89 rubr.: 153f.
Genes. (Versio. ant. 4, 7): 431m. n.   c. 95?: 180.
Hebr. 10, 29?: 260d. 394g.   c. 96?: 179a.
Joh. 2, 15: 441.   c. 105: (Angilr.-) 314c.
1. Joh. 3, 16: 462h. Agath. 506
Isai. 5, 22+23: 282g.   c. 32 med.?: 397 in.
  24, 2 in.: 141b.   c. 32 fin.?: 431 r.
Levit. (19, 15. 16 Versio ant.)?   (c. 44): 423a.
  282e.   c. 61 (H. Aug.): 433a. d.
  19, 17?: 350d. Ancyr. 314 (D.-H.)
  21, 18. 20. 21: 179 (1).   c.4 fin.?: 206b. 432f.
Luc. 10, 22 in.?: 463b.   (Versio gall.)
  17, 2 in.?: 390f.   (c. 4?): 433d.
  19, 45?: 441.   (c. 22+23?): 433d.
Marc. 11, 15?: 441. Antioch. 341 (D.-H.)
Matth. 10, 28: 390c.   c. 2 med.?: 461 rubr.
  11, 27 in.?: 463b.   c. 5: 422c.
  16, 19: 462a.   c. 5 fin.: 399b.
  16, 26 in.: 252. 261k.   c. 5 fin. (H.?): 215.
  16, 27?: 282h.   c. 9: 106b. (Angilr.-) 358a. e.
  18, (16? +) 17: 433c.   c. 11?: 260a.
  (18, 18?): 462a.   c. 12 (cf. H.): 260a.
  21, 12?: 441.   c. 13 (cf. H.): 358a. 423c.
Num. 12, 8 fin. + 1 fin. +   c. 15 in.: 153b.
10 med.: 331a.   c. 15 in.: (Angilr.-) 320b.
2. Petr. 2, 21: 387b.   c. 15: (Angilr.-) 314b.
Psalm. 57, 4?: 397g.   c. 19 in? (cf. H.): 424e.
  62, 12?: 322a. 440b.   c. 19 sub fin.: (Angilr.-) 320e.
Rom. 1, 32 fin.: 141h. 142a. d.   c. 22?: (Angilr.-) 358a. e.
  260l. 261d. i.   c. 22 sub fin.: (Angilr.-) 308 b
  2, 5 fin. + 6?: 282h.   c. 22 fin.: (Angilr.-) 308d.
Rom. 3, 19?: 322a. 440b.   (Angilr.-) 320d.
  (5, 19)?: 155e.   c. 25 in.: 261a.



[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 108]


Aquisgran. 816, Inst. can.   c. 17 rubr.: 1.
  c. 37: 462b.   c. 19?: 153f.
  c. 119?: 175 fin.   Praescr. praefationis sessionis
  c. 134?: 260a.   secundae: 478a.
Aquisgran. 836. 837 Carthag. I. 348
  Cap. II c. 8?: 202.   c. 10 rubr.: 175.
  Cap. III. Praef. capp. de honore Carthag. II. 390
  episcopali: 390a. 462 c-e   c. 3: 260h. 394d.
  Epist. ad Pipp.   c. 3 fin.?: 423a. 424 b?
  Lib. I. 38?-431 p. q. 478b. c. Carthag. III. 397
  II. in.?: 478b.   c. 21 rubr.: (Angilr.-) 308a.
  II. 17?: 478c.   c. 36?-260h. 394d. 423a. 424b.
  II. 31?: 431 p. Carthag. IV. (H.) (= Statuta
  III. 5. 6.: 142f.   ecclesiae antiqua)
  III. 24?: 431 p.   c. 1 fin.?: 424e.
Araus. 441c. 21 rubr. 394e.   c. 23 in. (14 in.): 106a.
Arelat. I. 314   c. 73 (40)?: 461 rubr.
  c. 20 rubr.: 260m. 424g. Carthag. V. 401 (H. Aug.)
Arelat. II. 442-506   (c. 10 rubr. II): 439a. b. 460
  c. 13 fin.?: 308b.     rubr.
Arvern. II. cf. Aurel. V. Chalced. 451
Aspasii 551c. 1?: 397.   c. 2: 431 r.
Aurel. III. 538c. 35 (32): 393.   c. 8 fin. 9 med.?: 159b.
Aurel. IV. 541   c. 9 med.: 350a.
  c. 18?: 261e.   c. 17: 153f. (Angilr.-) 314d.
  c. 38 fin.: 227 rubr.   c. 22: 431 r.
Aurel. V. 549 Eliberitan. ante 316 (303?)
  c. 3 fin. 422a.   c. 47?: 260a.
  c. 17 in. 153b. d. (Add. IV. Emeritense 666
  9 rubr.-) 350b.   c. 12. rubr.?: 423b.
Autissiod. 573-603.   c. 12 fin.?: 383b.
  c. 39?: 474b. Francia: Conc. in F. habitum
  c. 44: 397.   747 (cf. sub J c)
Bracar. I. 563   p. 47 l. 35-p. 48 l. 1?: 399b.
  c. 19: 394d. Gangr. 343
Burgund. post 800   (c. 8: 261g.)
  Stat. B. c. 11 fin.?: 399b. Hispal. II. 619 (H. Aug.)
Cabillonense 813   c. 7?: 394d. 423a. b.
  (c. 67)?: 148 fin. 202. 231.     424a. b. c. e.
  c. 67 fin.?: 478c. Ilerd. 546
Carthag. (D.-H.)   c. 4 in?: 432a.
  Acta sessionis primae?:   c. 4.?: 433a.
  (Angilr.-) 323b.   c. 6?: 472b.
  c. 8 med.: 119. 215. Incerti loci post 614
  c. 11: 155c.   c. 12?: 397.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 109]


Incertum saec. IX (829?)?   p. 582 med.: (Angilr.-) 307a.
  396b. 431 i-o.   352 rubr. 459 rubr. a.
Mogunt. 813c. 43: 390h. Roman. sub Symmacho, 502
Neocaes. 314   c. 2 fin.: 153g.
  c. 13: 394d. 402b. 423b.   c. 8 rubr.: 215.
  424d. e. Roman. 798 ca. fin.?: 397d.
Nicaenum Sardic. 343 (D.-H.)
  c. 12 (H.): 141a.   c. 17 med.? (Angilr.-) 323b.
  c. 16 fin. (D.-H.): 155c.   c. 19 (cf. H.): (Angilr.-) 308b.
  c. 16 fin. (17 fin. H.)?: (An-   c. 21 rubr.: 14.
  gilr.-) 308b. (Angilr.-) 358a. Tolet. I. 400c. 13 rubr.: 472a.
  c. 17 (D.-H.): 206a.   c. 19?: 472b.
Paris. IV. 573 Tolet. II. 527 (531)
  p. 150l. 13. 14?: 397   c. 5 in.: 179f. 356 rubr. a.
Paris. V. 614   432 rubr. a.
  c. 6. 8. 11 (4. 6. 9)?: 397e. f. Tolet. III. 589c. 19: 468.
Paris. VI. 829 Tolet. IV. 633
Lib. I. 2?: 431 p.   c. 32?: 399b.
  (I. 4?): 433d.   c. 64 in.: 390b.
  I. 5 med.?: 462b.   c. 64 med.: 176 rubr. 427 fin.
  I. 9?: 433d. fin.   c. 75 med.?: 395d.
  I. 12?: 462h.   c. 75 med.?: 472b.
  I. 16?: 261e.   c. 75 post med.?: (Angilr.-)
  I. 27 in. med.?: 394d. 402     358b.
  b. c. 423b. 424c. d. e? Tolet. V. 636c. 3 fin.?: 397e.
  I. 27 post in.?: 463b. Tolet. VI. 638c. 6?: 397d.
  I. 33 rubr.: 423a. Tolet. XI. 675
  I. 33?: 402b. c.   c. 5 in.: 156c.
  I. 41 fin.: 172c. fin.   c. 6 in.?: 141b.
  I. 47 rubr.?: (Angilr. Tolet. XII. 681
  314b. in.   c. 9 § 8: 179f.
  I. 47 (l. 19)?: 394d. 423a. Turonense 813c. 33?: 390a.
  I. 47 (l. 19. 20)?: 431h. Vasense I. 442
  I. 47 (l. 21)?: 431 r.   (c. 3 in. med.?): 394a. c.
  I. 47 (l. 24)?: 331a. fin. -------
  I. 47 (l. 28. 29)?: 261i. 431o. Canones apostolorum (D.-H.)
  II. 5 fin.?: 261i.   c. 34: 156b. d.
  III. 2?: 331a. in.   c. 34 sub fin.?: 383b.
  III. 2 fin.?: 179 ca. in.   c. 35 sub fin.: 106b.
  III. 6?: (Angilr.-) 314b.   c. 35 fin.?: (Angilr.-) 358e. f.
  in. 394d. 423a. 431h. fin.   c. 41 rubr. in.?: 261a.
Roman. sub Hilaro 465 (D.-H.) -------
  p. 490, 492, 496, 497?: 395d. Martini Bracar. capitula 563-580
Roman. sub Symmacho 501   c. 84 in.?: 461 rubr. in.
(Synodus palmaris; D.-H.)




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 110]


C. Dekretalen:   p. 326 l. 17-23: 141f. g. h.
Ps.-Damasus I. 366-384     142a.
  (H. Aug.) J. 244: 260 rubr.   p. 326 l. 27-29: 141i.
  a. e. g. h. k. m. 394d. e. f. Zosimus 418, J. 339 (H.)
  402a. b. c. 423. 424.   c. 2 rubr.: 431 r.
Felix III. 484, J. 599 (H.)   c. 2 sub fin.: 431 r. in.
  fin.?: 432g.
Gelas. I. 494, J. 636 d. Römisches Recht:
  c. 8 (H.): 394e. 423a. b. 424c. a) Brev.
Gregor. I. 592, J. 1173 fin. 1174 C. Th. 2, 1, 3?: 432a.
  fin. 1175 fin.: 173 fin.   4, 14 (15), 1 int. fin.?:
Gregor. II. 726, J. 2174 [Bonif.]   (Angilr.-) 308c.
  p. 276 l. 12. 13: 402a.   9, 1, 5 fin.?: (Angilr.-)
Gregor. III. ca. 732, J. 2239   309a.
  [Bonif.]   9, 3, 2. (Angilr.-) 322b.
  p. 279 l. 36. 37: 179f.? 356   9, 29, 3 int.: 260i.
  rubr. a? 432a. Nov. Val. 12 int. fin. (§ 16):
Innoc. I. 404, J. 286 (H.)   (Angilr.-) 314d.
  c. 3 in.: 390a. 397 in. Nov. Marc. 1 int. med.: 173?
Innoc. I. 405, J. 293 (H.)   (Angilr.-) 323a.
  c. 1 in.: 423c. b) Brev. Ep. Aeg.
Innoc. I. 414, J. 303 (H.) C. Th. 3, 7, 3?: 463f.
  c. 3 in: 260d.   4, 14 (15) 1? (= Ep. Pa-
  c. 3 post med.: 260 l. n.   ris.): (Angilr.-) 308 c
    424b. f.   9, 1, 5 fin.?: (Angilr.
  c. 3 fin.: 260 q.   309a.
Innoc. I. 416, J. 311 (H.)   16, 1, 2: 153f.
  c. 3 post in.: 394d. 402b. c. c) C. Th. 16 (Epitome ex Th.
  423a. b. 424c.   integro)
  (c. 4 med.): 430c.   16, 2, 29 in. 38 in.?: 421a.
Innoc. I. 401-417, J. 317
  c. 36 in. (D.-H.): 260a. e. Germanische Volksgesetze:
Leo I. 446?, J. 411 (H.) Lex Visigothorum
  c. 1 in.: 261g.   2, 4, 7: (Angilr.-) 322a. (440b.)
  c. 10 rubr. in?: 173 fin.   441.
Leo I. 453, J. 491 (H.)   12, 3, 8 in.?: 432a.
  post med.: 477 rubr.
Leo I. 458/9, J. 544 (H.) f. Kapitularien:
  c. 1 in.: 424e. a) Chlotharii II.
  c. 1 med.: 260 p. (9.) Edictum 614
  c. 15 med.: 260h. fin. n. o.   c. 5. 7?: 261e.
  402d. 424h. in.   c. 18 fin.?: 470c.
Zacharias 745, J. 2275 b) Karlmanni
  [Bonif.] (11.) Cap. Liftinense 743
  p. 326 l. 15-17: 141d.   c. 2?-142b.

  c. 3?: 281c.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 111]


c) Pippini   c. 17 fin. (7 fin.)?: 214.
(13.) Capitulare 754/55   c. 24 sub fin?: 474b.
  c. 1: 431s.? 432 b + c? e? (139.) Cap. legibus addenda
  c. 2: 143f.   818.819.
(14.) Conc. Vern. 755c. 9?:   c. 4. 5?: 470b.
  433a. d. (150.) Admonitio ad omnes
(18.) Cap. Aquit. 768c. 11?:   regni ordines 823/25
  142b.   c. 10?: 261e.
d) Karoli M.   c. 21?: 432f. g.
(19.) Cap. primum 769 (151.) Commemoratio missis
  Inscriptio?: 142d.   data 825c. 3 fin.?: 399b.
  c. 1 in.: 141a. 281a. 423a. (163.) Cap. Olonnense eccl.
  431 r. s. in.   primum 825
  c. 14.: 396b.? 431f. h.? r.?   c. 1?: 432c. e.
(20.) Cap. Haristall. 779 (192.) Cap. Wormatiense 829
  c. 13?: 142b.   c. 1?: 470c.
(22.) Admonitio generalis 789 (193.) Cap. pro lege hab. Wor-
  Inscriptio?: 142d.   matiense 829
(28.) Synodus Franconof. 794   c. 3?: 432e.
  (c. 11?): 433d. e') (196.) Episcoporum ad
  c. 47?: 399b.   Hludowicum imp. relatio 829
(97.) Ep. in Italiam emissa   c. 2, 9, 15, (22), 40 cf. Conc.
  790-800   Paris. VI. 829 Lib. I. c.
  1. 31-33: 390a. b?   2, 27, 16, (4), 33 rubr.
  1. 37?: 142b.   c. 16, 24, 26 (cf. Conc. Paris.
  fin.?: 142a.   cit. I. 21, III. 11, III. 14):
(31.) Cap. in pago Cenoman-   260a.
  nico datum 800 in.?: 141a.   c. 46: (Angilr.-) 314b. in.?
  281a. 423a. 431 r.   394d.? 423a.? 431b. f.?
(33.) Cap. missorum generale   h.? k.? n.? o.? r.?
  802.   c. 46 fin.?: 261i.
  c. 1 sub fin.?: 399a.   c. 50.: 190.
  (c. 15 fin.?): 432e. g.   c. 54?: 331a. in.
  (c. 37?): 432e. g.   c. 54 fin.: 179 ca. in.
(34.) Cap. missorum specialia Cap. incertum?: 395a. c.
  802.
  c. 19 fin.?: 399a. g. Bußbücher:
  cf. Cap. m. speciale c. 59 fin. (Theodori Poen. II 4 § 11?): 433a.
(77.) Cap. Aquisgr. 801-813 (Poen. Valicell. I c. 96?): 433a.
  c. 12?: 470c.
(78.) Cap. e can. excerpta 813 h. Kirchenväter und andere
  c. 16?: 465b. Schriftsteller:
e) Hludowici Pii Augustinus,
(138.) Capitulare ecclesiasti- (De civitate Dei 15, 7?)
  cum 818. 819   431 m/n.




[Seckel, "Studien", VIII.V, ZRG 55 Kan. Abt. 24 (1935), Seite 112]


  Sermo deperd. (Ps.-Aug.?): b) Capitula episcoporum:
179a. α) Fons Capitulorum Fri-
Ps.-Augustinus Sermo 392c. 2   singensium
  med.?: 179 a γ.   c. 24: 252.
Ebo Remensis, Apologeticum   c. 34?: 179 (2).
  p. 795 l. 27 sq.: 153c. e. ß) Theodulfi Aurelianensis
  (Angilr.-) 314b.   Capitulare primum.
Gesta Aldrici Cenomann. ep.   c. 11 fin.: 431b.
  c. 5, 16, 44?: 478b. c.   c. 16?: 431 s. 432e.

  c. 21: 148 fin. 202 post

  med. 231 sub fin.
Gregor. I. Homil. in Ev. c) Schreiben kirchlicher Amts-
  I. 14 § 1?: 462h. träger:
  (II. 26 § 4?): 462b. Bonifatius Mogunt. ad Aethel-
Ildefonsus Toletanus († 667),   baldum 745-746 (epist. 73)
  De cogn. baptismi c. 114?:   p. 342 l. 35-p. 343 l. 5: 143c.
  397.   p. 342 l. 3/4: 142c.
Ionas Aurelianensis, De inst. laic.   p. 343 l. 6-8: 143d.
  1, 13 fin., rubr.: 179 ca. in.   p. 343 l. 10/11?: 463e.
  1, 14 fin., rubr.?: 431h.   p. 343 l. 34: 142d.
  2, 20 fin.?: 431 q. 478c.   p. 344 l. 9: 141e. 261i.
  3, 15 fin.?: 431 q. 478c.   p. 344 l. 9/10: 142d. 143g.
  De inst. regia Bonifatius Mogunt. ad Cud-
  c. 2?: 462 c-e.   berhtum 747 (epist. 78,
  c. 7 fin.?: 261i.   p. 351 l. 30/31) cf. Conc. in

  Francia habitum 747 sub B.

d) Formulae oder Diplomata:
J. Verschiedenes:   142e. f. 260a. 281a. 359
a) Regulae monachorum:   in.? 385. 388.
α) Benedicti regula mon. e) Pontificale:
  c. 58?: 466 rubr.   Formula excommunicationis
  c. 61 fin. 70 fin.?: 282f.   397?
β) Chrodegangi ep. Met. regu- Oratio episcopi in reconcilia-
la canonicorum   tione poenitentium: 397?
  (c. 15?): 433d. f) Capitula incerta?: 431 h-o?
  c. 17?: 431s. 432d. 433 b?