Die Rezeption in Cod. Par. lat. 4761
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Die heute in zwei Teilen (4761/1 und 4761/2) erhaltene Handschrift (1), deren dritter, noch von Pertz für den ersten Leges-Band benutzter Teil(2) heute fehlt, enthält im Anschluss an die Sammlung des Ansegis drei Kapitel, die höchstwahrscheinlich aus Benedict stammen. Dann folgen zwei Exzerptreihen, die Baluze als echt betrachtete und als Capitulare secundum und teritum incerti anni aus dieser Handschrift druckte. Dass es sich um Benedict-Exzerpte handelt, hat schon Baluze erkannt und natürlich auch Pertz gewusst, Seckel hat die Verhältnisse dann abschließend beschrieben(3).
Die Handschrift, die nur Materialien des 9. Jahrhunderts enthält, ist in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Frankreich geschrieben worden, vielleicht stammt sie aus dem Besitz der Di&÷uml;zese Besançon. 1677 geh&÷uml;rte sie Philibert de la Mare, sie gelangte anschließend in die BibliothŔque Nationale, wurde "dort zwischen 1840 und 184 gestohlen und in drei Teile zerlegt" (Mordek), von denen zwei in den Besitz Lord Asburnhams gelangten (durch J.B.J. Barrois). Im Jahre 1888 hat sie die Bibliothèque Nationale zurückgekauft. Der dritte Teil, der ebenfalls Exzerpte aus Benedict und wahrscheinlich auch die Additio I enthielt, ist bis heute verschollen(4).


Drei Kapitel im Anschluss an Ansegis, App. 3 fol. 89v-90r:
Ben. Lev. 2, 233; 236; 237

(2, 233) Ut neminem liceat alium cogere ad bibendum.

(2, 236) De canibus, qui in dextro armo tonsi sunt, ut homo, qui eum abuerit, cum ipso cane in praesentiam domni regis veniat.

(2, 237) Ut populus interrogetur de capitulis, que in lege noviter ||fol. 90r|| addita sunt et postquam omnes consenserint, scriptiones et manufirmationes suas in ipsis capitulis faciant.

Kommentar:
Diese kurzen Kapitel sind ohne jedes Trennmerkmal an Ansegis App. 3 angehängt. Sie entstammen alle drei demselben Kapitular: Capitulare missorum 803 c.14, 18-19 (MGH Capit. 1 Nr. 40 S. 116). Ansegis hat dieses Kapitular rezipiert, aber zwei (236-237) der hier zitierten Kapitel ließ er aus (oder sie fehlten in dem von ihm benutzten Exemplar)(5). Das erste dieser Kapitel ist AnS. 1, 138 rezipiert(6). Im Kapitular selber bilden diese Kapitel die Nummern 16, 18 und 19. Bei Benedict ist dieses Capitulare missorum in Buch 2 rezipiert. Pertz hatte angenommen, es handele sich um Auszüge aus dem "Original" (MGH LL 1 S. 268), nach Seckel scheitert dies "an der Lesart 'scriptiones et manufirmationes' im dritten Exzerpt". Dies biete nur Benedict, das "Original" "trotz vieler Hss." ausschließlich 'subscriptiones et manufirmationes'"(7). Das ist zwar richtig, aber als Argument doch nur von begrenzter Tragfähigkeit, zumal sich dem entgegenhalten lässt, dass Benedict in c. 2, 236 einheitlich praesentiam regis schreibt, während praesentiam domni regis wenigstens von einer Handschrift des Kapitulars gedeckt ist(8). Es muss also insoweit ein kleiner Rest an Unsicherheit bleiben: Viel spricht für eine Übernahme aus Benedict, aber eine Rezeption des Kapitulars selbst ist nicht v&÷uml;llig auszuschließen.


Die Exzerptreihen fol. 90r-99v

Vorbemerkung:
Im ganzen folgen 27 Kapitel, die (bis auf eine Ausnahme: c. 11) nicht inskribiert, aber rubriziert sind. In sich sind sie nicht nummeriert. Wie schon Seckel zutreffend bemerkt hat, sind die Kapitel "unter einem systematischen Gesichtspunkt ausgewählt; sie handeln durchweg (c. 27 ausgenommen) vom kirchlichen Verm&÷uml;gensrecht (einschließich des Sakrilegs) und von den kirchlichen Privilegien"(9). Bei seiner Auswahl hat der Exzerptor durchaus Sachverstand bewiesen. Von der Methode her ist der Kompilator die Sammlung Benedicts von Anfang bis Ende durchgegangen. Von der Abfolge seiner Quelle gibt es nur zwei Ausnahmen: In der zweiten Teilreihe lässt er auf c. 3.421 c. 419 folgen, wenig später folgt c. 476 auf c. 477: Hier hat er sein Auge noch einmal im Umfeld schweifen lassen! Die Exzerpte sind recht ungleich auf die drei Bücher verteilt: Gerade mal vier Stücken aus dem ersten Buch stehen zehn aus dem zweiten und 13 aus dem dritten gegenüber: Buch III hat also fast genauso viel zu den Exzerpten beigetragen wie die Bücher I und II zusammen.
Im einzelnen stellen sich die Verhältnisse so dar:
Buch I: cc. 110; 190; 208; 339.
Buch II: cc. 84; 103; 112; 115; 117; 394; 395; 407; 426; 430.
Buch III: cc. 142; 143; 261; 265; 267; 287; 420; 421; 419; 445; 468; 477; 476.
Die Textqualität ist eher schlecht(10). Lesarten wie proprioribus (statt prioribus, 3, 142) oder Novissimus (statt Novimus; ebd.) oder edita (statt edicta; ebd.), particeps homicida (statt homicidii particeps und anderes mehr sind sicher keine Ruhmesblätter, sondern eher Produkte eines nicht sonderlich gebildeten AbschreiberS. Es ist deshalb auch nicht davon auszugehen, dass unser Parisinus 4761 das "Original" dieser Exzerpte darstellt. Denn der Exzerptor selbst war aus wesentlich intellektuellerem Holz geschnitzt als sein Abschreiber: Dies beweist schon die mit viel Sachverstand getroffene, thematisch sichere Auswahl der Kapitel. Seine Kennerschaft enthüllt sich aber an einer Stelle noch ganz deutlich: In c. 18/4 und 19/5 hat der Exzerptor die bei Benedict fehlende Inskription Ex concilio Arvernensi mit zutreffenden Kapitelzahlen hinzugefügt(11). Da unser Stück aber Benedicts Quelle nicht gewesen sein kann, muss der Exzerptor die Quelle seiner Vorlage erkannt und sich die Mühe des Nachschlagens und -tragens gemacht haben. Das aber ist im Verein mit der sachkundigen Auswahl ein weiteres Indiz für die Kenntnisse des Kompilators.
Was die Textversion der Auszüge angeht, so lässt sie sich nicht hundertprozentig bestimmen. Am ehesten folgt sie einer Version, die durch V14, Gb und V15 gebildet wird. Das zeigt sich an einigen Lesarten recht deutlich. Beispiele: 1, 110 inter ecclesias statt ecclesiis oder AGENDA statt AUGENDA (Rubrik 1, 208) oder das ziemlich sinnwidrige voluissemus (anstelle von noluissemus) in 3, 261. Allerdings decken sich die Exzerpte dieser Stücke nicht an allen Stellen, und in einigen Fällen bieten sie sogar Lesarten, die Benedict überhaupt nicht kennt: Vobis ergo vastantibus easque invadentibus denuntiamus anstelle von Videant ergo vastantes easque invadentes, praenuntiamus ... (3, 261; die gleiche Floskel in 2, 89), ebenso operatoribus statt patratoribus.
Seine Auszüge hat der Exzerptor zweimal mit ein und derselben, an den Titel von Benedict Buch III angelehnten Überschrift ausgezeichnet: Sie steht am Beginn der Exzerpte und dann, ebenfalls in Majuskel, am Beginn der aus Buch III gezogenen Stücke.
Zum Vergleich sei hier der Vorspruch zum dritten Buch wiedergegeben. Die vom Kompilator übernommenen Worte sind kursiv.
Nonnulla haec capitula pro brevitate libri canonum atque levitate a domno Karolo et a suis sapientissimis episcopis excerpta sunt, quaedam de capite sententiae, quaedam vero de medio, quaedam autem de fine. Quae valde necessaria habenda sunt atque memoriter retinenda. Reliqua vero tam ab eisdem quam et postea a domno Ludowico eius filio suisque proceribus aucta sunt.
Im folgenden nummeriere ich die Kapitel nach dem Vorgang Seckels von 1-27 durch, füge jedoch dem zweiten Teil eine durch Schrägstrich abgetrennte eigene Nummerierung bei.


(1) Ben. Lev. 1, 110

CAPITULA   A   DOMNO   KAROLO   IMPERATORE   ET   FILIO   EIUS   HLUDOVVICO   AC   SAPIENTISSIMIS   IPSORUM   EPISCOPIS   EXCERTA.

DE COMMUTATIONIBUS UTILIBUS PERMANENDIS INUTILIBUSQUE DELENDIS.
Ubicumque commutationes [so, nicht, wie Seckel S. 407 mit Anm. 3 angibt: commutatio] tam tempore nostro quamque genitoris nostri legitimę et rationabiles atque utiles [durch Rasur korr. aus inutiles] inter ecclesias dei factę sunt, permaneant. Ubicumque vero inutiles et incommode atque inrationabiles factę sunt, dissolvantur, et recipiat unusquisque, quod dedit. Ubi vero mortua manus interiacet aut alia quęlibet causa, quę rationabilis non esse videatur, inventa fuerit, diligenter describatur et ad nostram notiam [so!] perferatur.


(2) Ben. Lev. 1, 190

DE ILLIS, QUI RES ECCLESIAE TENENT.
Si quis ecclesiascam [so!] rem tenet [korr. aus tenent?] et admonitus iudicium declinaverit, quousque ad discutionem veniat ut rem restituat ecclesiasticam, a communione privetur. ||fol.90v||


(3) Ben. Lev. 1, 208

QUOD RES ECCLESIARUM VOTA SINT FIDELIUM, PRĘTIA PECCATORUM ET PATRIMONIA PAUPERUM, QUIBUS NON SOLUM COLLATA CONSERVANDA, SED ETIAM AGENDA [so!] SUNT.
Quia iuxta sanctorum patrum traditionem novimus res ecclesię vota esse fidelium, praetia peccatorum et patrimonia pauperum [korr. aus pauperem], cui non solum habita conservare, verum etiam multa deo opitulante conferre optamus, tamen ut ab ecclesiasticis de non dividendis rebus illius ecclesiae suspitionem dudum conceptam poenitis [so!] admoveremus, statuimus, ut neque nostris neque filiorum et deo dispensante successorum nostrorum temporibus, qui nostram vel progenitorum nostrorum voluntatem vel exemplum imitari voluerint, nullam penitus divisionem aut iacturam paciatur ecclesia.


(4) Ben. Lev. 1, 339

DE PRĘDIIS DEO DICATIS.
Placuit, ne prędia cęlestium secretorum dicata deoque tradita a quibusdam aliqua occasione vexentur aut invadantur, sed sub inmunitatis tuitione perpetua firmitate perdurent. Similiter et homines earum et omnia, quę eis subiecta esse noscuntur. Si quis contra haec venerit, conponat sicut immunitate constituimus, et poenitentia ||fol. 91r|| publica a sacerdotibus usque ad satisfactionem multetur.


(5) Ben. Lev. 2, 84

DE HIS, QUI FIDELIUM OBLATIONES AUFERUNT VEL VASTANT AUT SINE PROPRII EPISCOPI IUSSIONE DANT VEL ACCIPIANT.
Qui fidelium oblationes ab ecclesiis vel a iure sacerdotum auferunt vel ablatas accipiunt, non solum aliena vota disrumpunt, sed et sacrilegium operantur, necnon et ecclesię dei fraudatores existunt, quia ecclesię aliquid fraudari vel auferri sacrilegium esse a maioribus approbatur.


(6) Ben. Lev. 2, 103

DE PRIVILEGIIS ECCLESIARUM VEL CLERICORUM NON CORRUMPENDIS.
Ut privilegia, quę ecclesiis et clericis ab antecessoribus nostris vel a nobis concessa sunt, semper maneant incorrupta.


(7) Ben. Lev. 2, 112

DE PRIVILEGIIS ECCLESIARUM.
Ut privilegia, quę sacrosanctis ecclesiis et clericis a singulis regibus vel episcopis ceterisque rectoribus sunt concessa, semper maneant incorrupta.


(8) Ben. Lev. 2, 115

QUOD SACRILEGIUM SIT, ECCLESIĘ ALIQUID AUFERRE AUT SACERDOTIBUS VEL MINISTRIS AUT IPSO SANCTO CULTUI LOQUOQUE [so!] INIURIAM INFERRE. [am rechten Blattrand: CAP DE LEGE]
Si quis in hoc genus sacrilegii proruperita [so!], ut in ecclesias earumque res inruens, sacerdotibus ac ministris ||fol. 91v|| vel ipso cultui locoque aliquid, que non oportet iniurię inferat, divini cultus iniuriam convictus sive confessus reus capitali sententia noverit vindicandum. Nec expectetur, ut episcopus iniurię proprię ultionem deposcat, cui sanctitas ignoscendi soli gloriam dereliquid. Sitque cunctis non solum liberum, sed etiam laudabile factas atroces sacerdotibus aut ministris iniurias veluti publicum crimen persequi ac de talibus reis ultionem mereri.


(9) Ben. Lev. 2, 117

QUOD HII, QUI PRĘDIA ECCLESIASTICA DIRIPIUNT VEL VASTANT, SACRILEGI SINT EXILIOQUE DAMPNANDI.
Ab omnibus illius usurpationis contumelia depellenda est, ne prędia sibi cęlestium secretorum dicata a quibusdam inruentibus vexentur. Quod si quis praesumpserit, post debitae ultionis acrimoniam, quę erga sacrilegos iure promenda est, exilio perpetuae deportationis dampnetur.


(10) Ben. Lev. 2, 394

QUOD PRAEDONES ECCLESIAE SACRILEGI SINT, SICUT SCRIPTURĘ TESTIMONIO CONPROBATUR.
Sacrilegi sunt ecclesię prędoneS. Unde et in concilio Agatensi sub quarto capitulo decretum habetur ita: ||fol. 92r|| Amico quippiam rapere, furtum est. Ecclesię vero fraudari vel abstrahi subripique sacrilegium. Omnes enim contra leges facientes resque ecclesiae diripientes ecclesias sacerdotesque contra divinas sanctiones vexantes sacrilegi vocantur, atque indubitanter infames sacrilegique habendi sunt.


(11) Ben. Lev. 2, 395

QUOD EA QUĘ DOMINO CONSECRANTUR, AD IUS ECCLESIASTICUM PERTINEANT.
LIB[ER] VI [CA]P CCCXCVIII.
Ea quę domino offeruntur vel consecrantur, ad ius pertinent sacerdotum. Et sacrilegi sunt omnes, qui ea auferunt.


(12) Ben. Lev. 2, 407

QUOD OMNIA, QUĘ DEO OFFERUNTTUR [so!], PROCULDUBIO ET CONSECRANTUR.
Omnia quę domino offerunttur [so!], procul dubio et consecrantur. Et solum sacrificia, quę a sacerdotibus super altare domino consecrantur, oblationes fidelium dicuntur, sed quicquid ei a fidelibus offeruntur, sive in mancipiis, sive in agris, vineis, silvis, pratis, aquis, aquarum vęl [so!] decursibus, artificiis, libris, utensilibus, petris, edificiis, vestimentis, pellibus, laneficiis, pecoribus, pascuis, membranis, mobilibus et immobilibus vel quecumque de his rebus ad laudem dei fiunt vel supplementum sanctę ecclesię eiusque sacerdotibus atque ornatum prestare possunt, deo ecclesięque suę a quibuscumque ||fol. 92v|| ultro offeruntur, domino indubitanter consecrantur, et ad ius pertinent sacerdotum. Et quia Christum et ecclesiam unam personam esse veraciter agnoscimus, quęcumque ecclesię sunt, Christi sunt; et quę ecclesię vel in supradictis vel in quibuscumque speciebus sive pollicitationibus [korr. aus pollutationibus] sive pignoribus sive scriptis sive corporalibus rebus offeruntur, Christo offeruntur; et quę ab ecclesia eius quocumque commento alienantur vel tolluntur, sive alienando sive vastando sive invadendo sive minorando sive diripiendo, Christo tolluntur. Et si ab amico quippiam rapere furtum est, praecipuę Christo domino deo nostro, qui est rex regum et dominus dominantium, aliquid auferre vel alienare vel subripere vel vastare sacrilegium est. Omnes namque ecclesię praedones manifestissime sunt sacrilegi; et nullus sacrilegus nisi per puram probatamque atque publicam poenitentiam et per ecclesię satisfactionem, episcoporumque per manus impositionem, iuxta canonicas sanctiones reconciliationem, regnum dei possidebit, et non solum a regno dei fit alienus, sed etiam a liminibus sanctae ecclesiae et praecipue ab illius [korr. aus alius], quam lęsit, ||fol. 93r|| usque ad praedictam satisfactionem extorris efficitur. Talium vero scelerum patratoribus, nisi post predictam satisfactionem, nec vivis nec mortuis communicare debemus: Quia qui rapit pecuniam proximi sui, iniquitatem facit; qui autem pecuniam ecclesię abstulerit, sacrilegium facit. Qui non solum sacrilegi, sed etiam fures sacrilegi et lupi atque homicidę pauperumque necatores sunt, et insuper anathematis vinculo dampnati coram deo et sanctis eius efficiuntur.


(13) Ben. Lev. 2, 426

UT ECCLESIARUM PRIVILEGIA VEL FACULTATES SIVE QUICQUID AD EASDEM PERTINET, NULLUS INVEDERE [so!] PRAESUMAT.
Praecipimus omnibus ditioni nostrę subiectis, ut nullus privilegia ecclesiarum vel monasteriorum infrangere resque ecclesiarum invadere vel vastare aut alienare vel facultates earum diripere praesumat, nec sine praecario possidere pertemptet: quia, sicut a sanctis patribus instructi sumus, gravissimum peccatum hoc esse [Wortstellung korrigiert?] dinoscitur testante sacra scriptura, quę ait: Qui abstulerit aliquid patri vel matri et dicit hoc non esse peccatum, ||fol. 93v|| particeps homicida est. Pater noster sine dubio deus est. Mater nostra ecclesia, quę nos in baptismo spiritaliter regeneravit. Ergo qui Christi pecunias et ecclesię fraudat vel rapit, sive vastat vel alienat homicidi [so!] ante conspectum iusti iudicis esse deputabitur. De quo quidam sapientium dicit: Qui rapit pecuniam proximi sui, iniquitatem facit. Qui autem pecuniam ecclesię abstulerit, sacrilegium facit.


(14) Ben. Lev. 2, 430

QUOD HOMICIDE ANTE DEUM DEPUTENTUR, QUI RES ECCLESIAE VASTANT.
Volumus omnes scire, quod qui et Christi ecclesię pecunias auferunt, resque eius fraudant, rapiunt, vastant vel diripiunt, homicidę ante deum esse deputantur: quia res pauperum, quos ecclesia pascere debet, diripiunt.


(15/1) Ben. Lev. 3, 142

CAPITULA   A   DOMNO   KAROLO   IMPERATORE   ET   FILIO   EIUS   HLUDOVVCO [so!]   AC   SAPIENTISSIMIS   IPSORUM   EPISCOPIS   EXCERTA.
DE HIS, QUI PUTAVERUNT IDCIRCO PRAECEPTUM FUISSE NON IRE AD PUGNAM SACERDOTES, UT HONOR EIS MINUERETUR.
Quia instigante antiquo hoste audivimus quosdam nos suspectos habere, propterea quod concessimus ||fol. 94r|| episcopis et sacerdotibus ac reliquis dei servis, ut in hostes nisi duo aut tres ac ceteris electi et sacerdotes similiter perpauci ab eis electi non irent, sicut in proprioribus [so!] nostris continetur capitularibus nec ad pugnam properarent nec arma ferrent nec homines tam Christianos quam paganos necaraent nec agitatores sanguinum fierent vel quicquam contra canones facerent, quod honores sacerdotum et res ecclesiarum auferre vel minorare eis voluissemus, quod nullatenus facere velle vel facere volentibus consentire omnes scire cupimus, sed quanto quis eorum amplius suam normam servaverit et deo servierit, tanto eum plus honorare et cariorem habere volumuS. Et ut haec certius credantur et per futura tempora conserventur, praecipimus, ut nullus res ecclesię nisi praecario possideat. Et postquam ipsę praecarię finitę fuerint, faciant potestative speculatores ecclesiae, utrum elegerint ut aut ipsas res recipiant aut posteris eorum sub praecario et censu habere permittant. Ita tamen, ut ipsi proprias et utiles res eisdem [korr. aus eidem] ecclesiis, de quarum ecclesiarum iure esse videntur, legaliter ||fol. 94v|| tradant, et sic a rectoribus earundem ecclesiarum precarię si renovande sunt, canonicę renoventur. Novissimus [so!] ergo multa regna et reges eorum propterea cęcidisse, quia ecclesias expoliaverint resque earum vastaverunt, abstulerunt, alienaverunt vel diripuerunt; episcopisque et sacerdotibus atque, quod magis est, ecclesiis eorum abstulerunt et pugnantibus [korr. aus pugnatibus] dederunt. Quapropter ne fortes in bello nec in fide stabiles fuerunt nec victores extiterunt; sed terga multi vulnerati et plures interfecti verterunt regnamque et regiones et, quod peius est, regna cęlestia perdiderunt atque propriis hereditatibus caruerunt et actenus carent. Quę omnia vitantes nec talia facere nec consentire nec infantibus aut successoribus nostris exemplum dare volumus; sed quantum valemus et possumus adiuncto Leonis papę et omnium episcoporum, quorum consilio usi hoc egimus, spiritu nostro spiritui per deum et omnium sanctorum merita prohibemus contestamurque nec alia faciant vel facere volentibus consentiant [korr. aus consentient]; sed adiutores et defensores atque subli||fol. 95r||matores ecclesiarum et cunctorum servorum dei pro viribus existant; ne in foveam, in quam predicti reges et regna ceciderunt, cadant aut in profundum, quod absit, inferni demergantur [korr. aus demergatur]. Et ut haec devotius pro futura tempora conserventur, praecipientes iubemus, ut nullus tam nostris quam futuris temporibus a nobis vel successoribus nostris ullo umquam tempore absque consensu et voluntate episcoporum, in quorum parrochiis esse noscuntur, res ecclesiarum petere aut invadere vel vastare aut quocumque ingenio [korr. aus ingenuo] alienare pręsumat. Quod si quis fecerit tam nostris quam et successorum nostrorum temporibus poenis sacrilegii subiaceat et a nobis atque successoribus nostris nostrisque iudicibus vel comitibus sicut sacrilegus et homicida vel fur sacrilegus legaliter puniatur et ab episcopis nostris anathematizetur, ita ut mortuus etiam sepultura et cunctis dei ecclesię precibus et oblationibus careat nec ęlemosinam suam quisquam recipiat. Quod autem maximum sacrilegium sit res ecclesię autferre [so!], invadere, alienare, vastare vel subripi, maxime omnes scripturę divinę testantur. Et beatus Simmacus papa sinodali sententia ||fol. 95v|| cunctos feriendo dicit: Iniquum est, inquit, et sacrilegii instar, ut quę vel pro salute vel pro requie animarum suarum unusquisque venerabili ecclesiae pauperum causa contulerit aut certe reliquerit, ab his quibus maxime servare convenerat autferri [so!] aut in aliud transferri. Et multa sanctorum canonum decreta et sanctorum patrum edita hęc eadem testantur, quę scrutari et scire cupientibus perfacile patent.


(16/2) Ben. Lev. 3, 143

DE SCELERIBUS NEFANDIS, OB QUĘ REGNA PERCUSSA SUNT, UT PĘNETUS CAVEANTUR.
Prohibemus omnino sub poena sacrilegii generaliter omnibus cuntarum ecclesiarum rerum invasiones, vastationes, alienationes sacerdotumque et reliquorum servorum dei oppressiones, vexationes atque cunctorum generum iniurias necnon et cunctis utrisque sexus hominibus adulteria, fornicationes sodomiticasque luxurias atque incesta vel cuncta inlicita coniugia, homicidia, iniusta periuria, falsa testimonia et omnia inlicita, pro quibus non solum regna et reges, sed etiam homines in eis commanentes perire cognovimuS. Sed quia deo auxiliante ||fol. 96r|| per merita et intercessionem sanctorum servorumque dei, quos sublimare et honorare curavimus atque curamus actenus nos et successores nostri regna et regiones adquisivimus et victorias multas habuimus, deinceps summopere omnibus nobis providendum est, ne pro predictis inlicitis et spurcissimis luxuriis his, quod absit, careamus. Nam multę regiones, quę rerum ecclesiarum invasiones, vastationes, alienationes vexationesque et sacerdotum reliquorumque servorum dei oppressiones vel quascumque iniurias, quę iamdicta inlicita et adulteria vel sodomiticam luxuriam vel commixtionem meretricum sectatę fuerunt nec in bello sęculari fortes nec in fide stabiles perstiterunt. Et qualiter dominus talium criminum operatoribus ultrices poenas per Sarracenos et alios populos venire et sęvire promisit, cunctis earum gestas legentibus liquet. Et nisi nos ab his caveamus, similia nobis supervenire non dubitamus, quia vindex est dominus ex his omnibus. Quapropter sciat unusquisque nobis subiectus, qui in uno ex his repertus atque convictus fuerit, et honores, si habet, omnes perdere et in carcerem se usque ad iustam emendationem atque publicam ||fol. 96v|| satisfactionem retrudi et ab omni fidelium consortio fieri alienum. Valde enim cavenda est illa fovea, in quam alios cęcidisse cognovimus.


(17/3) Ben. Lev. 3, 261

DE REBUS ECCLESIASTICIS ABSQUE IUSSIONE PROPRII EPISCOPI NON DANDIS.
Placuit, ut episcopi rerum ecclesiarum in omnibus iuxta sanctorum canonum santiones plenam semper habeant potestatem. Nullus eas dare, vastare vel accipere absque proprii episcopi autdeat iussione. Nullus eas invadere vel vastare aut quoquo deteriorare praesumat. Nam devastantibus ecclesias earumque res nihil aliud intelligimus quam contra illum ęterni imperii deum eiusque maiestatis homines movere certamen, cum ille ędes illi die noctuque famulentur, et illi sint consecratę. Vobis ergo vastantibus easque invadentibus denuntiamus, ne ab illo, si se commoveat, vastentur et disperdantur, cuius periussionem montium dorsa ferre non possunt. Nos vero ista nec agere volumus nec facere volentibus consentire, ne nos, quod absit, perdamus aut se perdere volentibus consentiamuS. Quapropter praecipimus, ut si quis ex iure ecclesiastico ||fol. 97r|| actenus nostra largitate aliquid possedit, si illa deinceps habere voluerit, ad proprios episcopos veniat, et ab eis et a praepositis ecclesiarum unde esse videntur, quocumque modo iuste potuerit, ea impetrare satagat et nihil ex eis aliter ambigat aut concupiscat vel accipiat ne cupidus sanctarum rerum ignis, qui in eis est, eos favillosius exurat. Unde et in sacris canonibus spiritu dei conditis decretum habetur ita: Si quis oblata dederit vel acceperit praeter episcopum vel eum, qui constitutus est ab eo ad dispensandam misericordiam pauperibus, et qui dat et qui accipit, anathema sit. Scimus enim anathematizatos homines et in praesenti saeculo infames esse ac perditos et a consortio fidelium in omnibus absque pane et aqua fieri alienos, atque si absque ecclesię satisfactione de hac vita recesserint, a regno dei fore extorreS. Quam foveam cavere dissimulans vel recusans, nostra se sciat per omnia carere societate: que non solum, qui faciunt, sed qui facientibus prava consentiunt, rei sunt. Satius enim nobis est regnum non habere terrenum quam ęternum ||fol. 97v|| perdere. Plus vero me credo posse deum per suorum merita sanctorum adiuvare quam omnem militiam sęculorum. Quapropter omnes scire cupimus, si super his, quibus fruimur bonis, universum mundum lucrari potuissemus, nostram vestrasque animas perdere voluissemus, nec se praedictis cupiditatibus perdere volentibus assentire. Testante namque evangelica tuba didicimus, nihil prodesse homini universum mundum lucrari, si anima sua detrimentum paciatur. Et iterum: Quam dabit homo commutationem pro anima sua? Et iterum: Ibunt hi in supplicium sempiternum, iusti autem in vitam aeternam.


(18/4) Ben. Lev. 3, 265

DE HIS, QUI RES ECCLESIAE A PRINCIPIBUS PETUNT, UT IRRITA HABEANTUR, QUAE OPTINENT, ET IPSI COMMUNIONE PRIVENTUR.
Ex concilio Avernensi [korr. aus Avenensi] k. III. [Inskription am linken Blattrand]
Qui reicolam ecclesię petunt a regibus et horrendę cupiditatis inpulsu ęgentium substantiam rapiunt, irrita habeantur, quę optinent, et a communione ecclesię cuius facultatem auferre cupiunt excludantur.


(19/5) Ben. Lev. 3, 267

UT HI, QUI RES ECCLESIAE INCADUNT, VASTANT VEL DIRIPIUNT, SI MONENTE EPISCOPO NON SE CORREXERINT, COMMUNIONE PRIVENTUR.
Ex concilio Avernensi k. XIIII [Inskription am linken Blattrand] ||fol. 98r||
Si quis cuiuscumque minuscula ecclesiae sancti scripturarum [korr. aus scripturum] titulis collata nefaria calliditate abstulerit, fraudaverit, invaserit, retentaverit atque suppresserit et non statim a sacerdote commonitus deo collata reddiderit, ab ecclesię catholicę communione pellatur.


(20/6) Ben. Lev. 3, 287

DE HIS, QUĘ A PRIORIBUS PRINCIPIBUS CIRCA ECCLESIARUM UTILITATES SUNT ORDINATA, UT IMMOTA PERMANEANT.
Ea, quę circa catholicam legem vel olim ordinavit antiquitas vel parentum nostrorum auctoritas religiosa constituit vel nostra serenitas roboravit, novella superstitione submota integra et inviolata custodiri pręcipimus.


(21/7) Ben. Lev. 3, 420

UT AB ECCLESIAE SOTIETATE EXTORRIS HABEATUR, QUICUMQUE EIUS [nach E- Rasur eines Buchst.] REBUS DAMPNUM INTULERIT.
Ut nullus episcoporum aut cuiuslibet ordinis clericus vel alia quęcumque persona quibuslibet conditionibus seu in uno regno seu in alio positas alterius cuiuscumque ecclesiae res aut petat aut praesumat accipere. Quod si fecerit, tamdiu habeatur a communione altaris vel ab omnium fratrum ac filiorum caritate suspensus, donec ipse ecclesię, cuius directo ordine iuris est ablata, restituat.


(22/8) Ben. Lev. 3, 421

DE PRIVILEGIIS ECCLESIE ||fol. 98v|| ECCLESIARUM INLIBATE [korr. aus INLIBATTE ?] SERVANDIS.
Privilegia atque praecepta ecclesiarum manere semper incorrupta praecipimuS. Et quicquid ab antecessoribus vel parentibus nostris circa sacrossanctarum ecclesiarum utilitates constitutum est vel quę singuli quique antistites pro causis ecclesiasticis impetrarunt, sub poena sacrilegii iugi solidata aeternitate serventur.


(23/9) Ben. Lev. 3, 419

DE REBUS ECCLESIĘ A NULLO INIUSTE RETENTANDIS VEL DIRIPIENDIS.
Ne cui liceat res vel facultates ecclesiis aut monasteriis vel sinodochiis pro quacumque ęlemosina cum iustitia delegatas retentare, alienare atque subtrahere. Quod si quis fecerit, tamquam necator pauperum antiquorum canonicum sententiis constrictus ab ecclesię liminibus excludatur, quamdiu ab ipso ea, quae sunt ablata aut retenta, reddantur.


(24/10) Ben. Lev. 3, 419

UT ECCLESIASTICA IURA SEMPER INLIBATA PERMANEANT.
Monemus, ut iura ecclesiarum, sicut a patribus divinitus inspiratis sunt ordinata, inviolata permaneant. Nichil alienum inprobus ambitus concupiscat, nec per alterius imitationem suum aliquis quęrat augmentum.


(25/11) Ben. Lev. 3, 468

DE ECCLESIIS ET DOTIBUS EARUM, ||fol. 99r|| UT AD EPISCOPI SEMPER DISPOSITIONEM PERTINEANT.
Placuit, ut omnes ecclesię cum dotibus et omnibus rebus suis in episcopi proprii potestate consistant atque ad ordinationem vel dispositionem suam semper pertineant.


(26/12) Ben. Lev. 3, 477

DE HIS, QUę AB ANTECESSORIBUS NOSTRIS CIRCA CULTUM DIVINUM STATUTA FUERUNT, UT SEMPER INLIBATA PERMANEANT.
Quaecumque a parentibus nostris diversis [korr. aus diversi] sunt statuta temporibus manere inviolata atque incorrupta circa sacrosanctas ecclesias praecipimuS. Nihil igitur a privilegiis inmutetur omnibusque qui ecclesiis serviunt, tuitio deferatur. Quia temporibus nostris addi potius reverentię cupimus quam ex his, quae olim pręstita sunt inmutari.


(27/13) Ben. Lev. 3, 476

QUALITER HĘC STATUTA SERVANDA SINT ET DE HIS, QUI HĘC CONTEMPNMUNT SIVE CLERICIS SIVE LAICIS, QUID AGENDUM SIT.
Has omnes constitutiones ecclesiasticas, quas summatim breviterque perstrinximus, sicut plenius in canone continentur, manere perhenni stabilitate sancimuS. Si quis ergo clericus aut laicus harum ||fol. 99v|| sanctionum oboediens esse noluerit, si clericus fuerit, excommunicationi subiaceat. Si vero laicus fuerit et honestioris loci persona, medietatem facultatum suarum amittat fisci viribus profuturam. Si vero minoris loci persona est, amissione rerum suarum multatus in exilio deputetur.


(1) Zur Handschrift MORDEK, Bibliotheca S. 540-545, SCHMITZ, Collectio Ansegisi S. 130-132.
(2) Vgl. MGH LL 1 S. XXXII.
(3) SECKEL, Benedictus Levita decurtatus et excerptus S. 406ff.
(4) Vgl. MORDEK, Bibliotheca S. 544, zu den Benedict-Auszügen die Angaben von Pertz, MGH LL I S. XXXIII: "capitula quaedam Benedicti libris excerpta".
(5) In Cod. Avranches, BibliothŔque municipale 145 ist dies bemerkt worden, die Kapitel sind suo loco nachgetragen, vgl. Collectio capitularium Ansegisi, ed. SCHMITZ S. 590, 9-12.
(6) Collectio capitularium Ansegisi, ed. SCHMITZ S. 509, 11.
(7) SECKEL, Benedictus Levita decurtatus et excerptus S. 406 Anm. 6.
(8) Vgl. die Angabe von BORETIUS, MGH Capit. 1 S. 116 Anm. f).
(9) SECKEL, Benedictus Levita decurtatus et excerptus S. 407.
(10) SECKEL hatte die Handschrift zwar gesehen, sich aber nur die Textanfänge notiert und verglichen: "Angesichts der Ausgabe bei Baluze ... schien mir die Textvergleichung überflüssig" (Benedictus Levita decurtatus et excerptus S. 407 Anm. 1). Baluze gibt aber nicht alle Varianten seiner Handschrift wieder (vgl. MANSI 17B Sp. 519ff.).
(11) Concilium Claremontanum seu Arvernense a. 535, CC 148A, ed. Ch. DE CLERCQ (1968) S. 106, 35-38 und c. 14 S. 108, 79-178, 84. Zur Zählung sind die Angaben von F. MAASSEN, MGH Conc. 1 S. 67, 6-8 und S. 68, 19-21 zu vergleichen.

2008-03-31 G.Sch.